Surprise, surprise!

Der Suzuki Ignis überrascht im Dauertest

„Wie wäre es, wenn wir nicht das x-te Auto bauen, das noch aggressiver, fetter und martialischer dasteht? Wie wäre es, wenn wir mal was anders machen?“ So oder so ähnlich stelle ich mir die Ideenfindung zum Suzuki Ignis vor. Denn statt auf die zurzeit wogende Welle von überdimensionalen Kühlergrillen und scharfen Kanten aufzuspringen, haben die Japaner mit dem Design ihres Mini-SUVs überrascht. Dank unseres Dauertesters wissen wir jetzt allerdings auch, dass man beim Ignis aus dem Staunen gar nicht mehr rauskommt.

Text: Jakob Stantejsky

Ganz neu ist der Ignis mittlerweile ja nicht mehr, das ist schon klar – dementsprechend hatte man eigentlich genug Zeit, sich an die Formensprache zu gewöhnen. Dennoch springt mich das muntere Design unseres türkisblauen Winzlings jedes Mal fröhlich an, wenn ich mich nähere. Wenn man ein Auto als herzig bezeichnet, schwingt meistens ein mehr oder weniger herablassender Ton mit. Verächtlich sollte man sich allerdings keineswegs über den Ignis äußern, denn er bietet weit mehr Talente als fast alle anderen Fahrzeuge mit 3,7 Metern Länge. Daher passt offenherzig vielleicht besser. Denn der kleine Suzuki regt das Gespräch an, weckt Emotionen und sorgt generell für gute Stimmung bei allen Insassen und Umstehenden. Ja, manche mögen ihn belächeln, aber diese Leute hätten einen wohl auch belächelt, wenn man vorausgesagt hätte, dass die Roma ein 1:4 gegen Barcelona dreht.

Im Nachhinein stehen sie so oder so blöd da, weil der Ignis nicht nur ein eigenständiges, besonderes Design außen für sich verbuchen kann, sondern auch der Innenraum sowohl mit aufgeräumter Klarheit als auch verspielter Raffinesse punkten kann. Die Türgriffe innen etwa, die simplen Metallstangen gleichen, der erstaunlich tastenlose und doch alle Funktionen bietende Mitteltunnel, oder auch das schier unfassbare Platzangebot in beiden Reihen versprühen Charme und Wohlfühlfaktor in einem.

Apropos Platz: auch wenn es schier unbegreiflich ist, wie so viel Raum in so wenig Auto passen kann, ein Problem habe ich mit unserem Testwagen doch: Das Lenkrad ist nicht längsverstellbar und das führt leider zur Wahl, ob man mit angewinkelten Beinen oder verzweifelt ausgestreckten Armen fahren möchte – beides leider relativ unangenehm auf Dauer. Ebenfalls in die Kategorie nervig fällt der Notbremsassistent, der oft viel zu früh oder komplett unnötig anschlägt – ein Problem, das sich auch beim Suzuki Swift schon bemerkbar gemacht hat. Dass der Ignis so Sperenzchen wie einen Frontsensor für Spur- und Parkassistent bietet, ist super. Kleiner Protipp aus dem Eigenerfahrungsschatz der Redaktion: Die Vignette direkt vor jenen Sensor zu picken, zeigt sich der Funktionalität desselben höchst abträglich und wird mit erbostem orangen Geleuchte im Bordcomputer quittiert. Und ja, wir sind Vollprofis.

Gewöhnungsbedürftig ist die Kupplung des Kleinst-SUVs, denn bis die kommt, hat man mit dem linken Fuß schon fast einen Halbmarathon zurückgelegt. Übertrieben? – Eh klar, aber ideal ist die Geschichte nicht. Nach ein paar Fahrten habe ich mich jedoch angepasst und der Ignis flitzt frech von der Ampel los. Gemächlich geht er dabei nicht zur Sache, was seinem Mild-Hybrid-System in Verbindung mit dem Allradantrieb mitzuverdanken ist. Denn die 90 PS aus dem 1,2 Liter-Vierzylinder-Benziner werden beim Losrollen von einer kleinen Batterie unterstützt, die sich während der Fahrt auflädt.

Also nach vorne gesaugt werden der Ignis und ich zwar nicht, aber der Antritt ist für solch ein kleines (und kleinmotoriges) Auto durchaus kräftig und die 900 Kilogramm lassen sich auch nach dem ersten Sprint dank der recht präzisen Fünfgangschaltung schwungvoll bewegen. Ein sechster Gang wäre auf der Autobahn zugegebenermaßen eine Wohltat, was den Geräuschpegel angeht, doch zu verhungern droht der Japaner auch bei 130 keineswegs. Die Lenkung ist ähnlich leichtgängig wie der Schalthebel, fordert allerdings auch recht starke Einschläge, bevor sich wirklich was tut. Alles kein Problem, wissen muss man es nur.

Man merkt dem Ignis deutlich an, dass sie bei Suzuki aufs Autofahren Wert legen. Denn der hochbeinige Zwerg lässt sich mit viel Elan bewegen und lädt mit seinem fröhlichen Gemüt auch zu Flinkheit ein. Gut unterhalten ist man mit dem Suzuki Ignis auf jeden Fall. Ganz egal, ob es um Freude am Fahren oder am Detail geht.

Für den Praktiker gibt der Ignis vor allem in der Stadt den idealen Begleiter. Äußerlich winzig, doch innen mit einem ganz ganz großen Herzen Platzangebot versehen, wuselt er flugs und entspannt durch die Stadt und gönnt sich den Trebstoff dabei nur in mäßigsten Maßen. Rein ästhetisch setzt er ein Ausrufezeichen und sich selbst von der grauen Masse ab. Es findet sich generell sehr viel Finesse im Suzuki Ignis, auf die zu entdecken wir uns mit unserem Dauertester schon sehr freuen. Eines ist mir nach den ersten paar Wochen schon klar: Fadesse wird garantiert keine aufkommen, denn das Motto lautet eindeutig „Surprise, surprise!“