Gegen die Physik!

Der Porsche 911 GT2 RS

Er ist Alltagsauto und Breitensportler, Traumwagen und Statussymbol, Powercruiser und Präzisionswaffe für Vollgas-Fetischisten – in über 50 Jahren hat der Porsche 911 mittlerweile bald jede Nische und Nuance abgedeckt, die man sich für einen Sportwagen vorstellen kann. Doch Porsche wäre nicht Porsche und der Elfer wäre nicht der Elfer, wenn nicht immer noch ein bisschen mehr ginge.

Von Thomas Geiger

Das beweisen die Schwaben jetzt aufs Neue, wenn sie zum Jahreswechsel wieder einen GT2 RS in den Handel bringen. Denn mit seinem auf 700 PS und 750 Nm getunten Turbo im Heck wird aus einem guten aber mittlerweile doch etwas gewöhnlichen Sportler ein Supersportwagen, der über jeden Lamborghini lacht und jedem Ferrari frech seinen riesigen Carbon-Flügel zeigt, wie einen ausgestreckten Mittelfinger.

Schon auf dem Papier ist der GT2 RS ein faszinierendes Auto: Nicht umsonst tobt im Heck ein so gründlich überarbeiteter Sechszylinder, dass er mit dem 3,8 Liter-Triebwerk aus dem Turbo S nicht mehr viel mehr als den Hubraum und die Geometrie gemein hat: Die Lader machen mehr Druck und die Ladeluftkühler werden bei sehr hohen Temperaturen noch einmal mit Wasser gekühlt. Beides steigert die Effizienz der Verbrennung und kitzelt deshalb bis zu 700 PS aus dem Heckmotor. Das sind 80 PS mehr als beim Vorgänger und mehr als genug für atemberaubende Fahrleistungen. Von 0 auf 100 in 2,8 Sekunden und bei Vollgas über 340 km/h – das sind selbst für Porsche-Fahrer ungewohnte Dimensionen.

Doch erst in der Praxis wird der GT2 RS wirklich zum Elfer der Extreme: Denn es ist nicht allein der mächtige Motor, der ihn in neue Sphären schießt. Sondern es ist die Kombination aus schier unendlicher Kraft, dem radikalen Leichtbau und einem Fahrwerk mit beinahe immerwährender Bodenhaftung, die einem die Sinne zu rauben droht: Egal wie schnell mal die Kurven nimmt und egal wie eng die Radien werden – dieses Auto pfeift auf die Physik und kennt keine Haftgrenze. Und falls es doch mal eng werden sollte, haben die Keramikscheiben eine Verzögerung, dass es dem Fahrer zwar die Augäpfel aus dem Gesicht treiben mag, es dafür am Ende aber trotzdem noch immer irgendwie reicht. Man muss mit diesem Auto nur ein paar Minuten fahren, dann hegt man keinen Zweifel mehr daran, warum der 911 GT2 RS mit einer Rekordzeit von 6.47,3 Minuten die bislang schnellste Nordschleifenrunde für Straßensportwagen absolviert und sich ganz oben in die Bestenliste eingetragen hat.

Zwar hat es der GT2 RS damit zurecht zum King of the Ring geschafft. Doch man muss mit diesem Elfer gar nicht in die Eifel um seine Extreme auszukosten. Denn kaum schnellt der Drehzahlmesser über 3.000 Touren, kaum zwicken die Schalensitze bei der erste Kurve in den Hüften und kaum krallt sich die Hand fest ins griffige Lenkrad, wird jede Landstraße zur grünen Hülle und man lernt, dass die Nordschleife keine Frage der Geographie ist, sondern der Gesinnung.

Rasend schnell, messerscharf, von explosiver Gewalt und dennoch kühl und berechenbar wie eine Präzisionswaffe – so wird der Elfer zu einem Sportwagen für alle Sinne – und lässt einen selbst dann schon erschauern, wenn er noch kalt und unberührt beim Händler steht. Nicht umsonst ist der Elfer fürs Extreme mit einem Preis von 285.220 Euro auch der teuerste Elfer aller Zeiten.