Ferrari Mechaniker Christian Passegger im Interview

Der Pferdeflüsterer

Automobile Preziosen benötigen die regelmäßige Kontrolle durch einspezialisiertes Auge. Christian Passegger hat zwei davon. Er ist seit 20 Jahren Ferrari-Mechaniker, wenn einer den „cavallino rampante“ versteht, dann er.

Interview: Rainer Behounek | Fotos: Maximilian „Maquez“ Lottmann

Chris, wie wird man Ferrari-Mechaniker?

Bewerben hat man sich ja nicht können, damals, 1996. Im ersten Lehrjahr bei Denzel habe ich noch auf BMW gelernt. Mit Ferrari bin ich im Zuge einer Lehrlingsausschreibung in Berührung gekommen. Also dachte ich mir, mal reinschnuppern in die Ferrari-Welt. Das funktionierte ganz gut und ich konnte meine restliche Lehrzeit auf Ferrari fertig lernen.

Kannst du dich noch an deine erste Situation mit einem Ferrari erinnern?

Das war mit einem F40. Ich sollte mich reinsetzen und auf die Bremse steigen, damit die Mechaniker die Räder festziehen konnten. Ich war fertig. Wie jetzt, einsteigen? Hineingeschwebt bin ich, damit ich ja nicht mehr berühre als notwendig. Da wusste ich, dass es für mich keine andere Marke gibt.

20 Jahre Ferrari, macht das nicht betriebsblind? Könntest du, sagen wir, auch einen Lamborghini zerlegen?

Ich weiß natürlich, wie ein Auto funktioniert. Aber 20 Jahre auf einer Marke hat tatsächlich Vor- und Nachteile. Du bist ein Spezialist und kennst alle Probleme und Eigenheiten, die die Boliden haben können. Andererseits hast du einen sehr engen Horizont, was spezielle Arbeiten anbelangt. Zum Glück gibt es für mich sowieso nur eine Marke, da ist mir alles andere recht wurscht (lacht).

Was für eine Person ist der klassische Ferrari-Kunde?

Wenn es um die reinen technischen Daten geht, gibt es auch andere Sportwagen, die weniger auffallen. Aber einen Ferrari kaufst du dir ja nicht, um nicht aufzufallen, sondern weil du zeigen willst, dass du es geschafft hast. Und doch, den klassischen Kunden gibt es eigentlich nicht. Wir haben Kunden, die haben zu zweit ein Auto, und dann haben wir Kunden, die kriegen jedes Jahr ihr neues Modell angeliefert. Die einen versuchen dort und da den Preis zu drücken und die anderen stellen das Auto hin und wollen, dass es wieder funktioniert, egal was es kostet.

Es gibt wirklich Ferrari-Kunden, die feilschen?

Klar, weil manche Modelle verhältnismäßig leistbar geworden sind und einige Leute zugeschlagen haben. Das Problem ist, kaufen kann man sich einen Ferrari schnell mal, aber nicht leisten. Service, Ersatzteile, das kostet alles richtig viel Geld. Bei einem Zahnriementausch musst du oft den kompletten Motor ausbauen, da fällt die 5.000-Euro-Marke recht schnell.

Dein Lieblings-Ferrari?

Ganz klar, der F40. Das war ein Monster damals, ist es heute noch. Grundsätzlich gefallen mir die „zerlegten“ Autos nicht, Spoiler oder so. Aber der ist anders, alles ist auf die Leistung ausgelegt. Das Carbon, der Einstieg, der Innenraum – der F40 ist der Inbegriff von Ferrari.