Renault Zoë Z.E. 40

Lautlos durch die Nacht

Dem Anti-Argument der mageren Elektroauto-Reichweite nimmt die Rhombus-Marke weiter Wind aus den Segeln: Der Akku des Renault Zoë Z.E. 40 ist mit 41 kW/h fast doppelt so kapazitiv, theoretisch sind 400, praktisch 300 Kilometer machbar.

Text: Beatrix Keckeis-Hiller
Fotos: Renault

Der Plan war gut und verlockend: Im Spätherbst noch einmal Sonne genießen und Meerluft schnuppern, an der Atlantikküste Portugals, nördlich von Lissabon. Konkret ging es darum, mit dem Elektriker Renault Zoë Z.E. 40 eine Landpartie über die Dörfer zu fahren, gut 150 Kilometer weit und abwechslungsreich. Eine Streckenlänge, die bei aktuellen Strommodellen unter bestimmten Bedingungen schon ein wenig für Herzklopfen sorgen könnte: Geht sich das mit der Reichweite überhaupt aus?

Es sollte so sein, mit dem Rhombus-Stromer der 2017er-Generation: Man hat ihm die Batterie gestärkt. Durch Energieverdichtung hat Renault die Kapazität von 22 kW/h auf fast das Doppelte, auf 41 kW/h gepusht und damit rein rechnerisch – auf Basis des NEFZ (Neuer Europäischer Fahr-Zyklus) – die bisher theoretisch machbare Reichweite von 240 auf 400 Kilometer verlängert. In der energieeffizient gestalteten Praxis geben die Franzosen 300 Kilometer an. Und das sollte, zur Hälfte, auf dem Weg von Lissabon zum Golf von Obidòs zu erfahren sein.

Verspätet durch die Nacht

Wie gesagt: Der Plan war gut. Auch die Wetterbedingungen. Es war aber nicht dass einzige Mal in diesem Herbst, dass die Lufthansa dem einen Strich durch die Rechnung machte. Bummeln statt streiken hieß offenbar die Devise, und so kam es, dass sich auf die Reise von Wien nach Lissabon um drei Mehr-Stunden in die Länge zog und damit die Ankunft vom hellen Nachmittag in die Abenddämmerung verschob. Somit war das mehrstündige Am-Atlantik-entlang-Bummeln abgesagt, dafür war maximal eineinhalbstündiges Durch-die-Finsternis-Glühen angesagt. Eh nur 110 Kilometer weit.

Das machte zwar die Hoffnung auf Sonne- & Meer-Genuss zunichte, gewährte aber tiefe Einblicke in die Rush Hour-Gepflogenheiten à la Lissabon. Wie überall im Süden lösen sich bei zunehmender Verkehrsdichte Bodenmarkierungen und Manieren auf. Die Agilität und Antrittsstärke des E-Franzosen macht sich beim Ausnützen von Lücken bestens bezahlt, die Bremsschärfe ebenso. Dabei rekuperiert der Elektriker fleißig und retourniert einen Gutteil der verbrauchten Energie ans System. Wieviel, das war nicht ablesbar: Die Renault-Leute hatten die Verbrauchsanzeige überklebt. Das Pickerl runterzukletzeln, dazu war keine Zeit, im abendliche Stau-Infight. Dass der Zoë so gut wie lautlos durchs Verkehrsgewühl pflügt, fiel fürs erste niemandem auf. Uns nicht und den Kontrahenten erst recht nicht.

Nach teils erbitterten Positionskämpfen und zähem Gezockel angesichts unzähliger beblitzter 30-km-h-Zonen war doppelt forcierte Eile angesagt. Irgendwann war dann endlich die Autobahn da und die Chance, verlorene Zeit wieder gutzumachen. Was wir bis zum Gas-, pardon Strompedal-Anschlag ausnützten. Es regelt ja die Elektronik den Vortrieb bei 135 km/h ab. Der digitalen Tacho-Anzeige konnten wir 141 km/h entlocken. Dann war Schluss.

Auf den letzten rund fünfzehn Kilometern zum Golf von Obidòs begleitete der fast volle Mond das einsame Landstraßen-Geschlängel. Ein bisschen zu diesig war’s, um die nicht ganz überzeugenden Leuchtkraft der Zoë-Scheinwerfer auszugleichen. Die sparsame Lichtausbeute der Frontlicht-Schlitze erhöhte das Gefühl der fast schon unheimlichen Stille. Denn um nur ja keine Abzweigung zu verpassen ging’s in sehr beschaulichem Tempo dahin. Wir haben auch den einen oder anderen streunenden Hund überrascht. Für den dürfte der Motorengeräusch-Ersatz – ein permanentes elektronisch generiertes hinterfotziges Klingeln – vom atlantischen Nachtwind verweht worden sein.

Überhaupt kann der Rhombus-Elektriker mit einem beachtlichen Repertoire an elektronischen Warngeräuschen aufwarten. Fährt man seiner Meinung nach zu schnell, wird man mit einem Trommelwirbel bestraft. Nähert sich ein vermeintliches Hindernis, dann wird anhaltend gepiepst. Und so weiter und so fort. Das kann man aber alles – noch – wegschalten, denn wenn schon denn schon ziehen wir es vor, (nahezu) völlig lautlos durch die Nacht zu gleiten.

Das mit dem nicht ganz ausreichend leistungsfähigem Licht sollte nicht dem Stromhaushalts-Gedanken zuzuschreiben sein. Eher der Tatsache, dass die Leuchteinheiten der in Portugal getesteten Zoës noch nicht ganz auf nächtliche Überlandfahrten adaptiert waren. Darüber hinaus wird im Zoë auf allen Ebenen mit elektrischer Energie hausgehalten. Auch beim Parken: Anachronistisch erscheint, Energie sparend ist anstelle einer elektronischen Parkbremse der konventionelle mechanische Handbremshebel .

Den zogen wir nach eineinhalb Stunden Fahrt plangemäß auf dem Parkplatz an. Und lüfteten das Geheimnis des Stromverbrauchs. Mit einem überraschenden Ergebnis. Trotz gut einer halben Stunde durchgehender Vollgas-/Strom-Fahrt hätten wir nochmals 110 Kilometer bei gleicher Fahrweise geschafft. Andere Kollegen haben es rechnerisch ohne übertriebene Energiehaushalts-Bereitschaft auf das Dreifache gebracht. Was die Praxis-Angabe von 300 Kilometern glaubwürdig macht. Allerdings unter südeuropäischen Bedingungen ohne Schnee und Eis und Temperaturen weit unter null.

Lukrative Angebote vom Händler und vom Staat

Was am Zoë außer dem Energie-verdichteten Akku – und neuen Austattungsdetails wie Ledermöblierung und BOSE-Sound – sonst noch neu ist: Man kann die Batterie jetzt auch kaufen, bisher waren nur diverse Varianten von Mieten angeboten worden. Das Komplett-Paket mit 41 kW/h-Akku kostet ab 32.190 Euro. Ohne Energiespeicher-Kauf kommt die verlängerte Reichweite auf ab 24.690 Euro. Die 22 kW/h-Versionen werden nach wie vor angeboten, für ab 22.190 ohne und 29.690 Euro mit Akku. Nachrüstbar mit stärkerer Batterie sind einige Versionen. Anwendbar auf alle ist die von der Regierung in Aussicht gestellte Förderung von 4.300 Euro pro E-Auto, auch für private Käufer. Fehlt dann nur noch ein praktikables Angebot an Ladestationen, nicht nur in Wien.