• Skoda Fabia Combi

    Keine Frage der Vernunft…

    Skod Fabia Combi

„Ein vernünftiges Auto soll seinen Besitzer überallhin transportieren – außer auf den Jahrmarkt der Eitelkeiten.“


Text: Gregor Josel / Thomas Geiger       Fotos: Seppi Linsbichler / Skoda

Das sagte Henry Ford mal! Doch ganz so einfach ist es ja nun auch wieder nicht, lieber Henry! Denn in Zeiten der Life-Style-Balance muss man sich schon ein bisserl was überlegen, wenn man heutzutage noch Autos verkaufen will! Es war vor knapp 20 Jahren, ich erinnere mich genau, als mein bester Kumpel das unfassbare tat und seinen geliebten Stern (für die Auskenner: W123 T-Modell) weggab! Einfach so, ohne Rücksicht und offenbar ohne großen Verlustschmerz. Klar, man muss schon sagen, dass ihn der Stern an den Rand des Wahnsinns getrieben hatte. Es war dauernd was zu machen, es kostete Unmengen an Geld, das Schiff in Schuss zu halten und trotzdem gehörte dieses Auto irgendwie zur Familie! Als in den Iden des März 1996 dann auch innerhalb einer Woche beide Halbachsen des geliebten Hecktrieblers quasi abfielen, schien bei meinem Kumpel wohl die Sicherung gefallen zu sein und er gab ihn einfach weg! Unfassbar! Verständlich irgendwie, aber trotzdem surreal. Noch viel unverständlicher war allerdings die Tatsache, dass er sich nicht etwa einen anderen, jüngeren Stern vom Gebrauchtwagen-Himmel holte, nein! Die Sicherung war soweit durchgebrannt, dass er zu einem Vernunftauto griff! Es musste neu sein, es musste gleich viel kosten wie ein Gebraucht-Stern und es durfte nicht viel brauchen! Die Wahl fiel auf einen Škoda Felicia Kombi! Der Schock saß tief, fassungslos musste man diesem Treiben zusehen! Niemals würde ich in dieses Auto einsteigen, geschweige denn selbst damit fahren wollen! Niemals!

Skoda Felicia Combi aus dem Jahr 1996

Nun, zu dieser Zeit fuhr ich ebenfalls einen Kombi mit Stern! Zwar neueren Baujahrs, aber dafür mit zahlreichen Kilometern ausgestattet. Und es kam wie es kommen musste! Auch mein Stern freute sich wiedermal über einen längeren Werkstatt-Aufenthalt und ich hatte dringende Wege fern der Heimat zu bewältigen. Alle waren sie weg, keiner der Kumpels war da! Bis auf einen! In der Not frisst der Teufel ja bekanntlich Fliegen und so geschah es also tatsächlich, dass ich einen Tag mit dem Škoda Felicia Combi verbrachte. Und es war tatsächlich ein Erlebnis der anderen Art, denn diese Geschichte lehrte mich, das Hochmut nur selten gut tut und ich eigentlich ein fester Koffer war! Denn dieses Auto war alles, nur bei Gott nicht wirklich schlecht. Ok, keine besondere Schönheit und auch nicht weiß Gott wie ausgestattet. Aber man hatte gut Platz, es war halbwegs komfortabel und stellte man Kosten und Nutzen gegenüber konnte man eigentlich nur in hysterisches Gelächter verfallen, denn zwei drei Reparaturen beim Stern und der Kaufpreis wäre tatsächlich herinnen gewesen. Ganz zu schweigen vom tatsächlichen Verbrauch, der mir in Anbetracht der sehr deutlich zweistelligen Verbrauchswerte des Sterns die eine oder andere Träne aus dem Auge drückte und mir Bilder in den Kopf malte von Menschenhänden, die Geldscheine in Benzinstutzen pressten. Ok, zugegeben! Gekauft hätte ich mir den Felicia damals trotzdem nicht, doch seit damals habe ich die tschechische Marke am Radar.

20 Jahre später

Zwanzig Jahre später sieht die Welt sehr anders aus und Škoda trachtet nach Kunden, die vor einigen Jahren noch nicht mal wussten, dass es diese Marke überhaupt gibt! Eine Kampfansage nach der anderen kommt aus Mlada Boleslav und aktuell treiben es die Tschechen bunter denn je, denn zum heurigen 120 jährigen(!!) Firmenjubiläum hat die tschechische Marke das umfangreichste und auch gutaussehendste Produktportfolio der Firmengeschichte am Start und feuert aus allen Rohren! Schon in wenigen Wochen feiert das komplett neu aufgearbeitete Flaggschiff Superb seine Weltpremiere und im Herbst letzten Jahres hat Škoda den Fabia komplett neu auf die Räder gestellt, der nun zu den echten Lifestylern in seinem Segment gehört.

