• Stalzamt: Tankstellen und ihre Nutzlosigkeit

    Wenn der Besuch einer Tankstelle zur Nervenzerreissprobe wird…

„Soll ich Öl und Wasser kontrollieren?“. Diese Sätze gelten nun wohl nur mehr für Olivenöl und Mineralwasser im Regal des Tankstellenshops. Der nervige Wandel der Tankstellen von einem Ort für Autos und deren Bedürfnisse zu einem Ort für Menschen und deren zweifelhafte Bedürfnisse geht mir als Carguy gegen den Strich. Oder, drastischer formuliert: Tankstellen und ihre Nutzlosigkeit tun mir weh und stehlen meine Zeit!

von Philipp Stalzer

Was für eine schöne Zeit muss es gewesen sein, als auf einer Tankstelle Hebebühnen, eine Reifenmontiermaschine und ein Mechaniker, der einen Ölwechsel zusammengebracht hätte, anwesend waren. Als man zu einer Tankstelle fuhr, weil der Tankwart eine Dienstleistung rund ums Auto anbieten wollte und konnte. Einen Glühlampentausch etwa, „selbstverständlich gnä’ Frau, erledigen wir sofort“. Da fehlt ein wenig Motoröl der Herr, soll ich es nachfüllen? Mit dauernd nur tanken und fahren war es in diesen Tagen eben nicht getan, der Wartungs- und Reparaturaufwand war viel größer als heute. Der freundliche Tankwart um die Ecke, einer der etwas von Autos verstand, war ein Ansprechpatner und eine Anlaufstelle bei kleineren und größeren Sorgen ums Auto. Gerne hat er die Begleichung der Rechnung auch gleich erledigt, sich mit Freundlichkeit und Kompetenz sein Trinkgeld verdient. Auch wenn er vielleicht manchmal auch ein bisschen gefrotzelt wurde, wie in dieser herrlichen Episode der „versteckten Kamera“:

Rubbellose, Rohrzucker und Rucola

Spätestens wenn man sich angewöhnt hat, zu Unzeiten oder an entlegenen Dorftankstellen seinen Treibstoff nachzufassen, weil der Zeitaufwand sonst doppelt und dreifach wäre weiß man: die Tankstelle ist für alles mögliche da, seinen Sprit bekommt man aber nur noch gnadenhalber. Es ist zwar ganz toll, dass mit dem Shop-in-Shop Konzept, das abgespeckte Supermärkte ins ehemalige Kassahäuschen pfercht, die antiquierten Ladenöffnungszeiten in unserem beschaulichen Alpenstaat elegant umgangen werden. Für jemanden, der aber einfach nur den Tank seines Autos auffüllen möchte oder eventuell eine Hilfeleistung rund ums Auto in Anspruch nehmen möchte, nervt es. Es freut mich sehr für die 4 Leute vor mir in der Warteschlange, dass es gekühlte 6er-Tragerl, geschnittenes und in Plastikschüsseln verschweißtes Obst, frisch gebackene Topfengolatschen und alle Sorten von Zigaretten, Vodka und Rubbellosen jetzt auch bis Mitternacht gibt, aber ich würde gerne einfach nur Zapfsäule 4 zahlen und schauen, dass ich weiterkomm. Ob einer von den vier in der Warteschlange vor mir Sprit bezahlt und dann mit dem Auto wegfährt? Höchst selten, die Chancen dass er sich einen Espresso Doppio Latte Macchiato mit einer Extraprise Zimt zum mitnehmen und 5 frisch aufgeschnittene Käsleberkässemmeln für Ihn und seine Freunde bestellt, sind wesentlich höher. Spätestens wenn man sich mit lockeren Radmuttern in die vermeintlich rettende, autophile Umgebung einer Tankstelle gerettet hat und nach einem 17er-Schlüssel oder einem Radkreuz fragt, der junge Mann hinter der Glasvitrine – der unter „Technik“ ausschließlich die Bedienung der Kaffeemaschine versteht – aber anteilnahmslos mit den Schultern zuckt, wünscht man sich 40 Jahre in die Vergangenheit zurück.

Es freut mich sehr für die 4 Leute vor mir in der Warteschlange, dass es gekühlte 6er-Tragerl, geschnittenes und in Plastikschüsseln verschweißtes Obst, frisch gebackene Topfengolatschen und alle Sorten von Zigaretten, Vodka und Rubbellosen jetzt auch bis Mitternacht gibt, aber ich würde gerne einfach nur Zapfsäule 4 zahlen und schauen dass ich weiterkomm.

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