Eilige Eltern

Opel Insignia GSi: Sportlich mit Basis-Motor?

Verarbeitung auf höchstem Niveau und feinste Materialienauswahl müssen beim Autokauf nicht zwangsläufig zur Schlachtung sämtlicher Sparschweine führen – selbst, wenn einem ja nichts Undeutsches in die Garage kommt.

Text: Maximilian Barcelli

Zwei Mal konnte uns der Opel Insignia mit Qualität und einem starken Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugen. Während der Kombi, genannt Sports Tourer, in Hamburg bei Testfahrten eine gute Figur machte, manifestierte die Limousine über zwei Wochen hin in Wien unsere gute Meinung zum Fahrzeug. Doch wie sagt man so schön: Alle guten Dinge sind drei. Weshalb wir nun dem (vorläufigen?) Topmodell des Flaggschiffes aus Rüsselsheim auf den Zahn gefühlt haben. Dieses musste allerdings etwas mehr Überzeugungsarbeit leisten.

Ein frischer Wind weht motortechnisch nämlich nicht. Sowohl das Benzin-Aggregat, welches 260 PS abdrückt, als auch der Selbstzünder mit seinen 210 Pferdchen und einem bulligen Drehmoment von 480 Nm sind schon bekannt und können auch im Basis-Insignia geordert werden. Dennoch müssen für den GSi noch einige Flocken mehr liegen gelassen werden. Die Kombi-Version des Topmodells übertritt sowohl als Diesel und Benziner die 50.000er Grenze – und zwar nackt. Wobei nackt beim Insignia GSi im Vergleich zu gewissen deutschen Konkurrenten gut gekleidet bedeutet. Die Frage, wieso man nicht zum normalen Insignia greifen sollte, ist allerdings berechtigt. Und wir versuchen sie zu beantworten.

Denn wer am Rundkurs oder auf der kurvenreichen Landstraße flott unterwegs sein möchte, der braucht nicht nur einen starken Motor, welcher angemessene Längsdynamik garantiert. Auch verzögern will gelernt sein – und der neue Opel Insignia GSi war in diesem Kurs wohl ein Streber. Denn die Brembo-Bremsen packen wirklich ordentlich zu und sind sogar serienmäßig mit dabei. Überzeugen konnte der Insignia GSi auch in sämtlichen Kurvenlagen: Die Reifen bauen in Kombination mit dem Allradantrieb und Torque Vectoring unglaublich viel Grip auf. Allerdings punktet der Opel Insignia GSi nicht nur mit einer Beschleunigung von 7,3 Sekunden (Limousine mit Benzinmotor) auf Landstraßentempo oder den überzeugenden Bremsen. Auch das verbesserte Fahrwerk kann sich sehen lassen, sowie die kürzeren Federn, die den Insignia GSi im Vergleich zum Basis-Modell zehn Millimeter tiefer liegen lassen. Das Fahrzeug steht so satt auf der Straße.

Beim sportlichen Hatzerl über die Landstraße fällt auch das flotte Automatikgetriebe auf, welches durch (serienmäßige!) Schaltwippen am Lenkrad dirigiert werden kann. Der Sound tönt übrigens angenehm, aber familienfreundlich. Denn trotz all seiner dynamischen Attribute ist der Insignia GSi, besonders als Kombi mit 560 Liter Kofferraumvolumen, durchaus ein Auto für Mamas und Papas. Für Mamas und Papas, die Fahrfreude schätzen.

Denn wenn die elektronischen Helferlein auf „Competition“ gestellt werden, sind auch ordentliche Heckschlenzer möglich. Zumindest bis zu einem bestimmten Grad – irgendwann holt dich das ESP dann auf den Boden der Tatsachen zurück.

Der ist allerdings recht angenehm zu betreten: Optische Nachschärfungen, üppige Serienausstattung, brillante Bremsen sowie ein sportlicheres Fahrwerk – und das für einen recht angemessenen Preis. Da ist es kein Drama, dass die Motoren schon im Basis-Modell werkeln. Außerdem muss ja noch für einen OPC Platz nach oben gelassen werden – falls überhaupt einer kommt.