Let’s fetz!

Rennstreckenspaß im Renault Mégane R.S.

Manche Sportwagen schwören auf Purismus in Reinkultur, wo es dann keinen Platz für Techno-Schnickschnack gibt – so soll der Fahrer wieder näher an die Straße gebracht werden. Andere wiederum platzen fast, so voller neuartiger Ideen stecken sie – damit der Fahrer mehr aus dem Auto herausholen kann, als seine Fähigkeiten am Steuer eigentlich möglich machen. Renault geht mit dem neuen Mégane R.S. den goldenen Mittelweg: Fahrspaß pur trifft auf ein paar gescheite und sinnvolle Neuerungen.

Text: Jakob Stantejsky

Die Kombination aus Tradition und Evolution machen den Kompaktsportler zu einem frechen Knaller, der trotzdem was im Kopf hat und sich mit jedem Fahrer sofort blind versteht. Einsteigen…und let’s fetz! Auf den verworrenen spanischen Landstraßen lockt so jede Kurve fast schon unwiderstehlich und bei einer dreieinhalbstündigen Fahrt holt man schnell mal eine ganze Stunde raus, so rasant will der Mégane R.S. geritten werden. Ja, im Normalmodus hält er sich eh recht vornehm zurück was Sound und Automatik betrifft – aber im Sportmodus wird dann gespotzt und gerotzt, was das Zeug nur hält. Hat da jemand Automatik gesagt? Ja, denn den flinken Franzosen gibt es sowohl hand- als auch selbstgeschalten. Zweitere Variante macht ihren Job auch sehr gut, aber ganz ehrlich…dieses Auto giert nach einer festen Hand, die alle Zügel jederzeit voll unter Kontrolle hat. Jeder Schaltvorgang lässt ein Grinsen im verbissenen Raceface auftauchen, wenn die 280 PS aus dem 1,8 Liter-Turbobenziner schlagartig wieder greifen. Die befördern den Mégane R.S. übrigens auch in 5,8 Sekunden auf Landstraßentempo, das man dank serienmäßiger Allradlenkung namens 4CONTROL auch in mehr Kurven halten kann, als man zuerst vielleicht denken würde.

Dabei handelt es sich um so eine intelligente Neuerung, die den Fahrspaß bereichert, ohne für Distanz zwischen Fahrer und Straße zu sorgen. Klar, Vierradlenkung ist an sich kein neuer Hut, aber im Vergleich zur Kompaktsportkonkurrenz auf jeden Fall eine Besonderheit des Franzosen. Bei den ersten Kurven meint man aufgrund der ungewohnten Kurvenwinkel noch, das Heck verabschiede sich gerade in Richtung Gegenfahrbahn, aber schnell hat man sich an die zusätzliche Agilität gewöhnt und genießt die gesteigerte Kurvenfreudigkeit in vollen Zügen. Im Racemodus steigt dann ohne ESP endgültig eine fette französische Party im knallorangen Kraftmeier.

Doch die Apotheose seiner selbst erreicht der Mégane R.S. erst mit Cup-Chassis. In dieser Version (und mit Handschalter!) fetze ich über den Circuito de Jerez und brettere erbarmungslos von Curb zu Curb – jede andere Fahrweise würde dieses Auto wahrscheinlich auch als Beleidigung auffassen. Es kommt zwar nicht ganz so roh daher wie der Honda Civic Type R, doch der Mégane R.S. freundet sich schlagartig mit jedem an, der sich auf den Fahrersitz pflanzt und bleibt dennoch eine rasante Rennmaschine. Auf der Straße sorgt das Cup-Chassis wohl eher für eine übereifrige Massage, auf dem glatten Asphalt der Piste kann ich mir jedoch kein besser geeignetes Fahrwerk vorstellen. Die Fliehkraft zerrt zwar ordentlich an Auto und Insassen, doch ohne zu übermäßigen und unangenehmen Wankbewegungen zu führen – so wünscht man sich einen Sportwagen, auch wenn er kompakt ist.

An Bord findet man natürlich alle Assistenzsysteme, die heutzutage so dazugehören. Die stören aber nicht, sondern dienen in der jeweiligen Situation als kluge Bereicherung. Das aktuelle Renault-Cockpit mit seiner aufgeräumten und modernen Formensprache steht dem Mégane R.S. ausgezeichnet zu Gesicht. Selbst ich als Analoginstrumentefetischist muss zugeben, dass die digitale Welt zu diesem freundlich-frechen Flitzer passt. Bequem ist es sowieso und auf Wunsch wird es mit Recaro-Sitzen auch richtig sportlich im Innenraum.

Fahrspaß hoch zehn – okay. Aber bitte! Der Mégane R.S. verfügt über noch ein Feature, das keineswegs unerwähnt bleiben darf: Denn dieser Knackarsch sucht vergeblich seinesgleichen. Ja, der Franzose schaut aus jedem Winkel richtig fesch und sexy aus, steht bullig, aggressiv und schnittig da. Doch von hinten…da befällt einen regelrecht das Stieren und Sabbern! Der Titel Knackarsch des Jahres 2018 wird dem kurvenfreudigen Kompaktsportler wohl kaum zu entreißen sein – aber ich bin für neue Kandidaten jederzeit offen und dankbar! Bis dahin habe ich allerdings weiterhin feuchte Träume vom Renault Mégane R.S. (Nein, nicht nur von seiner Kehrseite!) und donnere in Gedanken wohl noch ein paar hundert Mal über den Circuito de Jerez. Denn egal was kommt, nimmt man in diesem Auto Platz, lautet die einzige Devise let’s fetz!