Subaru Outback

Outback statt Allroad

Mehr Premium steht am Plan der Japaner – der Subaru Outback soll sich mit der deutschen Konkurrenz auf Augenhöhe matchen.

von Thomas Geiger

Wer hat’s erfunden? Nein, diesmal waren es ausnahmsweise nicht die Schweizer. Und auch wenn man beim Stichwort „Geländekombi“ vielleicht zu erst an Audi in Bayern denkt, liegt man daneben. Denn noch bevor die schmucke VW-Tochter den A6 Avant als Allroad auf Abwege geschickt hat, war schon der Subaru Legacy im Outback unterwegs. Das ist jetzt vier Fahrzeuggenerationen, 20 Jahre und knapp 500 000 Zulassungen her und so langsam wird es Zeit, die Geschichte mal ein bisschen zurechtzurücken. Wenn die Japaner Ende März die fünfte, vom Legacy zumindest optisch und nominell mittlerweile klar emanzipierte Auflage ihres Dauerbrenners an den Start bringen, fahren sie deshalb einen ungewöhnlichen Premium-Kurs und nehmen so tatsächlich auch Audi ins Visier – wenngleich der passende Konkurrent heute eher der A4 als der A6 Allroad ist. Wie ernst es die Japaner mit dem Aufstieg meinen, das merkt man bereits bei der ersten Sitzprobe. Denn selten hat ein Subaru einen derart vornehmen, aufgeräumten Eindruck gemacht wie beim neuen Outback: Schmuck glänzende Konsolen anstelle trister, grauer Plastikwüsten, brillante Displays statt pixeliger Matrix-Grafiken und viel Liebe zum Detail bringen den Outback tatsächlich auf Audi-Niveau. Dazu viel Platz auf allen Plätzen, geräumige Ablagen wo man sie braucht und einen Kofferraum von 559 bis 1848 Litern – fertig ist ein schmucker Kombi, der mit 20 Zentimetern Bodenfreiheit, obligatorischem Allradantrieb, einer dezenten Trekking-Optik und einem halbwegs ernst gemeinten Unterfahrschutz auch abseits des Alltäglichen nicht ganz verloren ist.

Assistenzsystem am Puls der Zeit

Die größte Überraschung birgt allerdings die technische Ausstattung: Schon das Infotainment-System mit großem Touchscreen und eigenen Apps ist auf der Höhe der Zeit. Und mit dem Assistenzsystem EyeSight fahren die Japaner vielen Konkurrenten sogar voraus. Denn wo die noch ein Heer von Sensoren brauchen um den Wagen auf Kurs zu halten, montiert Subaru hinter dem Innenspiegel eine Stereo-Kamera, die alle Führungsaufgaben überwacht: Sie regelt den Abstand zum Vordermann, hilft beim Einhalten der Spur, erkennt Hindernisse, steigt automatisch in die Eisen und selbst Ampelträumer können auf Unterstützung bauen. Denn noch bevor der Hintermann entnervt auf die Hupe hämmert, macht das System mit einem dezenten „Pling“ darauf aufmerksam, dass sich der Verkehr wieder bewegt und es an der Zeit wäre, so langsam mal Gas zu geben. Aber Subaru hat nicht nur an den Assistenten gearbeitet. Auch die Fahrdynamik wollten die Japaner verbessern und haben im Outback deshalb das Torque Vectoring des Rally-Profis WRX STi eingebaut. Damit bremst die Elektronik das innere Rad in engen Kehren gezielt ab und bringt den großen Kombi schneller um die Kurve. Obwohl die Lenkung nicht gerade die direkteste ist und der Wagen weder seine 1,7 Tonnen noch seinen etwas höheren Schwerpunkt verhehlen kann, wirkt der Outback deshalb angenehm handlich und vergleichsweise agil.

Leider lethargischer Diesel

Um so bedauerlicher ist es, dass der wichtigste Motor im Outback so einen verschlafenen Eindruck macht: Zwar ist der zwei Liter große Diesel nicht zuletzt wegen seiner unkonventionellen Boxer-Bauweise ungeheuer leise und laufruhig, so dass man schon auf den Drehzahlmesser schauen muss, wenn man ihn vom 2,5-Liter-Benziner mit seinen 175 PS als einziger Alternative unterscheiden möchte. Doch irgendwo in den Stellgliedern der stufenlosen Automatik und der variablen Kraftverteilung des Allradantriebes geht von den 150 PS und 350 Nm gefährlich viel verloren: Von 0 auf 100 in 9,9 Sekunden, beim Kickdown nur ein kärgliches Krächzen und maximal 200 km/h Spitze – das ist zu wenig, wenn man sich nicht nur im Outback der Abenteurer, sondern auch im Alltag der Vielfahrer und Anzugträger behaupten möchte. Und sonderlich sparsam ist der Outback auch nicht: Bei 6,1 Litern schon am Prüfstand rächen sich die Automatik und der Verzicht auf die Start-Stopp-Funktion. Zwar hat Subaru den Outback mit dem Generationswechsel kräftig aufgewertet und damit tatsächlich ein Stück näher an Nachahmer wie die Allroad-Modelle von Audi gebracht. Der österreichische Preis von 39 990 Euro für den Diesel in „Comfort“-Ausstattung lässt aber zu den 44 550 Euro für den A4 Allroad in Basis-Ausstattung ausreichend Abstand.