Seat 20V20

Genfnews: Spanien entdeckt das SUV

Seat 20V20

So trendy träumt sich Seat sein neues Flaggschiff.

von Thomas Geiger

Seat schwimmt sich frei: Lange Jahre das Sorgenkind im VW-Konzern, klettern die Spanier so ganz langsam aus dem Tal der Tränen, melden stetig steigende Zulassungszahlen, erobern ihre Marktanteile zurück – und träumen schon wieder von einer glorreichen Zukunft. Denn wenn Firmenchef Jürgen Stackmann jetzt auf dem Genfer Salon das Tuch von der Studie 20V20 zieht, dann zeigt er nicht nur ein überraschend großes und betont sportliches SUV. Sondern er zeigt vor allem, was er Marke und Modellpalette bis zum Ende das Jahrzehnts zutraut: „Wenn wir über ein künftiges Flaggschiff von Seat nachdenken, dann gibt dieses Showcar eine denkbare Richtung vor.“

Seat 20V20: Schnittig und sportlich

Genau wie schon beim Leon und mehr noch beim Kombi Leon ST setzt Seat dabei auf eine gelungene Kombination aus Raum und Raffinesse. Denn auf der einen Seite ist der 20V20, ein ausgesprochen schnittiger und sportlicher Vertreter seiner Art, der mit scharfen Kanten, schnellen Schwüngen und coolen Kurven selbst dem BMW X6 die Schau stiehlt. Und auf der anderen Seite ist der Geländewagen ein echter Praktiker. Denn obwohl die Kabine auf den großen 20-Zöllern vergleichsweise schlank und flach ist, bietet der 4,66 Meter lange Geländegänger bei 2,79 Metern Radstand bequem Platz für fünf Personen und mehr als 600 Liter Gepäck. Wie das aussehen kann, haben die Designer gleich mit demonstriert – mit zwei maßgeschneiderten Trolleys im tiefen Kofferraumboden einem elektrischen Longboard für die letzten Meter.

Modularer Querbaukasten

Während Seat beim Antrieb noch vergleichsweise vage bleibt und mit Blick auf die Möglichkeiten des modularen Querbaukastens einfach mal von Benzinern bis 300 und Dieseln bis 240 PS sowie der Option auf einen Plug-In-Baustein spricht, werden die Spanier beim Infotainment deutlich konkreter. So bekommt der 20V20 nicht nur ein virtuelles Cockpit und zwei Touchscreens für die erste und die zweite Reihe. Sondern anstelle des Zündschlüssels gibt es ein „Personal Drive Device“. Etwas größer als eine Münze und mit berührungsempfindlicher Bildschirmoberfläche, dient es außerhalb des Autos als Fernbedienung und Fußgänger-Navigationssystem und wird im Wagen als Bedienfeld für Navi & Co auf den Mitteltunnel geclipst.

Seat 20V20: Bislang nur Vision

Zwar ist der 20V20 bislang nur eine Vision. Und wenn sie wahr wird, dann wohl tatsächlich erst zum Ende des Jahrzehnts. Schließlich hat Seat den Namen ja nicht umsonst gewählt. Doch ganz so lange müssen die Kunden nicht mehr auf einen Geländewagen warten. Im Gegenteil: Schon im nächsten Jahr wird das Bitten und Betteln aus Barcelona erhöht und der Konzern gewährt seiner spanische Tochter ihren ersten kompakten Geländewagen. Technisch eng verwand mit dem nächsten VW Tiguan und wie sein Wolfsburger Vetter natürlich aus dem Modularen Querbaukasten gefertigt, dabei aber viel leidenschaftlicher und lustvoller gezeichnet, soll er neben Ibiza und Leon die dritte Säule bilden, mit Stackmann die Marke Seat stabilisieren will. „Das ist wie beim Hausbau: Erst wenn die Wände stabil stehen, können wir uns über das Dach Gedanken machen“, sagt der Firmenchef und schürt damit einmal mehr die Hoffnung auf den 20V20.

Seat 20V20: Spät aber doch

Nachdem Seat so lange auf sein erstes SUV warten musste, sind die Spanier jetzt offenbar auf den Geschmack gekommen. Denn neben dem Kompaktmodell und dem kommenden Flaggschiff würde Stackmann am liebsten noch einen weiteren Geländewagen ins Rennen schicken und damit das SUV-Programm nach unten abrunden. Offiziell ist das zwar noch kein Thema, doch hört man aus der Zentrale in Martorell, dass diese Gedankenspiele schon sehr bald Früchte tragen könnten. Denn erstens hat VW-Konzernchef Martin Winterkorn nicht ohne Grund das Jahr 2015 zum Jahr der SUV erklärt. Und zweitens weiß schon der Volksmund: Aller guten Dinge sind drei.