Fabia goes Laderaum

Zwar hat der Fabia Combi vom Pepp des Fünftürers etwas verloren, doch hier geht es nicht mehr rein darum ein echter Lifestyler zu sein, sondern vor allem drum, echte Ladekompetenz zu zeigen. Und diese spielt der Combi mit 530 Litern – bei umgelegten Rücksitzlehnen sogar bis zu 1.325 Liter – vollumfänglich und nahezu unverschämt aus, denn damit ist der neue Fabia Klassensieger bei den direkten Konkurrenten, derer es mit dem Renault Clio Grandtour und nach dem Auslaufen des Peugeot 207 SW allerdings nicht mehr all zu viele gibt.

Hohe Ladekompetenz heißt aber nicht, dass der Combi unschick wäre! Ganz im Gegenteil, der Zuwachs an Länge, Breite und Radstand steht dem Combi gut zu Gesicht! Die Proportionen sind dadurch knackiger geworden, das Blech windet sich enger um die Karosse, die Kanten sind schärfer, die Linien klarer und die Leuchten brillanter – nur auf die optionale Zweifarblackierung und ein paar andere Mode-Accessoires haben die Tschechen im Vergleich zum Fünftürer verzichtet. Aber dafür wartet der Combi mit einem riesigen Glasdach auf, das den Wagen förmlich mit Licht flutet und ein weiterer Beleg ist für die Konzentration auf die inneren Werte. Und kombiniert man dieses Glasdach mit weißer Lackierung und feschen Felgen, ist der Combi in Terms of Lifestyle schon wieder nahezu gleich auf mit dem Fünftürer.

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Skoda Fabia Combi
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Bis zu 530 Liter Gepäcksvolumen!

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Bei umgelegten Rücksitzlehnen haben bis zu 1.325 Liter im Fabia Combi Platz!

Skoda Fabia Combi_2015_Test_02

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Vom 75 PS starken Dreizylinder-Benziner über den 1,2 Liter TSI mit 90 oder 110 PS bis hin zum 1,4 TDI mit 90 oder 105 PS. Die beiden stärksten Varianten sind wahlweise auch mit DSG-Getriebe zu haben.

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Das Gewicht wurde um bis zu 61 Kilogramm reduziert!

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Simply Clever: 17 Simply-Clever-Features bietet der Innenraum des neuen Fabia Combi

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Wie es Euch gefällt: Frische Farben für den Fabia KombiSkoda Fabia Combi_2015_Test_08

Simply Clever, Fabia!

Da hilft es natürlich, dass schon der Fünftürer bei all seiner neu entdeckten Farbenfreude eine solide Basis bietet und zumindest in den gehobenen Modellvarianten fast so liebevoll und vornehm gestaltet ist wie der noble Vetter Audi A1: Hochwertige Kunststoffe, feinfühlige Schalter und große, brillante Displays mit Touch- und Wischfunktion zeugen von den recht ehrgezigen Ambitionen der tschechischen VW-Tochter. Und von ihrem Ideenreichtum. Denn wie für die Limousine gibt es auch für den Kombi 17 Simply-Clever-Details, von denen zehn neu sind in der Baureihe. Aber „simply clever“ sind diesmal nicht allein der fast schon obligatorische Eiskratzer im Tankdeckel, der Halter fürs Parkticket in der Frontscheibe oder die kleinen Gepäcknetze an den Flanken der Sitze. Sondern mittlerweile gibt es bei Škoda auch die ersten Gimmicks für die Generation iPhone: „Smartgate“ heißen vier Apps, die allesamt auf die Fahrzeugdaten zugreifen und dem Fahrer viele mehr oder minder sinnvolle, auf jeden Fall aber unterhaltsame Informationen auf sein Handy spielen – von den aktuellen Werten der Längs- oder Querbeschleunigung über eine individuelle Effizienzkurve bis hin zu Tacho, Drehzahlmesser oder Gurtwarner.

