Triumph Thunderbird Storm. Großbritannien schlägt sich eine unverkennbare Nische ins Cruisersegment und lässt ein waschechtes Hooligan-Bike Kraft, Komfort und Auftritt vereinen.

Text: Franz J. Sauer

Lange Haare, schwarzes Leder – es sind durchaus die eher harten Typen, die sich nach der Storm umdrehen, auch wenn sie nur am Straßenrand lehnt. Rocker, hätte man früher gesagt. Harley hätte man damals frei assoziiert. Und tut dies frank auch heute noch. Aber während Fans der Milwaukee-Ikonen üblicherweise durch Markentreue glänzen, macht ihnen Triumph mit dem dicksten Donnervogel den Sidestep leicht. Denn während sich eine wie die Tunderbird LT (Viel Chrom, viel Sattel, viel Cruiser) öfters als einmal die böse Verunglimpfung „Harley-Imitat“ gefallen lassen muss, stellt die Storm von Anfang an klar, ein eigenes Inertialsystem zu besiedeln. Wo anderswo Chrom glänzt und blendet, gibt sie sich tiefschwarz in Seele und Auftritt. Das charakteristische Triumph-Doppelauge schafft hier mindestens so radikal Tatsachen wie der breite Tank, die wuchtigen Doppelrohre und der zentrale, wunderschön gebaute 1700er Muskel. Klar, Sozia saßen schon bequemer und die Fußrasten könnten etwas weiter vorne Platz finden. Andererseits: wer erwartet sich von einem Cruiser schon bequeme Langstrecken-Attitüden? Bei dieser Art von Bock geht es mehr um den Auftritt vorm Bikertreff als um die gute Figur auf Autobahnen.

Triumph Thunderbird Storm auf großer Fahrt

Insofern gilt für die Storm: unverhofft kommt oft. Selten saß man als großer Mensch bequemer auf einem Motorrad, selbst längere Verbindungsetappen gestalten sich erstaunlich bequem. Der gerade Lenker schafft ein vorzügliches Kräfteparallelogramm in Kombination mit Sitzposition und Kniewinkel. Bloß beim Rangieren im engen Innenstadtgeläuf fallen die knapp 350 Kilo merklich ins Gewicht. Ansonsten herrscht Kraft vor, immer und überall.

Für die Storm gilt: unverhofft kommt oft. Selten saß man als großer Mensch bequemer auf einem Motorrad, selbst längere Verbindungsetappen gestalten sich erstaunlich komfortabel.

Der Dicke Zweizylinder stemmt feinste Drehmoment-Power schon im Drehzahlkeller, man ertappt sich dabei, den Motor durch exzessives Früh-Hochschalten zu provozieren – und trotzdem ist immer genug Morch da. Der Sound? Ein sonorer Mix aus Schiffsdiesel und Donnergrollen, die langen, schönen Tröten bringen gutturalen Bass.

Super Handling

Selbst die notorische Cruiser-Schwachstelle Fahrwerk hat man bei Triumph vorzüglich hinbekommen, die sehr früh aufsetzenden Fußrasten beenden Schräglagen-Orgen weit früher als nötig. Man spürt dann das Kribbeln auf der Fußsohle (beunruhigend), gleichzeitig aber auch, wie viel da noch ginge, wäre noch Platz (beruhigend). Überhaupt ist erstaunlich, wie sich die Storm bewegen lässt. Sie besteht sowohl den innerstädtischen Schlängel-Test – hier wird bloß der sehr breite Lenker manchmal zur Nagelprobe – als auch den Umleg-Vergleich überland. Ein tiefer Schwerpunkt paart sich mit Standfestigkeit, ein sattes Liegen in der Kurve verleiht ebenso Sicherheit wie ein hochstabiler Geradeauslauf. Vor allem längere Strecken werden so zur unaufgeregten Landpartie – eine Eigenschaft, die nur wenige Cruiser so wunderbar stemmen wie die schicke Storm.

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