Das Gute liegt so nah

Österreich-Urlaub im Mazda MX-5

Nächstes Jahr machen wir Urlaub in Österreich heißt es dann immer im Herbst, wenn man braun gebrannt, aber finanziell von Flug, Hotel und „ah Drinks kommen ja doch extra dazu“ ausgebrannt beim Heurigen mit Freunden den Sommer Revue passieren lässt. Zustimmendes Nicken, große Worte über die Schönheit der Heimat, die im darauffolgenden Frühjahr vergessen scheinen. Alle haben erfrorene Zehen und kalte Füße bekommen. Der Winter war hart und man verzehrt sich nach der Hitzegarantie im Süden.

Text: Gregor Josel

Sei’s drum, denk ich mir. Macht ihr doch was ihr wollt, ich zieh’s dieses Jahr durch. Zugegeben für den Kurzurlaub.

Der Plan ist schnell gebastelt, die sieben Sachen in den Weekender verstaut und der Freundin mitgeteilt, dass es nicht weit weg geht und sie durchaus – denn man will gerüstet sein – auch eine – tief durchatmen – Übergangsjacke – mitnehmen soll. Auch Kappe oder Kopftuch sollen nicht fehlen. Schönheitswettbewerb müssen wir keinen gewinnen, das macht das Auto für uns.

Wo wir beim Hauptdarsteller unserer Geschichte wären, dem MX-5, seines Zeichens Kultcabrio von Mazda. In seiner Neuauflage ideal, um in holder Zweisamkeit Serpentinen, Pässe und Seestraßen hinter sich zu lassen und von Passanten bewundert zu werden.

Also los. Unsere erste Route führt uns von Wien über die malerischen Landschaften im Süden, durch pittoreske ehemalige K&K Orte des Piestingtals richtung Rax und Semmering. Hauptsaison ist hier kaum zu spüren. Zu viel Gegend – wie auch die „Ortschaft“ Gegend wortwörtlich bezeugt. Wir genießen die Stille und halten an der Schwarza, um uns im kühlen Nass zu erfrischen und unseren Freunden Fotos von Kabriofahrt und menschenleeren Flussufern zu schicken.

Es ist doch erstaunlich, denk ich mir, wie schnell man sich als Kabriofahrer fühlt. Ganz selbstverständlich wird das „Fetzndachl“ oldschool händisch auf und zugeklappt, geraten Klimaanlagen in Vergessenheit, werden Rücksitze als überflüssiges Beiwerk kleingeredet. Nach einer ausgedehnten – „lass uns doch noch in dieses Tal fahren“ – Rundreise um den Semmering, erreichen wir am frühen Abend das Looshaus am Kreuzberg. Als wäre er hier aufgewachsen schlängelt sich der MX-5 die Bergstraße hinauf und fügt sich neben Vertretern gehobenen Deutschen Automobilhandwerks in den Schaulauf des Parkplatzes. Wir lassen uns Aperitif und Karte bringen und genießen die Ruhe der Bergwelt.

Als wir an Tag zwei aufwachen stelle ich mit Vergnügen fest, dass er sich auszahlt, der Urlaub in Österreich. Denn die Erholung tritt dank quasi nicht vorhandener Anreise, und Sprachbarriere, kaum Orientierungsschwierigkeiten und wohlbekannter Gemütlichkeit schon nach wenigen Stunden ein. Ausgeschlafen und voller Tatendrang wird im nahegelegenen Payerbacher Dorfcafé bei Melange mit Schlag für die nächste Etappe Kraft getankt

Wenn es in Österreich eine Schönwetter Garantie gibt, dann darf diese das Burgenland für sich verbuchen. Das Salzkammergut und der von den Wienern so geliebte Attersee ist zweifellos an Schönheit kaum zu überbieten. Aber bei einem Kurzurlaub will man sich dem von keinem Wetterbericht wirklich vorhersehbaren Wettersturz nicht überraschen lassen. Der gemeine Sommerwinter, der hier eintritt und die Luftfeuchtigkeit bei 13° Außentemperatur durch das Kabriodach drücken würde, ist ein Garant für dicke Luft im Innenraum. Daher biegen wir Richung Osten ab, um tatsächlich nach dicken Wolken am Semmering bei blauem Himmel am Neusiedlersee anzukommen. Der Weg führt uns durch die Weinhügel im Osten des Sees. Zwischen Purbach, Rust und Mörbisch verlassen wir die Landstraße und biegen in eines der unzähligen Gässchen ab, das direkt durch die Weingärten führen. Wie eine Fata Morgana erscheint vor uns ein über und über mit Kirschen gefüllter Obstbaum. Wir machen Halt und uns über die süßesten Früchte her.

Nachdem wir den Aussichtsturm erklommen und die Landschaft, den See und die unendlichen Weiten bestaunt haben, wird es Zeit Herberge Nummer zwei aufzusuchen. Der bekannte Oggauer Wein- und Gastronomiebetrieb Eselböck & Tscheppe führt in Rust die Pension „Drahteselböck“, ein Juwel für alle, die sich auch am Land urban fühlen wollen. Denn das Konzept könnte unorthodoxer und simpler nicht sein. Hier der Schlüssel, da der Wein- und Wurst und Käsekühlschrank, dort die Liste, um das Verzehrte selbst einzutragen. Diskretion vor Service, Selbstbestimmtheit vor Zuvorkommen. Wir lassen unsere Körper am hauseigenen Pool in die Liegen gleiten und begießen die Ankunft mit einem Gläschen Frizzante. An diesem Abend darf der MX-5 sich ausruhen, denn wir spazieren in die Ortsmitte, um dem obligatorischen Heurigenbesuch zu frönen. Nicht ohne den Freunden, die bei 38° Nachttemperatur im Apartment auf Karpathos grillen, ein paar Eindrucke zukommen zu lassen.

Nach einer erholsamen Nacht und vorzüglichem Frühstück treten wir die Heimreise an. Noch selten bin ich so erholt und voller Eindrücke in die heimatliche Couch gesackt. Kein Buch gelesen, keinen Strand gesehen, nicht im Meer gebadet. Aber das mach ich dann im August bei 42° in der Toskana. Man will doch im Herbst beim Heurigen mitreden können.