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Mercedes-Benz Concept A Sedan, 2017

A-Klasse-Limousine: Bekenntnis zum Stufenheck

Bekenntnis zum Stufenheck

Die A-Klasse-Limousine kommt



Mercedes plant für die zweite Generation der Modularen Frontantriebsarchitektur MFA eine deutliche Ausweitung der Modellpalette: Statt bislang fünf wollen die Schwaben künftig ganze acht Fahrzeuge gegen Golf & Co in Stellung bringen. Und damit sich der Nachwuchs unter den Mercedes-Kunden darauf schon so langsam einstellen kann, zeigen die Stuttgarter jetzt auf der Messe in Shanghai als ersten Ausblick auf die Neuzugänge die seriennahe Studie einer A-Klasse-Limousine.

Von Thomas Geiger



Zugeschnitten auf Konkurrenten wie das Stufenheck des Audi A3 oder die nur in China angebotene Limousine des BMW 2er und vor allem für dem Export nach Asien und Amerika gedacht, wird der Viertürer mit 4,57 Metern zum Baby-Benz der Millenials und beerbt so den legendären 190er. Dabei ist er zwar nicht ganz so fancy und stylish wie der CLA, wirkt aber sportlich und schick genug, um nicht gleich als Auto für Rentner und Langweiler abgestempelt zu werden. Erst recht nicht, wenn das Showcar den Panamericana-Grill der AMG-Modelle trägt und mit spektakulären UV-Gittern in den Scheinwerfern die Blicke fängt.

Während Designchef Gorden Wagener einmal mehr die Kunst des Verzichts übt, noch ein paar Linien aus dem Blech nimmt und die glatten Flächen dafür noch stärker skulpturiert, ohne daraus wie beim letzten Modellwechsel gleich wieder eine große Revolution zu machen, haben die Ingenieure ein deutlich dickeres Lastenheft: Sie müssen vor allem innen mehr Platz schaffen und den Bonsai-Benz auf Augenhöhe mit C-Klasse & Co bringen, ohne dass die Kosten aus dem Ruder laufen.



Das wollen sie vor allem mit Assistenz und Infotainment bewerkstelligen, hört man aus Stuttgart und erfährt von Prototypen, die innen eine ähnliche Bildschirm- und Bedienlandschaft haben wie die E-Klasse – die Blackberry-Tasten am Lenkrad und das Touchpad auf dem Mitteltunnel inklusive. Dazu gibt es eine Panorama-Kamera fürs einfachere Rangieren, aus den schmaleren Scheinwerfern strahlen LED-Brenner und im Bordcomputer arbeitet ein Vital Coach, der die MFA-Modelle zu Langstrecken-Autos machen soll. Denn so, wie es Mercedes auf der CES in einem Maybach demonstriert hat, wird es künftig auch in den kleinsten Modellen spezielle Wellness-Programme geben, die den Fahrer mit Licht und Luft, Massage und Musik stimulieren oder entspannen. Und zum ersten Mal sollen bei A-Klasse & Co die Sitze so programmiert werden, dass der gesamte Bewegungsapparat angeregt wird und man fitter aus- als einsteigt. „Denn Sitzen ist das neue Rauchen“, sagt Ergonomiechef Götz Renner mit dem Kompakten der Volkskrankheit Nummer 1 den Kampf an.



Während zumindest innen also doch wieder eine kleine Revolution angezettelt wird, gibt es unter dem Blech vor allem Evolution. Denn im Grunde bleibt es wohl bei den bekannten Drei- und Vierzylindern, die alle ein bisschen mehr Leistung bekommen und ein bisschen weniger verbrauchen werden. Und wo bislang die B-Klasse den Stromer gab, wird künftig wohl am ehesten die A-Klasse oder der GLA optional der elektrischen Submarke EQ zugeschlagen.

Wer dagegen in der alten Welt verharrt, für rund 100 PS mit dem Basismodell kalkuliert und nach oben bis etwa 250 zählt, der liegt wahrscheinlich nicht ganz daneben. Außer er denkt an AMG. Denn die schnellen Schwaben sind diesmal gut für 400 PS und sollen sich so auch auf der Überholspur die Pole-Position sichern.



Die weiterhin nur als Fünftürer lieferbare A-Klasse als direkter Golf-Gegner, die B-Klasse als Alternative zum BMW Active Tourer, CLA und CLA Shooting Break als Designerstücke, der GLA als kleinstes SUV mit Stern und dazu noch die A-Klasse-Limousine – das sind allerdings nur sechs Varianten. Die siebte wird, so viel ist ebenfalls schon klar, ein zweiter Geländewagen, der etwas kantiger wird als der GLA und unter dem Namen GLB läuft. Nur über die achte muss man weiter spekulieren- Doch nachdem Mercedes nun wirklich kein weiteres Cabrio mehr braucht und die Kritik am BMW Grand Tourer nicht zur Nachahmung animiert, wird es wohl gerade mit Blick auf China auf eine Langversion der Limousine oder des GLB hinauslaufen.



Zwar sind nicht alle Kompakten Selbstläufer und direkte Konkurrenten wie das Stufenheck des Audi A3 tun sich zumindest bei uns schwer im Kampf gegen das Spießer-Image. Doch davon lässt sich Mercedes keine Angst einjagen. Denn erstens hat Designchef Wagener eine Karosserie entworfen, die so schnittig und straff ist, dass sie kaum Staub ansetzten kann. Und zweitens sind die zwei Millionen Exemplare der ersten Generation von A-Klasse & Co eine solide Basis: „Dieser Erfolg zeigt, dass unsere Kunden von der aktuellen Kompaktwagen-Generation komplett begeistert sind“, sagt Vertriebschefin Britta Seeger: „Daher sind wir äußerst zuversichtlich, dass wir mit dem geplanten Ausbau diese Erfolgsgeschichte weiter fortsetzen werden.“


Bugatti-Chiron

Motorblock auf dem Genfer Auto-Salon – Messerundgang!

