• Die Parkzettel-Wegelagerer

    Jeder Mensch verdient eine zweite Chance. Daher sehe ich es als meinen Auftrag, Parksheriffs zu bekehren.

    von Franz J. Sauer

Mein Briefträger damals im 14. Hieb war ein netter, scheangelnder, gesprächiger Geselle. Wir hatten oft Gelegenheit zu plaudern, Stichwort RsB-Brief. Er hupte stets, wenn er meine Unterschrift brauchte und es gab Zeiten, da brauchte ich keinen Wecker mehr in der Früh. Gratis zum blauen Brief bekam ich fröhliche Plaudereien über die Lage der Nation frei Haus und frisch verliebt war er überdies. In eine Frau Parksheriff, wie er schmunzelnd verriet. Diese war auch eines Morgens der Grund für die gar nicht gute Laune meines Postillons.

Das ist Brutalität

Sie war am Vorabend verhauen worden, seine „Holde“, wie er sie gerne nannte. Von einem brutalen Autofahrer, der sich zu Unrecht vernadert fühlte, habe sie eine geschmiert bekommen, auf dass sie ein blaues Aug nun hätte. Ich bekundete Mitleid, reichte meinem traurigen Freund einen Extraschnaps zum Kaffee und – tat mir richtig schwer, meine Schadenfreude zu verhehlen, so lange bis der Kerl wieder bei der Tür draußen war. Natürlich tat mir Frau Postler leid, schließlich kann es nicht sein, dass irgendwelche Wahnsinnigen Watschen an diejenigen austeilen, die zwar nach außen hin ein Übel verkörpern, letztlich aber kaum dafür verantwortlich gemacht werden können. Aber trotzdem mag ich meine Freunde mit den feschen blauen Dressen hier nicht komplett exkulpieren.

Wir lernen die Uhr

Meine Abneigung gegen die blaugekleideten Organe ist nämlich eine biblische, gebe ich zu. Ich hasse Parksheriffe. Und ich bringe null Verständnis auf für ihre Aufgabe, auf der Basis eines irreführend bis hämisch formulierten Auftrages Geld in die Stadtkasse zu spülen und dafür dann womöglich (hartnäckige Gerüchte diesbezüglich wollen nicht verstummen) auch noch Provisionen kassieren, also dazu motiviert werden, so viele Strafzettel wie möglich auszustellen. Oder hätten Sie vielleicht die Erfahrung gemacht, es gäbe jetzt plötzlich mehr Parkplätze in Ihrem Grätzel, nur weil es von der Staatsmacht zur „parkraumbewirtschafteten“ (allein schon bei der Aussprache dieses Wortes schaudert es mich!) Zone gemacht wurde? Reine Geldmache also, mit bekappten, unerbittlichen Erfüllungsorganen, denen die Mama in der Früh allen das selbe angezogen hat. Stolz auf kleine Plastiktüten, in die sie ihre gelegentlich sogar richtig ausgefüllten Machwerke pfrimeln. Bloß die Uhr können die traurigen Gestalten nicht lesen: erst letztens bekam ich wieder ein Zetterl mit der „Tatzeit 07h05“ in die Scheibe geheftet, obwohl ich bereits losgefahren war, als im Radio die Siebenuhr-Nachrichten begannen. Ein Schelm, wer da Böses oder an Provisionen denkt …

Jobinterview

„Sie sehen gesund aus, bedingt auch intelligent, immerhin: Sie können zählen. Warum machen Sie keinen anständigen Beruf?“ So pflege ich die nämlichen Personen anzusprechen, wenn ich Zeit dazu finde und definitiv nicht meinem jeweiligen, fahrbaren Untersatz zuzuordnen bin, also feige inkognito bleibe. Und siehe da – meist verspürt das Organ daraufhin das Bedürfnis, sich zu rechtfertigen. Ich hab nix anderes gefunden, bin herzkrank und muss im Freien arbeiten, kann nicht lange sitzen, der Bandscheibe wegen, etcetera. Oft endet derlei mit einer Bewerbung, wenn ich einen anderen Job wüsste, sollte ich mich melden. Werde ich tun. Jeder Mensch hat sich eine zweite Chance verdient.

Meine Abneigung gegen die blaugekleideten Organe ist biblisch. Ich hasse Parksheriffe. Und ich bringe null Verständnis auf für ihre Aufgabe, auf der Basis einer irreführend bis hämisch formulierten Gesetzesregelung, Geld in die Stadtkasse zu spülen.

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