• Mit Pfeil und Lichtbogen

    Motorblock fährt Opel GT Concept

Fährt der Opel GT Concept über das Prototypen-Stadium hinaus, klatscht Rüsselsheim einen Farbklecks auf die Straße, der noch lange sichtbar sein wird.

Text: Rainer Behaunski

Opel und Geschwindigkeit, das gehört zusammen wie Ferrari und Formel 1. In einer alten Zeit, wo Vorschriften und Regelungen praktisch nicht vorhanden waren, experimentierte Opel mit der Geschwindigkeit, wie man es heute nur mehr virtuell am Computer durchspielen würde.

Der Opel RAK2 war ein raketenbetriebenes Fahrzeug, das von 24 Feststoffraketen angetrieben wurde. Die und 120 Kilogramm Treibladung brachten es am 23. Mai 1928 auf 238 km/h und zum Geschwindigkeitsweltrekord. Fritz von Opel persönlich saß hinterm Steuer. Das muss man sich mal vorstellen, 24 Feststoffraketen unterm Arsch! Wenn dir da ein Viech vor den Kühler rennt, verpufft es in seine einzelnen Moleküle, noch bevor es Miau/Wuf/Hust/Waah sagen kann.

Ob es für den Raketenfritz damals ein Spaß war, in der Kanonenkugel zu sitzen, wissen wir nicht. Ich glaube ja, der hat sich unterm Helm die Seele aus dem Leib geschrien. Das hoch riskante Experiment war wichtig – Opel war Erfinder, Grenzenverschieber und einer der ersten Entdecker des Fahrspaßes.

Diese Grenzerfahrung brennt sich ins Erbgut eines Unternehmens, es kann davon zehren und sie als zusammenschweißendes Ziel benutzen. Für Opel war seitdem klar: Wir haben den Fahrspaß im Portfolio, natürlich in abgeänderter Form: Feststoffraketen in den Alltag zu integrieren, gestaltete sich schwierig.

[video src="http://motorblock.at/wp-content/uploads/2016/05/IMG_3680.m4v" /]
[video src="http://motorblock.at/wp-content/uploads/2016/05/IMG_3696.m4v" /]

1960 und 1970 zeigen, wie leidenschaftlich Opel das Thema Sportlichkeit weiter behandelte: Der scharf geschnittene Opel GT und der Ur-Opel Manta waren eigenständig und trafen mitten ins Schwarze, allein der GT wurde über 100.000 mal produziert.

Dann, der Calibra oder so verrückte Ausgeburten wie der Lotus Omega, der auf Basis des Opel Omega A mit 377 PS und 557 Nm bei seinem Erscheinen 1991 eine der schnellsten Serienlimousinen der Welt war, mit einem Topspeed von 283 km/h.

Vernunftentscheidungen und eine deutliche Gewichtszunahme, zwängten den Sport ins hintere Eck. OPC, die hauseigene Sportabteilung, hat grandiose Arbeit geleistet, konnte aber dennoch keine Wunder vollbringen. Manche OPC-Modelle hätten die Konkurrenz gegen die Wand gefahren, wären da nicht eben die paar Kilos mehr auf den Hüften gewesen.

Doch nun! Vorhang auf für den Stargast dieses Beitrages: Opel GT Concept. Opel geht zurück zum Ursprung und wirft von dort einen Designbrocken weit nach vorne in die Zukunft. Wäre er 2026 aufgeschlagen, wir hätten noch genauso applaudiert.

Die Rüsselsheimer sagen, es sei ein Prototyp und überhaupt nicht fix, ob der in Serie geht oder nicht. Herr und Frau Rüsselsheim, wenn der nicht kommt, schneidets euch ins eigene Fleisch. Denn einen puristischen Frontmittelmotor-Sportwagen mit Heckantrieb (und mechanischer Diff-Sperre) herzeigen, mit unter 1.000 Kilogramm, 145 PS und 205 Nm und ihn dann nicht bauen, grenzt an Frotzelei. Aber lassen wir das, die bauen ihn bestimmt.

Ich sitze im Prototyp. Außen wie innen merkt man ihm das Rohstadium kaum an. „Passen Sie bitte auf, die Reifen haben keinen Grip, der Antrieb und die Lenkung sind eher einfach. Gestern wäre ein Journalist fast gegen die Wand geknallt, seitdem habe ich ein ziemlich marodes Nervengerüst.“ Der erste Eindruck ist fantastisch. So klein er außen ist, mit 3,85 Metern Länge kürzer als ein Opel Corsa, so geräumig ist der Opel GT Concept innen. Die Windschutzscheibe zieht sich bis weit nach hinten zum Heckbereich, so sitzt man praktisch im Freien und hat eine perfekte Rundumsicht. Ich drehe im riesigen Geheim-Hangar meine Runden und frage mich, warum man den nicht jetzt schon baut. Der hätte eine Alleinstellung, am ehesten erinnert der GT Concept noch an den Mazda MX-5, der den beiden Passagieren aber viel weniger Innenraum zur Verfügung stellt.

Die Bedienung der zum Teil hochlernfähigen Entertainment-Features soll ausschließlich via Sprache oder Touchpad passieren, Seitenspiegel werden durch Kameras ersetzt, Termine werden ans Verkehrsaufkommen angepasst und überhaupt soll der Opel GT Concept bei all dem Purismus und Fahrspaß vor allem den Fahrer unterstützen und entlasten. Mich begeistert noch immer das Fahrgefühl. Man sitzt tief und hat über dem Kopf nichts. Wenn Opel Stimmen sammeln sollte, um den Bau bei der nächsten Aktionärsversammlung rechtfertigen zu können: Meine haben sie.

[video src="http://motorblock.at/wp-content/uploads/2016/05/IMG_3688.m4v" /]
0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Wir freuen uns über ihren Beitrag!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>