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Der Ssangyong Rexton

Ein Mann wie Ulrich Mehling hat ein dickes Fell. Denn als Geschäftsführer von Ssangyong muss man sich einiges anhören. Nicht nur, weil die koreanische Marke zu den kleinsten gehört auf dem deutschsprachigen Markt. Sondern vor allem, weil sie in den Jahren mit Autos wie dem Rodius, Actyon oder Kyron so ziemlich die hässlichsten Fahrzeuge gestellt hat, die zwischen Flensburg und Garmisch unterwegs sind. Und weil die Koreaner chronisch klamm waren, hatten die auch noch eine ungewöhnlich lange Halbwertszeit. Musste Mehling da bislang gute Miene zum bösen Spiel machen, kann er jetzt endlich das Kreuz durchdrücken, die Schultern straffen und sich stolz vor die jüngste Neuheit aus Korea stellen. Denn wenn in diesen Tagen zu Preisen ab 30.990 Euro die vierte Generation des Rexton an den Start geht, kommt auch Ssangyong endlich im Hier und Heute an.

Von Thomas Geiger

Der Geländewagen, der sich um zehn Zentimeter auf 4,85 Meter streckt und so zumindest formal in einer Liga spielt mit Audi Q7, BMW X5 und Mercedes GLE sieht nämlich auf seinen 20-Zöllern mit der glatten Schnauze und dem stolzen Heck nämlich nicht nur ganz ansehnlich aus, sondern er ist auch technisch endlich auf der Höhe der Zeit.

Das merkt man vor allem im Innenraum, in dem jetzt weniger Kunststoff knistert und es stattdessen nach Lack und Leder duftet. Die Sitze sind beinahe so vornehm bezogen wie bei Bentley, bei Nacht glimmt eine elegante Ambientebeleuchtung, in der Mittelkonsole schimmert ein großer Touchscreen, es gibt ein Heer elektrischer Helfer von der Lenkradheizung bis zum Klimasitz und Platz bietet der Rexton in Hülle und Fülle – selbst eine dritte Sitzreihe haben die Koreaner für 800 Euro Aufpreis im Angebot. Oder man nutzt das Heck wie bei einem Kleinlaster und kann unter der elektrischen Klappe zwischen 820 und 1.977 Liter stapeln

Auch bei der Ausstattung mit Assistenzsystemen schließen die Koreaner auf und bieten nun bis auf die automatische Abstandsregelung und die LED-Scheinwerfer so ziemlich alles, was der Markt verlangt. So gibt es nicht nur neun Airbags, eine Spurführungshilfe, eine Notbremsautomatik oder eine Verkehrszeichenerkennung. Sondern ja, auch die Smartphone-verrückten Koreaner können jetzt Apple CarPlay oder Android Auto. Und dann haben sie noch etwas, was sonst keiner bietet: Man kann für das Geräusch des Blinkers aus fünf unterschiedlichen Sounds wählen und dafür sogar das Zirpen von Grillen einstellen. Nicht dass es wirklich einen Unterschied machen würde. Aber zumindest kommt man so ins Gespräch.

So vornehm das Ambiente, so ansehnlich das Design und so modern die Ausstattung, so sehr halten sich die Koreaner bei der Konstruktion an ihre Wurzeln und machen auch beim Rexton keine Kompromisse: Leiterrahmen, Heck- oder Allradantrieb und eine Geländeuntersetzung machen den König aus Korea zum Original unter den weichgespülten Geländewagen. „Denn SUV gibt es schließlich schon mehr als genug“, argumentiert Exportchef Daniel Rim. Für die Rexton-Kunden bedeutet das zwar auf der einen Seite mehr Möglichkeiten, weil man den Neuen tatsächlich nutzen und beschmutzen kann. Doch auf der anderen Seite muss Ssangyong mit ein paar Einschränkungen leben. Denn so tapfer sich der Wagen durchwühlt, so stolz sie bei Ssangyong auf die 3,5 Tonnen Anhängelast sind und solide der erste Eindruck auf schlechten Straßen ist, so rustikal geht der 2,2 Liter große Diesel zu Werke: 181 PS und 420 Nm sind zwar eine solide Bank und die Siebengang-Automatik macht ihre Sache nicht schlecht. Aber Wunder an Kraft und Komfort darf man von dem Vierzylinder nicht erwarten. Nicht umsonst zum Beispiel ist selbst bei Vollgas mit 185 km/h schon wieder Schluss. Dennoch macht Ssangyong mit dem Rexton einen großen Schritt nach vorn und klopft zumindest Zaghaft in einer neuen Liga an.

Den Preis für die Aufstiegsphantasien zahlt zum der vergleichsweise neue indische Eigentümer Mahindra. Schließlich haben die Inder ihrer Tochter 900 Millionen Dollar bewilligt, mit denen neben dem Rexton noch ein davon abgeleiteter Pick-Up, der nächste Korando in der Klasse darunter sowie für das Jahr 2020 ein elektrisches SUV entwickelt werden sollen. Und zum anderen werden ihn die Kunden zahlen müssen – auch in Deutschland. Denn der bisherige Einstiegspreis von 27.190 Euro ist nicht mehr zu halten und stattdessen rufen die Koreaner jetzt mindestens 30.990 Euro auf und kommen bei voller Ausstattung nahe an die 50.000 Euro. Kein Wunder, dass Deutschlandchef Ulrich Mehling mittlerweile gut Lachen hat. Erst recht, wenn das Auto zum meistverkaufen Modell der Marke werden soll.