Porsche gelingt es, seine Konzernbasis vollendet Richtung Sportwagenfeeling zu modifizieren.

Text: Franz J. Sauer

Zunächst weiß man ja: Ebenso wie der Cayenne auf einer Konzernbasis aufbaut (VW Touareg), hat auch der kleine – und reichlich spät auftauchende – Macan Vettern im Konzern. Diesfalls wird als direkte Verwandtschaft der Audi Q5 genannt. Was ja auch durchaus Sinn macht, puncto Größe, Premiumanspruch und Motorisierung. Allerdings genießt dieser nicht unumstrittenes Wohlwollen unter Auskennern, oder speziell jenen, die ihn sich gekauft haben. Dabei geht es keineswegs um Qualitätsdinge oder Luxus-Sachen. Das passt alles. Am SUV-Wesen des Q5 wird allerdings stets gemeckert. Der Kofferraum ist zu klein, der Platz auf den Hintersitzen zu eng und speziell wenn man vor dem Ding steht, das ja äußerlich doch ein ziemliches Ungetüm darstellt (nix gegen den Q7 freilich …), wundert man sich, wo all das feudale Platzangebot, das der Audi da auf den ersten Blick verspricht, im Inneren letztlich hingekommen ist. Das hat Volvo mit einem ungefähr gleich großen (und noch dazu billigeren) XC60 schon besser gelöst.

Sportlichkeit mit Platz

Porsche vermag genau derlei Mankos famos auszugleichen. Schließlich kann man einige der genannten Mängel durch den Nimbus ‚Sportwagen‘ in gewisser Weise ausgleichen. Mit anderen Worten: Da werden beim Porsche-Käufer mit Sicherheit weniger Erwartungshaltungen enttäuscht, als beim luxusorientierten aber-dann-doch-Pragmatiker, der Audi fährt. Frecherweise leistet sich der Porsche Macan zur gelebten Sportlichkeit auch noch die Ungehörlichkeit, tatsächlich mehr Platz als der Q5 anzubieten, gefühlt jedenfalls und zumindest beim Laderaum – fragen Sie uns nicht, wie die das gemacht haben. Vielleicht die etwas bauchigere Heckklappe? Intelligentere Rücksitz-Situation? Oder alles nur eine optische Täuschung? Egal. Schließlich ist der Porsche Macan ein Porsche. Und damit kommen wir zu Wichtigerem als schnödem Kofferraumvolumen: der Leistung.

Das Kofferraum-Volumen enttäuscht. Aber da werden beim Porsche-Käufer mit Sicherheit weniger Erwartungshaltungen enttäuscht, als beim luxusorientierten aber-dann-doch-Pragmatiker, der Audi fährt.

Insofern ist es ja letztlich kein Kunststück, einen Turbo-Macan mit ordentlich Leis-tung aufzublasen und dadurch zumindest auf jeder Geraden kompromissloses Supersportler-Feeling zu erkaufen. Auch der Macan S, mit 340 PS aus acht Zylindern alles andere als schwach auf der Brust (wir kennen das Aggregat aus dem Cayenne), gibt sich schon auf dem Datenblatt sportlich, da bleibt kein Zweifel übrig. Stellen wir uns also der Herausforderung des Selbstzünders, der, wie wir ebenfalls aus der Cayenne-Geschichte wissen, das bei Weitem am meisten verkaufte Macan-Modell werden wird – da fährt die Eisenbahn drüber. Auch den Dreiliter-TDI kennen wir von Audi. Hier wie dort fühlen sich seine 258 PS an wie weitaus mehr. Der Punch von unten entschädigt für hörbares Genagel, verblüffend an diesem Motor ist immer wieder, dass er auch obenraus noch fein und ganz und gar nicht selbstzünderlike zu orgeln ist.

Spaß-Paket

Insofern macht diese Maschine sowohl in der Stadt, an der Kreuzung wie auch auf der Autobahn Spaß. Und schafft es im Verbund mit einem tollen Package, Sportwagenfeeling in die Kompakt- SUV-Welt zu importieren. Mit Package meinen wir hier übrigens: Wie sich das Auto um einen schmiegt, wenn man es besteigt. Manche würden beengt sagen, andere lieben es, von Porsches umschlungen zu werden. Das Fahrwerk passt ebenfalls, nicht zu streng, nicht zu weich. Und wen der Hafer sticht und die Family aussteigt, der kann man sich auch ein paar Kurverln geben, als säße man im knackigen Cayman..

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