Range Rover Velar

Zukunfts-Range

Fließende Formen, ganz viele Touchscreens. Und auch das Fahrverhalten geriert sich wie bei einem wirklich guten Raumschiff. Bloß der All-in-Preis für den Zwischen-Sport-und-Evoque-Range-Rover klingt leider ziemlich sehr nach Realität.

Text: Franz J. Sauer

Nicht falsch verstehen – der Preis für den tollen Range Velar ist vor allem gemessen am Mitbewerb keineswegs astronomisch. Aber traditionell kosten Autos wie dieses halt dann doch mehr, als das nicht in Panama oder Paradise gemeldete Geldbörsel hergibt. Insofern darf man sich über zwei Wochen Testzeitraum freuen wie ein Schneekönig. Und der Rückgabe traurig entgegensehen. Ach, jetzt wird mir sicher wieder meine zu oft kundgetane Verehrung der Marke Land Rover zum Verhängnis. Erst jüngst musste ich mich in einem Facebook-Thread dafür beschimpfen lassen, die Verkaufsanzeige eines guten Freundes für seinen wirklich feinen Range Rover Sport geteilt zu haben. Dieser sei eine Riesen-Zumutung, die „Dreck scheißt“, ließ mich ein oberschlauer Filme-Mann wissen, der noch dazu ob seiner beruflich bedingten Los-Angeles-Affinität zu verkünden wusste, wie nicht Hybrid und Elektro gerade „in“ seien in der schönen Stadt der Engel. Vielleicht hätte den unkundigen Propheten mit der stromspeienden Steckdose daheim das Wesen des neuen Range Rover Velar etwas versöhnlicher gestimmt. Von vorn, von hinten, speziell aber von der Seite sieht das Vehikel nämlich aus wie ein Bote aus der guten Zukunft, in der man das mit der Luftverpestung und den fossilen Brennstoffen längst gelöst haben wird. Uns TV-Serienjunkies wird der Velar außerdem sicher bald als Straßenverschönerer in einer „Black Mirror“-Folge beglücken. Einerseits, weil die dort ja stets seriennah Futuristisches ins Bild rücken. Und zweitens, weil der Serienname „Black Mirror“ sich von jenem schwarzen Spiegel ableitet, in den wir tagtäglich viel zu viele Stunden hineinglotzen.

Beim Velar macht derlei hingegen Sinn, an smarten Touchscreens fehlt es dem smarten SUV nämlich wirklich nicht. Klar, bei der Vielzahl an Funktionen, die ein Auto von heute und ein bissl schon von morgen üblicherweise mit sich herumzuführen hat – da bekäme man alle Knöpferln und Tasten, die es dafür bräuchte, gar nicht erst unter. Dennoch schafft es der Velar, seinen Piloten mit den wichtigsten Bedienereien zu versorgen, ohne ihn durch hundert Untermenüs zu jagen. Außerdem sind insgesamt drei prominent platzierte Drehregler für das Allerwichtigste immer schön präsent: die Einstellung von Raumtemperatur, Sitzheizungs-Intensität und jene der saftigen Lautstärke vom Hi-Fi.

300 PS stemmt unser Test-Velar aus jenem Gulasch-Diesel, der diesen Titel bei uns trägt, weil er mit jedem Aufwärmen besser wird. 700 Newtonmeter Drehmoment tragen dieses Aggregat so dermaßen tiefenentspannt durch alle automobilen Lebenslagen, wie es die wenigsten Benziner vermögen, bei gutem Morch, wenn es ans Sprinten geht – einem Gewichtswert unterhalb der zwei Tonnen sei es gedankt. Trotzdem wünschen wir uns für den Velar in absehbarer Zukunft einen feinen Plug-in-Hybrid, der uns das städtische Fortbewegen elektrisch erledigen lässt und sich überland dafür den Saft erkraftwerkt, all das bei einem Gesamtverbrauch von unter fünf Litern, das in Echt und nicht nur am Papier. Grün is in, you know …