Wellen schlägt der Skoda Octavia seit seiner Präsentation 2012 nach wie vor Weitreichende. Als Lieblingskombi der Österreicher ist er die Cash-Cow von Skoda und so ziemlich jeder Automobilist kann sich auf den Kompromiss von Preis und Leistung bei Skoda einigen. Hat auch der unlängst nachgereichte Nachfolger der Scout-Version das Zeug zum Bestseller? Eine Spurensuche abseits von asphaltierten Straßen.

Text: Philipp Stalzer

Es gibt Autos, in denen man sich einfach zu 100% wohlfühlt. Die Sitzposition, der Sitz selbst, die Ergonomie, die Rundumsicht, das Platzangebot, das Raumgefühl – das passt einfach. Es entsteht dadurch ein wohnlicher, privater Ort den man überall hin mitnehmen kann. So ein Auto bietet Raum zur entspannten Fortbewegung. Man hält sich gern darin auf, manchmal ist es sogar eine Rückzugsmöglichkeit. Und der Skoda Octavia ist genau so ein Auto. Auf den Octavia können sich die verschiedensten Leute mit den unterschiedlichsten Anforderungen an ein Fahrzeug erstaunlich oft einigen. Natürlich ist ein Skoda, bei aller Anstrengung ein perfektes Auto zu machen, immer noch kein kompromissloser Luxusliner, auch einige Kritikpunkte gibt es. Ob die für jemanden persönlich maßgeblich sind, entscheidet jeder für sich selbst. Aber an das nach wie vor extrem attraktive Preis-/Leistungsverhältnis kommt kein Mitbewerber so schnell heran.

Waldmeister in Blau

Die Scout-Ausführung – auch wenn seine Fahrzeuggattung generell ganz gern als Innenstadtförster-Edition belächelt wird – beinhaltet noch mehr von der Idee „Skoda“ als der gewöhnliche Octavia. Als Scout ist er noch ein wenig robuster, steckt locker auch mal einen Feldweg oder dank Allradantrieb leichtes Gelände ein. Die Grenzen der persönlichen Freiheit sinken noch ein kleines Stückchen, der Octavia Scout gibt einem das Gefühl bei jedem Wetter und zu jeder Zeit gut aufgehoben zu sein. Die Kunststoffbeplankungen machen nicht nur die Optik hemdsärmeliger, sie schützen vor kleineren Blessuren oder Lackschäden aufgrund von Steinschlag. Aber auch das Fahrwerk ist – vermutlich aufgrund der Höherlegung von 3 cm auf ingesamt 17 cm Bodenfreiheit – noch etwas straffer als bei seinen „zivilen Genossen“. Die Abstimmung zielt dabei gefühlsmäßig eher auf schlechte tschechische Straßen ab, im Alltagsbetrieb könnte der Scout ein wenig geschmeidiger über Unebenheiten federn. Ein kleines Komfortmanko, das die wohnliche Atmosphäre des Interieur auszugleichen vermag.

Kein Holzfällercharme im Innenraum

Frei nach dem Motto „Harte Schale, weicher Kern“ ist im Innenraum des Scout das resche Flair vorbei. Serienmäßig finden sich schon einige Scout-spezifische Zutaten wie ein eigener Sitzbezug, Einstiegsleisten mit Logo und chrakteristische Zierleisten. Aber zugegeben, ein paar Europaschillinge und Hakerl in der Aufpreisliste später wird’s erst so richtig fein. Unser Testwagen wartet mit der Alcantara-Ausstattung (1313 Euro) und Sonderausstattungen in einem Umfang auf, dass man dem Scout krankhafte Gefallsucht unterstellen möchte. Das Canton Soundsystem (483 Euro) spielt klar und kräftig und ist recht pegelfest, solang nicht zu viele kickende Mittentöne in der Musik vorkommen. Sonst sorgt es mit einem ausgewogenen Klangbild für Audiogenuss und die anfangs erwähnte Entspannung hinterm Steuer, die einen sogar Staus mit Gleichmut ertragen lässt. Dabei hilft auch das DSG-Getriebe, das beim stärkeren Diesel serienmäßig ist. Eine fernbedienbare Standheizung (893 Euro) sorgt für gutes Klima ab dem Start und dämpft das harte Verbrennungsgeräusch des Diesels beim Kaltstart, weil der Motor bereits vorgewärmt wurde. Ein Vorteil, aber das Dieselknattern ist leider auch bei Betriebstemperatur recht präsent.

Bäriger Antrieb

Der 2-Liter Dieselmotor mit 184 PS ist nicht nur die Topmotorisierung (der um 390 Euro günstigere Turbobenziner leistet „nur“ 180 PS), sie passt auch perfekt ins „Gesamtpaket Scout“. Natürlich, wie für alle 4-Zylinder Diesel gibt’s Abzüge in der Laufkultur- und der Akustikwertung und die Dämmung könnte ein wenig besser sein. Aber das spontan zur Verfügung stehende Drehmoment (380Nm) macht sogar den in jeder Ausführung allradgetriebenen, ausgewachsenen Kombi zu einem beachtlich losspurtenden Ampelheizer-Tool. Der Fahrspaß kommt nicht zu kurz, und auch Anhängelasten werden mit der ordentlichen Kraftreserve souverän von A nach B geschafft. Auch wenn die um 535 Euro wohlfeile, abnehmbare Anhängerkupplung mit den maximal 1800 Kilo Anhängelast beaufschlagt wird. Den Testverbrauch von knapp 7 Litern Diesel auf 100 km wird man dann aber nicht mehr so leicht erreichen. Durch die vielen serienmäßigen Features kommt beim Grundpreis des Octavia Scout 4×4 2.0 TDI DSG von 36.180 Euro kein unmittelbares Schnäppchengefühl auf – aber sobald mit der Konkurrenz ausstattungsbereinigt verglichen wird, relativiert sich das sehr schnell.

Das Package passt

Manche Testwagen retourniert man nach dem Testzeitraum einfach sehr ungern. Bei einem so runden und stimmigen Fortbewegungstool ohne Allüren wie dem Skoda Octavia ist das so. Ein richtiger Kumpel für die alltäglichen Aufgaben, mit dem man gerne Zeit verbringt. Alles geht leicht von der Hand, nichts braucht besondere Aufmerksamkeit. Die Mischung aus Budget und Premium geht perfekt auf und man fühlt sich wohl und gut aufgehoben. Mehr kann und sollte man von einem Auto abseits des Emotionskaufes nicht erwarten und das wird voll erfüllt.

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