Messerundgang!


Motorblock auf dem Genfer Autosalon


Die Stimmung ist gut auf dem Genfer Automobilsalon. Entsprechend wenig Grund haben die Hersteller allerdings auch, sich auf echte Risiken einzulassen und wirklich etwas Neues zu probieren. Von der Neuerfindung des Autos, von der digitalen Revolution und dem radikalen Umbau der Mobilität ist zwar bei den Pressekonferenzen viel zu hören, aber auf den Ständen nur wenig zu sehen. Die PS-Branche setzt auf die bewährte Mischung aus Faszination und Funktionalität: Praktisches für den Alltag, Brüllendes für den Bubentraum.



Südländisches Temperament



Wer befürchtet, dass der Alfa Romeo Giulia das Schicksal der stets erwähnten, aber nie anwesenden Mrs. Columbo droht, wird in Genf beruhigt. Endlich gibt es sie auch im normalen Livree, also nicht nur als 510 PS Sternschnuppe zu sehen. Glatter und weniger mit den Sportattributen protzend, kommt das gelungene Design sogar besser zur Geltung. Also: Keine Hauben- und Kotflügel-Gitter, Schweller statt Schwellkörper, anabolikafreie Schürze.

Und weil wir grad bei den feurigen Südländern sind: Wer am Pirelli-Stand an Reifen denkt, hat ein Herz aus Gummi. Und der fesche Graugelbe ist ein Nimrod, das ist hebräisch für Jäger und der Name eines ungarischen (!) Autoveredlers, der mit seinen stilistischen Eingriffen merkbar eigenen Regeln verfolgt. Einige Sammler werden das zu schätzen wissen.



Fernost würzt das europäische Menü



Hyundai wagt sich mit dem Ioniq erstmals im großen Stil ins Grüne und nimmt das Vorbild Toyota Prius gleich mit einem Hybriden, einem Plug-In und einem reinen Elektrofahrzeug ins Visier.

Kia zeigt mit dem ebenfalls als Hybrid konzipierten Niro, dass man ein kleines SUV auch mit gutem Gewissen fahren kann. Dazu ein fast schon Audi-liker Kombi des Kia Optima, der schmucke kleine Toyota-Geländewagen C-HR oder ein ziemlich überdrehter Vorbote des nächsten Honda Civic – spicy Zutaten aus Fernost für das europäische Menü, das in Genf serviert wird.



Portfolio-Pflege statt Revolution



Viel Portfoliopflege, die herzlich wenig anfangen kann mit der rosigen Vision vom voll vernetzten, smarten und sauberen Mobilitäts-Device, das autonom durch leere und grüne Straßen surrt.

Mercedes zeigt das C-Klasse-Cabrio, BMW einen Siebener mit V12-Motor und einen mit Plug-In-Hybrid, Volvo den riesengroßen Kombi V90. Levante heißt das erste SUV von Maserati. Alles neue Autos und trotzdem irgendwie alles schon einmal da gewesen.

Von Ford zum Beispiel gibt es ein Facelift für den Kuga und von Opel ein Update für den Mokka. Und bei Fiat begegnet man alten Bekannten im neuen Frack, dem schicken 124 Spider und dem Tipo als Fließheck oder Kombi.

Renault zeigt den eleganten Mégane Grandtour. Der neue Scénic sieht so klasse aus, dass man sich fast noch einmal Kinder wünscht. Bei Peugeot steht der aufgefrischte 2008, bei Citroen der Spacetourer.



Vision und Wirklichkeit beim VW-Konzern



Kein anderer Hersteller redet diesmal so laut vom Wandel, von Digitalisierung und vom autonomen Fahren. Gleichzeitig sind die vorgestellten Neuheiten eher konventionell – allerdings auch sehr gelungen: Ein kleiner Geländewagen wie der Q2 passt prima zu Audi, auf ein Polo-SUV wie den T-Cross haben die VW-Händler spätestens seit dem Opel Mokka gewartet. Der serienreife Geländewagen Seat Ateca ist genau so ein Sebstläufer wie die Skoda Vision S, aus der im Herbst der Kodiak wird, und selbst der Bugatti Chiron als 1 500 PS starker und 420 km/h schneller Überflieger ist ein faszinierendes Auto.



Neuer Mehari



Citroens Neuauflage des Mehari im Courreges-Outfit – weißer als weiß, innen und außen. Einen Tip, in welchem Outfit man sich darin sehen lassen kann, hat der französische Designer nicht dazugereicht, wer allerdings eine Polizeiuniform wählt, wird durch dieses Auto kaum glaubwürdiger. In verträglicherem Livree kommt der Mehari tatsächlich noch heuer – für Halbmutige wird es genügend Stoff- und Innendesigns geben, ohne gleich ins Weiße greifen zu müssen.



Kein Beinbruch



Fractal nennt Peugeot seine zweitürige Coupé-Studie, was ein bisschen nach Knochenbruch klingt und auch ein wenig danach aussieht. Ob das Revival der weithin als „Selbstmördertüren“ bekannten, hinten angeschlagenen Einstiegsvariante dafür verantwortlich ist, wird nicht verraten. Im Innenraum gibt’s noch eine lange nicht gesehene Lösung: Die Verwendung von Rosé-Gold, zuletzt gesehen in „Casino“ mit Robert DeNiro und Sharon Stone. Oberecht in den 80ern, wer sich noch an sie erinnern kann.

Thomas Geiger, Karl Jereb, Bernhard Katzinger, Stefan Pabeschitz