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    Auto-Lautsprecher auf dem Prüfstand

Guter Sound im Auto ist Gold wert! Er reagiert die Gemüter ab (Stau), heizt sie auf (Rennstrecke), schweißt zusammen (Streit mit dem Beifahrer) und treibt auseinander (redefreudiger Beifahrer). Jeder Autobauer hat die Schmankerl-Anlage im aufpreispflichtigen Programm, die noch satteren Klang liefern soll. Genau dort haken wir ein: Ist das Soundsystem für ein paar Euro mehr auch wirklich um so vieles besser als die Basis-Anlage?

Text: Rainer Behounek, Fotos: Eryk Kepski

Wir machen die Probe aufs Exempel mit unserem Dauertester Seat Leon X-Perience, der den Innenraum mit gutem 10-Lautsprecher Seat Sound beschallt und einem X-Perience mit dem Basis-System mit sechs Lautsprechern.

Tatkräftige Unterstützung finden wir im Institut für elektronische Musik und Akustik an der Kunst-Uni in Graz. Christian Schörkhuber ist im Bereich Signalverarbeitung und Akustik tätig und im Moment helfe ich ihm, eine Kiste voller Mikrofone, Soundkarten, Laptops und Kabel zu unseren beiden Autos zu schieben. „Alleine der Ständer mit den fünf hochempfindlichen Mikrofonen kostet 15.000 Euro, damit simulieren wir den Kopf und sehen uns an, wo sich der Sweet Spot, also der optimale Hörort des jeweiligen Sitzplatzes, befindet und ob den die Lautsprecher überhaupt hinbekommen.“ Er verkabelt den Innenraum und steckt eine SD-Karte mit vordefinierten Signalen in den Slot. Die Töne, die Christian Schörkhuber aus den Lautsprechern rauskitzelt, sind so weit von guter Musik entfernt, wie unser guter alter Scooter und klingen wie der Coyote, der von ganz oben auf den Boden kracht, nur umgekehrt. „Bei dem ansteigenden Ton handelt es sich um ein Anregungssignal. Früher hat man in die Hände geklatscht, damit alle Frequenzen gleichzeitig erzeugt werden. Damit sehen wir sehen wie linear die Lautsprecher Töne wiedergeben. Die sollen möglichst so klingen, wie sie unsprünglich produziert wurden.“

Während die Messung stattfindet, erzählt er mir, wie schwierig es ist, guten Sound ins Auto zu bekommen. Anders als im Wohnzimmer, wo die Boxen eher gleich weit vom Hörer weg sind, befinden sich die Lautsprecher im Auto an den Seiten, unterschiedlich weit weg vom jeweiligen Hörer. Das gute Soundsystem arbeitet mit vier Lautsprechern mehr und nutzt einen 6-Kanal-Verstärker, um satteren Sound zu generieren. Vor allem im unteren Frequenzbereich, also bei den Bässen, ist die aufpreispflichtige Anlage akkurater. Was wir deutlich sehen: Die günstige Variante produziert bereits bei geringer Lautstärke leichte Verzerrungen im Bereich zwischen 300 und 1000 Hertz, fügt also dem Ton Störgeräusche hinzu. Bei sehr tiefen Tönen unter 80 Hertz stößt das günstigere System auch schnell an seine Grenzen. Was heißen diese kryptischen Werte für uns Musik-im-Auto-Liebhaber? Wer das Seven Nation Army-Intro der White Stripes in vollen Zügen genießen und das DJ-Set in der Magengrube spüren will, ist mit dem Seat Sound-System um 300 Euro bestens beraten! Unser Fazit: Gute Mucke muss nicht teuer sein!

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