Mirrorlink

Dazu lockt der Fabia die Digital Natives als erster Škoda obendrein mit der Mirrorlink-Integration für Android-Telefone: Mit einer USB-Verbindung und zwei Klicks auf dem Touchscreen lässt sich damit im Handumdrehen die Oberfläche des Telefons auf dem Bildschirm des Wagens spiegeln, so dass man alle Apps und Medieninhalte ohne lästiges Gefummel nutzen kann. Zwar funktionieren YouTube & Co nur im Stand. Doch gibt es im eigenen Appstore zahlreiche meist kostenfreier Zusatzprogramme wie Internetradios oder Reiseführer und natürlich eine preisgünstige Navigation, die auch dann laufen, wenn die Räder rollen. Auf vielfachen Kundenwunsch bietet Škoda für den Fabia und den Combi nun auch ein eingebautes Infotainment-Navigationssystem an, für diejenigen, die sich nicht ausschließlich auf das Mirrorlink-System verlassen wollen. Denn dieses hat derzeit doch noch einige SChwächen, was allerdings keinesfalls Škoda, sondern eher der Android-Software des Smartphones zuzuschreiben ist. Für Apple ist Mirrorlink noch nicht erhältlich, dies soll aber in den kommenden Monaten möglich werden, sobald Apple die Software freigibt. So bleibt die Hoffnung, dass zumindest die Apple-Version von Mirrorlink besser funktioniert.

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Viel Combi, viel Ausstattung

Mit vielen Komponenten aus dem Modularen Querbaukasten konstruiert, macht der Combi bei der ersten Ausfahrt einen sehr erwachsenen Eindruck. Die breitere Spur, der längere Radstand und die neue elektronische Lenkung lassen den Kleinwagen deutlich größer wirken, als er eigentlich ist und machen auch lange Autobahnetappen zum leichten Spiel. Besonders viel Aufmerksamkeit scheint man bei Škoda dem Geräuschpegel im Innenraum geschenkt zu haben, denn hier fühlt man sich wie in einer größeren Limousine, nahezu perfekt abgeschirmt von Außen- und Windgeräuschen. Diese Performance gehört nicht zum Standard in dieser Fahrzeugklasse, sondern übertrifft diesen mit Bravour!
Auf gleichem Niveau arbeitet das Fahrwerk des neuen Fabia Combi, das mit Standard-Bereifung tatsächlich höchsten Komfort bietet. Greift man zu den sportlicheren Räder-Varianten lässt der Combi etwas mehr an Unebenheiten in das Innere dringen, bleibt aber trotzdem allemal sehr komfortabel.

Škoda bietet für den Fabia Combi fünf Motorisierungsvarianten an. Vom 75 PS starken Dreizylinder-Benziner über den 1,2 Liter TSI mit 90 oder 110 PS bis hin zum 1,4 TDI mit 90 oder 105 PS. Die beiden stärksten Varianten sind wahlweise auch mit DSG-Getriebe zu haben. Die goldene Mitte ist hier der 90 PS starke 1,2 Liter TSI Motor, der sich überraschend spritzig und agil gibt und den Fabia Combi, dank seines überschaubaren Gewichts von knapp über 1.000 Kilogramm, durchaus sportlich bewegt.

Beim Griff in den modularen Querbaukasten hat sich Škoda aber nicht nur Achsen, Motoren und Getriebe gesichert. Sondern die Tschechen haben auch bei der Ausstattungen kräftig zugelangt und bietet nun Extras wie ein Schlüsselloses Startsystem, einen Auffahrwarner, die Multikollisionsbremse oder eine elektronische Differentialsperre an. Mit allem Drum und Dran und einigen Extras gehört der Fabia Combi nun nicht mehr zu den ultragünstigen Schnäppchen am Markt. Das muss er allerdings auch nicht mehr wirklich, denn den Charme des echten Vernunftautos, bei dem Preis mehr als Ausstattung und Komfort zählt, darf er sich getrost abstreifen. Denn zum neuen Fabia Combi darf man durchaus auch greifen, wenn man sich zu den echten Lifestylern zählt. Außer man ist so dumm und kurzsichtig, wie ich es zu Zeiten meiner Felicia-Experience mal war!

Die Preise des neuen ŠKODA Fabia Combi im Überblick:

  Active Ambition Style
1.0 MPI 75PS 5-Gang-Schaltgetriebe 13.970,- EUR 15.700,-  EUR 16.590,-  EUR
1.2 TSI 90PS 5-Gang-Schaltgetriebe 14.820,-  EUR 16.550,-  EUR 17.440,-  EUR
1.2 TSI 110PS 6-Gang-Schaltgetriebe 17.200,- EUR 18.090,- EUR
1.2 TSI 110PS 7-Gang-DSG 18.400,- EUR 19.290,- EUR
1.4 TDI 90PS 5-Gang-Schaltgetriebe 17.120,- EUR 18.850,- EUR 19.740,- EUR
1.4 TDI 90PS 7-Gang-DSG 20.050,- EUR 20.940,- EUR
1.4 TDI 105PS 6-Gang-Schaltgetriebe 19.450,- EUR 20.340,- EUR
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