Porsche 911 Targa 4 GTS

Just for Fun!

Einer geht noch! Obwohl es kaum einen Sportwagen mit so vielen Spielarten gibt wie den Porsche 911, fallen den Schwaben offenbar immer wieder neue Varianten ein, mit denen sie die Familie auffächern und so das Geschäft ankurbeln können. Deshalb schicken sie jetzt zum ersten Mal in 50 Jahren Targa-Geschichte auch ihr Teilzeit-Cabrio zum Bodybuilder und legen die mit Alu bebügelte Schönheit als sportliches Spitzenmodell GTS auf.

Von Thomas Geiger

Das klingt zwar erst einmal nach nicht viel mehr als einem miesen Kunstgriff des Marketings, zumal der Targa 4 GTS mit seinen 174 516 Euro fast zehn Prozent teurer ist als ein herkömmlicher Targa S und das breitere Heck als zusätzliches Verkaufsargument ausfällt. Schließlich gibt es den Targa ja in allen Varianten nur mit Allrad und deshalb auch mit der kessen Kehrseite, den jeweils zwei Zentimeter weiter ausgestellten Kotflügeln und den breiteren Walzen auf den 20-Zoll-Felgen. Und ob einem die dunkel eingefärbten Deckgläser der Scheinwerfer, die schwarzen Anbauteile, die strammeren GTS-Sessel oder der Zierrat in Alcantara tatsächlich 16 600 Euro mehr wert sein sollten, das muss jeder für sich entscheiden. Doch auch wenn man sich gegen diesen Eindruck mit Händen und Füßen wehren möchte – als GTS sieht der ohnehin schon schicke Targa einfach noch schärfer aus. Und vor allem fährt er auch noch besser. Die 430 statt 400 PS, die Porsche mit einer neuen Ansauganlage und einer neuen Software aus dem 3,8 Liter großen Boxer kitzelt, sind zwar nur eine Petitesse fürs Papier, zumal sich am maximalen Drehmoment von 440 Nm nichts ändert und man etwa beim Handschalter den Unterschied zwischen 4,7 und 4,8 Sekunden von 0 auf Tempo 100 oder die 303 statt 296 km/h wohl nur mit Präzisionsinstrumenten messen kann.

Praktikabel!

Doch in der Praxis haben diese minimalen Änderungen eine ziemlich maximale Wirkung: Wenn der neue Sportauspuff noch leidenschaftlicher grollt, beim Zurückschalten noch lauter gurgelt und bei Vollgas noch wilder kreischt, dann kennt man im Targa kein Halten mehr. Kurz zwingt man sich noch zum nervigen Stopp, bei dem das Behelfscabrio die Hüllen fallen lässt. Dann lässt man seinem Heißhunger freie Bahn, frisst gierig jede Kurve und verbeißt sich in der Ideallinie. Dabei ist es fast schon beängstigend, wie sicher und solide sich der GTS mit der strammeren seiner zwei Dämpferkennlinien dem Allradantrieb sei dank auf Kurs halten lässt. Die Physik scheint förmlich Pause zu machen und man fühlt sich beim Ritt auf Messers Schneide gefährlich unverwundbar. Bis irgendwann die Einsicht reift, dass hier der Fahrer und nicht das Fahrzeug der limitierende Faktor ist. Spätestens dann sollte man den Sport-Plus-Modus wieder deaktivieren, den Sitz etwas bequemer einstellen, den Griff am Lenkrad lockern und die andere Seite des GTS genießen. Denn so rasant der GTS sich über die Piste treiben lässt, so lasziv und lässig kann man mit ihm über den Boulevard bummeln. Eben noch ein Sportler wird der Targa GTS dann zum Showstar und gibt mit diesen zwei Eigenschaften buchstäblich den Modell-Athleten. Natürlich lässt sich Porsche dieses Bodybuilding gut bezahlen. Nicht umsonst sprechen die Schwaben beim GTS stolz vom Top-Modell der Targa-Familie und wollen damit den Anteil des rasenden Henkelmanns noch über die aktuell 13 Prozent treiben. Doch wenn man es genau betrachtet, ist der neue Sonnen-Sportler fast schon ein Schnäppchen. Zumindest, wenn man das GTS-Paket mit dem auch bislang schon verfügbaren Leistungskit für den normalen Elfer vergleicht. Dann kosten die 30 PS nämlich in etwa so viel wie der Aufpreis von S zu GTS und man muss auf Extras wie den grandiosen Sportauspuff und natürlich den ganzen Zierrat verzichten. Vielleicht sind die Typen vom Marketing doch gar nicht so übel.