Mit Hans-Joachim Stuck auf der Rennstrecke

Skoda Octavia RS 245: Letz Fetz

Es gab Zeiten, da stand die Marke Skoda für anderes als eine Runde am heißen Sitz neben Strietzel Stuck in Vallelunga. Diese sind nicht nur längst, sondern vor allem unwiederbringlich vorbei, seit es den Octavia RS mit 245 PS gibt.

Text: Franz J. Sauer

Ein Monument, der Mann. 1 m 94 groß, hager, gut trainiert, ein bissl bucklert vielleicht. Aber das kommt davon, dass er sich früher in der Formel 1 immer hat ducken müssen, wenn die von der Sicherheitskontrolle kamen und nachschauten, ob sein Helm eh unterhalb der gedachten Linie zwischen vorderem und hinterem Überrollbügel reinpasst, wenn er im Auto sitzt. So hat Hans-Joachim Stuck eine Menge Gegenwind zu stemmen gehabt, bei Brabham, bei March und bei ATS, zwischen 1974 und 79. Da war es im Le-Mans-Boliden, dem Porsche 962 von 1986 und 87, schon gemütlicher, weshalb der Stucki dort ja auch beide Male die 24 Stunden gewann.

Nun sitze ich also neben ihm im nagelneuen Skoda Octavia RS 245. In einer biederen Familien-Limo im sportlichen Ornat und mit einem nagelneuen Zweiliter-Turbo unter der Haube, der nun 245 PS stemmt. Unter uns: die Rennstrecke von Rom-Vallelunga, wo Stuck fröhlich plaudernd einiges an Reifengummi auf die Piste malt. Er lobt das Differenzial, preist das DSG-Getriebe und ergötzt sich an der Fähigkeit des Autos, beim Herausbeschleunigen aus der Kurve früh Grip aufzubauen, „anders als andere Fronttriebler halt“. Wir halten also fest: Der freche, kompakte wie großräumige Skoda Octavia, eigentlich auf einer Golf-Plattform konzipiert, was man seinen Innenraum-Abmessungen allerdings keineswegs anmerkt, gibt ab sofort nicht mehr nur den perfekten Flotten-Kombi, vor dem sich all die Insignias, Passats und Audi A4s dieser Welt zu Recht fürchten, nein, er jagt jetzt auch noch die GTIs vor sich her. Langsam kommts einem vor: Die Leute von Skoda machen sich innerhalb des VW-Konzerns nicht nur Freunde.

Andererseits: Es sind genau Autos wie der Octavia RS 245, die endgültig mit dem Mief aufräumen, der die Tschechen-Marke in Auto-unaffinen Kreisen nach wie vor umsäumt. Hier haben wir es mit einem feinen Renngerät zu tun, das Stuck und Vallelunga kann, wenn’s sein muss, dabei eine tadellose Figur sowohl auf der Foltas-Tanke (Insider wissen, was ich meine …) als auch vorm Nobelclub in der Innenstadt macht und im Alltagsbetrieb genauso unprätentiös dahinrollt wie die Octavia-RS-Dieselversion mit ihren fast unverdächtigen 184 PS in der Allradversion.

Eine nette Spielerei wie der „Performance Monitor“ hat im Infight einiges zu berichten von der feinen Konfiguration des Octavia RS 245.

Er brabbelt guttural, wenn von der Leine gelassen, schiebt mit ziemlicher Verve vor allem im unteren Drehzahlbereich an (370 Nm Drehmoment greifen voll schon bei 1.600 Umdrehungen nach den Vorderrädern), geniert sich nicht für seinen kultivierten Turbolader und freut auch den Finanzminister ob der erhöhten Steuerleistung hierzulande. Dazu kommt noch der in Zeiten wie diesen gern gesehene Bonus, dass er ein Benziner und kein Diesel ist, und schon haben wir ihn daheim als Familienauto eingeredet. Bloß wird man dann bald von der rennaffinen Ehefrau um den Schlüssel gebracht werden.

:Infoporn
Hubraum: 1.984 ccm
Leistung: 245 PS
Verbrauch: 6,6 l / 100 km
Drehmoment: 370 Nm
Beschleunigung von 0-100 in: 6,7 Sek.
Spitze: 250 km/h
Gewicht: 1.392 kg
Preis: ab 38.220 Euro