Opel ist zurück

Potz Blitz!

Opel Corsa Schnaufze

Mein Opa fuhr Opel. Einen Kadett. Er meinte immer, der gehe richtig schnell, dabei war er einfach nur dunkel-rot. Mit einem Fahrwerk so schwammig wie abgelaufene Milch war er, sagen wir mal salopp, auf der komfortablen Seite angesiedelt. Er ging nicht schlecht, dank des geringen Gewichts, das unter anderem durch den Verzicht von jedweden Dämmungen erreicht wurde, konnte man gut im Verkehr mitschwimmen. Apropos schwimmen: Die Lenkung lässt sich so beschreiben: Kennen Sie die Spielzeug-Autos, mit denen sich Eltern um damals 10 Schilling und heute einen übertriebenen Euro ein kleines bisschen Freiheit erkaufen? An deren Lenkrad man drehen kann, was man will und die Karre trotzdem das tut, was sie will, nämlich schaukeln? Genauso war’s damals im dunkel-roten Kadett auch. Und wie haben wir ihn geliebt. Ich, weil ich ihn mir als Führerscheinneuling gelegentlich erschnorrt hatte und so der Hero war (außer mir wusste das bloß keiner) und mein Opa, weil, nun ja, weil es ein richtig schnelles Auto war.

Mief hochverdichtet

So war das damals. Opel hatte seine Klientel und mein Opa hatte seinen Opel.

Fast Forward in die Gegenwart. Nichts ist mehr wie früher. Vom Herrn/Frau Bieder Meier zu Lady/Mister Pop Sex Rock Art. Der alte Mief wurde aber nicht einfach weggeblasen, er wurde verdichtet, destilliert, modifiziert und nicht stillschweigend in den Geschichtsbüchern verscharrt. Sie machen keinen Hehl aus der alten Zeit – mit der aktuellen Werbeschiene nimmt sich Opel sogar schmunzelnd selbst auf die Schulter. So als könnte man es selbst kaum glauben, wohin die Reise geführt hat.

Den Mutigen gehört die Welt

Stand früher die Gemütlichkeit im Vordergrund, so ist es heute die Extravaganz die sich in die erste Reihe stellt. Spaß muss die Karre machen, sei es bei den Individualisierungsmöglichkeiten oder dem Fahren an sich. Bei beiden Sachen mischen die Rüsselsheimer mit, bei Letzterem sogar gehörig. Genau, heizt den Dingern ein! Der Astra OPC feuert mit 280 PS-Salven gegen die Etablierten im Segment und der Individualkönig Adam bekommt als S auch noch satte 150 PS eingespritzt. Jetzt steht auch noch der Corsa OPC mit 210 Pferden unter der Haube in den Startlöchern!

Jetzt erst recht!

Vielleicht hat es mit dem Selbstvertrauen zu tun, das durch den Rückzug von Chevrolet an Gewicht zugelegt hat. Die Message dahinter scheint klar: GM vertraut Opel. Und Opel vertraut sich selbst. So kommt es, dass sich den Kunden heute ein reichhaltiges Angebot bietet. Vom feinen Cabrio, das die Amis jetzt sogar übernommen und ein Buick-Zeichen draufgeklebt haben, über einen revolutionären Van, der die leicht verstaubare dritte Sitzreihe eingeführt hat, bis zur richtig, richtig flinken Parallelabteilung OPC, Opel Performance Center, die sich nebenbei bemerkt den Nürburgring als Heimtrainer ausgewählt hat.

Einen Haken hat die Sache. Der erwähnte Heimtrainer tut ihnen motorisch richtig gut und hilft dem superfeinem Fahrwerk und der direkten Lenkung – trotzdem leiden die Modelle noch immer an Übergewicht. Der Astra OPC verfügt zwar über mächtig Leistung, die muss aber mit fast 1,6 Tonnen Leergewicht zurecht kommen, Performance und Kraftstoffeffizienz leiden darunter. Bringen die Rüsselsheimer dieses letzte Problem in den Griff, dann fahren sie den Mitbewerbern künftig fest um die Ohren. Oh!