Der Skoda Superb mausert sich vom „XL-Octavia“ zum repräsentativen Flaggschiff einer Marke, vielleicht sogar von einem ganzen Segment. Ja, dürfen die denn das?

Text: Philipp Stalzer

Vor einiger Zeit geisterten Schlagzeilen durch einschlägige Medien, die vom internen Aufruf berichteten, dass Skoda wieder ein bisschen leiser treten sollte. Schon fast unheimlich wurde den Granden des VW-Konzerns der Erfolg der in den Köpfen der „Generation Golf“ und Älter als Billigheimer gespeicherten Marke. Doch Skoda hat eine 120-jährige Tradition mit schlechten, aber auch richtig guten Zeiten. So gab es ein Topmodell mit dem Namen „Superb“ schon einmal, in der Zwischenkriegszeit. An diese prunkvollen Zeiten möchten die Tschechen anschließen. Der Superb hat sich zu dem Zweck vom vergrößerten Octavia, wie er 2001 erschienen ist, zu einem echten Flaggschiff für die immer weiter aufstrebende Marke entwickelt. Der erste Eindruck bestätigt: dieser Anschluss dürfte gelungen sein.

Design mit mehr Emotion

Beim neuen Superb ist erstmals das ansatzweise gelungen, was der Marke wirklich fehlt. Die Kompetenz in superpraktischen Details für das alltägliche Leben mit dem Auto, in herausragender Raumnutzung, in solider Bauform – das konnte Skoda bislang mit jedem Modell beweisen. Untrennbar damit verbunden ist aber auch ein eher spröder Charakter. Eigenständigkeit und Emotion wird vermisst. Vergleichbar mit jemandem auf den man sich verlassen kann, den man schätzt und mag, der einem auch den Mantel anbietet wenn man friert – das letzte Quäntchen Charme, ein individueller Charakter und eine Seele die lebt fehlt aber. Und tatsächlich, beim ersten Eindruck kam eine Spur von Emotion auf. Der Stolz des Skoda-Chefs Vahland und des Designers Kaban schwappten auf das Journalisten-Publikum während der Enthüllung über, vor allem die bildmalerische Erklärung von Kaban, warum Autodesign für den Weltmarkt sehr schwierig ist, war eindrucksvoll. Die klaren Linien des Skoda-Designs so aufzupeppen, dass sie seriös bleiben und der Wagen trotzdem nicht nur als „weitere Limousine am Markt“ verebbt, war sicher eine komplizierte Grätsche – man kann sie als gelungen bezeichnen.

Damit klopft der Superb sehr laut an die Türen der oberen Mittelklasse. Wird dort wohl die eine oder andere Delle in der Verkaufskurve hinterlassen.

Besseres Platzangebot, mehr Luxus

Da man in vorigen Superbs in der zweiten Reihe ja kaum sitzen konnte (Achtung: Sarkasmus!), wurde der Radstand verlängert (dank des modularen Querbaukastens ist man an keine fixe Plattform gefesselt) und so das Platzangebot nochmals verbessert. Egal in welcher Disziplin (Kniefreiheit, Kopffreiheit, Ellbogenfreiheit,…) – der Superb übertrifft die Konkurrenz deutlich, teils um das Doppelte. Das Kofferraumvolumen der Limousine (die Vorstellung des Kombi wird im Juni stattfinden) beträgt 625 Liter und mit geklappter Fondbank 1.760 Liter – das ist das Niveau von den „üblichen Verdächtigen“ als Kombi. Bewährte Komfortfeatures sind der von der Rückbank verstellbare Beifahrersitz, die Regenschirme in den Türen (nun auf beiden Seiten) aber auch erstmals ein adaptives Fahrwerk bei Skoda (bei dem der Komfort-Modus voraussichtlich am gefragtesten sein wird) und eine supergeschmeidige Lederausstattung beim Topmodell „Laurin & Klement“. Damit klopft der Superb sehr laut an die Türen der oberen Mittelklasse. Wird dort wohl die eine oder andere Delle in der Verkaufskurve hinterlassen.

Erfreulich, dass sie es dürfen

Auch wenn der Superb mit keinen bahnbrechenden technischen Neuerungen aufwarten kann und die Top-Motorisierung bei einem 4-Zylinder Turbobenziner (aber doch mit 280 PS) endet, erstaunt es, dass die Tschechen im engen Korsett der Konzernhierarchie so über die Stränge schlagen dürfen. Das Design ist frisch, die Technik solide, die Ausstattungsmöglichkeiten State-of-the-art und reichhaltig und der Preis ist nach wie vor heiß. Ab voraussichtlich etwas unter 30.000 bis zu maximalst rund 55.000 Europaschillinge für alles und mit extrafein wird man für einen Superb abdrücken müssen, was ab Juni 2015 beim Skodahändler des Vertrauens möglich sein wird. Lachhaft gegen das, worum man in der oberen Mitteklasse bei Kaufentscheid erleichtert wird. In der „mittleren“ Mittelklasse führt dann quasi kein Weg mehr am Superb vorbei, wenn man auf Preis/Leistung achtet. Klar, der letzte Premium-Schliff á la Audi fehlt, aber vielen Menschen genauso das Verständnis oder Bedürfnis, dafür nochmal richtig viel Geld auszugeben. Obwohl doch, etwas fehlt dem Superb wohl: Image. Und das ist für die meisten komfort- und zweckorientierten Käufer sogar maßgeblich – wieso für eine Namen zahlen?

Update: Preise ab 26.680 Euro

Gnadenlos verschätzt haben wir uns mit dem Preis des Einstiegsmodells „Superb Active“. Der Preis liegt mit 26.680 Euro deutlich unter den „etwa 30.000“, die wir bei so viel Auto vemutet haben – der kommt aber „erst“ zum internen Modelljahrwechsel im April. Macht aber nix, denn die Händlerpremiere für den neuen Skoda Superb ist Mitte Juni. Mit den bereits bestellbaren Ausstattungslinien Ambition, Style, Laurin & Klement gehen drei Motoren an den Start: Neben dem 1,4 TSI mit Zylinderabschaltung, der 150 PS leistet, sowie dem 2,0 TDI mit ebenfalls 150 PS steht auch der 190 PS starke 2,0 TDI mit Frontantrieb und Sechsgang-Direktschaltgetriebe DSG als vorläufige Topmotorisierung zur Wahl. Die Preise für diese Modelle beginnen bei den vermuteten rund 30.000 Euro.

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