Oben ohne-Spaß

Unsere Cabrio-Saison 2017

Der August war ja schon in der Kindheit ein schwieriger Monat. Die Tage, die einen vom kommenden Schuljahr behüteten, wurden rarer. Doch auch viele Jahre später erweist sich die zweite Halbzeit des Sommers als Unheilbringer: Die Cabrio-Saison ist vorüber.

Text: Maximilian Barcelli und Tizian Ballweber

Es wird kühler, finsterer und ja, es wird auch lebensfeindlicher: Der August ist der Vorbote der kalten Jahreszeiten – und das Schlimmste ist, dass er unsere Cabrio-Saison beendet! Höchste Zeit also noch einmal mit sommerlichen Gefühlen die schönen Freiluft-Momente reüssieren zu lassen und einen großen Cabrio-Vergleich zu starten. Vom Mustang bis zum MX-5 haben sich in den letzten Monaten die verschiedensten Oben ohne-Modelle in unseren Fuhrpark verirrt und damit ihr euch in diesem Bericht jetzt nicht verirrt, werden wichtige Faktoren, die ein Cabriolet zu dem machen, was es ist, mit Schulnoten bewertet. Unsere Cabrio-Saison 2017:

Mazda MX-5

Cabrios kamen und Cabrios gingen, doch er hat sie alle überlebt: Unser Dauertester Mazda MX-5! Ach, was gibt es bei diesem japanischen Flitzer noch viel zu sagen? Ein brillantes Auto, das mit Fahrfreude um sich wirft, als würde diese auf Bäumen wachsen. Die 160 PS reichen für den Hecktriebler mit geringem Gewicht leicht aus, der ein oder andere Drift ließ sich bei den etlichen Ausfahrten nur schwer vermeiden.

Optik: Dass sich bei unserem Doppel-MX-5-Photoshoot in der Seestadt viele aufgeregte Kinder um uns getummelt haben, sagt alles. Das knallige Rot gibt uns dann den Rest. 1

Haptik: Wenig Plastik und viel Leder steigern den Wohlfühlfaktor. 2

Fahrfreude: Ähm, ja. 1 Plus mit Sternchen oben dran.

Cabrio-Feeling: Grandios. Mehr gibt’s nicht zu sagen. 1

Kommt-bei-den-Mädels-an-Faktor: Kommt drauf an. Die auf Familie bedachte Dame wird mit dem Zweisitzer wohl keine große Freude haben. 2

Preis: Dieser startet bei vernünftigen 26.090 Euro, doch mit besseren Ausstattungen und einen stärkeren Motor kratzt man schnell an wohlfeilen 40.000. Fahrfreude kostet nun mal. 2

Mazda MX-5 RF

Mit dem Hardtop-Modell habe ich ja mehr Zeit verbracht als mit dem Cabrio. Und das ist auch gut so, denn die 2 1/2 Stunden Fahrt nach Oberösterreich hat die größte Schwäche der MX-5 offenbart bzw. unterstrichen. Denn Komfort sucht man hier vergebens. Im Vergleich zum Softtop-Mazda punktet der Targa dennoch mit etwas humaneren Außengeräuschen. Verschwindet die fade Autobahn jedoch im Rückspiegel, löst sich der Groll über Platzmangel und Komfort in qualmenden Gummi auf.

Optik: Siehe oben. Minuspunkt aufgrund dem Mäuschengrau. Den holt er sich allerdings mit der Coupé-haftigkeit wieder zurück. 1

Haptik: Dito. 2

Fahrfreude: Ja! 1 Plus und ebenfalls mit Sternchen, selbstverständlich.

Cabrio-Feeling: Weniger Wind und trotzdem fühlt man sich herrlich frei im Targa. 1

Kommt-bei-den-Mädels-an-Faktor: Die Farbe pfuscht ein wenig rein und auch mit dem offenen Hardtop wird man wohl nicht ganz so gut ankommen. 2-

Preis: 5.300 Euronen muss man für das Hardtop drauflegen. Macht also einen Einstiegspreis von 31.390 Euro. Ob einen das die angenehmeren Langstreckenreisen wert sind, muss jeder mit sich selbst ausmachen. 2-

DS 3 Cabrio

Oder wie Kollege Stantejsky es liebevoll nennt: Das Gucci-Mobil. Der grundsympathische Franzose punktet zwar nicht mit einem grandiosen Freiluft-Feeling, doch ist es seine behutsame und angenehme Art, die ihn ausmacht. Auch die 110 PS, die das DS3 Cabrio auf den Prüfstand mitbringt, fühlen sich nach reichlich mehr an. Platz ist beim 3-Türer ebenfalls keine Mangelware, vor allem Fahrer- und Beifahrer haben keine Krämpfe zu befürchten. Die billigen Plätze hinten sind hingegen schon ein Kompromiss.

Optik: Nicht jedermanns Sache. Aber sympathisch, irgendwie. 3+

Haptik: Die ganz teuren Materialien sucht man bei der Luxus-Schwester von Citroen vergeblich. Wertig fühlt es sich, dank der Sitze zum Beispiel, dennoch an. 3+

Fahrfreude: Zuverlässig ist er allemal, dass sich ein Grinser ins Gesicht verirrt, ist eher unwahrscheinlich. 4

Cabrio-Feeling: Ein Mischmasch aus Schiebedach und Cabrio. Doch ist das bloß ein Kompromiss oder das beste von allem? Wir können uns nicht ganz entscheiden, weil der Wind die Frisur aber eher in Ruhe lässt, gibt’s hier einiges an Punkteabzug. 4

Kommt-bei-den-Mädels-an-Faktor: Knuffig ist er ja schon. Und Gucci-Ähnlichkeiten sind nie schlecht. 3+

Preis: Minimalisten müssen 21.840 Euro auf den Tisch hauen, doch auch mit besserer Ausstattung und Motoren explodiert der Preis nicht in utopische Höhen. 1

BMW 430d Cabrio

Der Businessman unter unseren diesjährigen Cabriolets erzeugt Aufmerksamkeit – auch, weil die beige Innenausstattung mit offenem Dach und Sonneneinfall ganzschön was hergibt. Mit seinen 258 Pferdchen ist der Bayer alles andere als untermotorisiert, doch wirkt er beim dynamischen Kurvenfahren etwas träge. Ein Manko, welches er mit seiner eleganten Art, hochwertigem Interieur und den Blicken der Damenwelt mehr als nur wettmacht.

Optik: Die Farbe trifft bestimmt nicht jeden Geschmack, uns ist das allerdings lieber als ein tristes Schwarz/Silber/Weiß. Und sonst? Edel und – im Vergleich zu den anderen Modellen – erwachsen und vernünftig. 1

Haptik: Einiges an Hartplastik ist schon zu finden, doch weiß BMW dieses mit Leder an den richtigen Stellen zu retuschieren. 2

Fahrfreude: Heckantrieb? Anwesend. 258 PS? Anwesend! Geringes Gewicht? Der ist heute krank! Deshalb, bei aller Fahrfreude, die der Münchner bietet, gibt es Punkteabzug. 2-

Cabrio-Feeling: Da gibt’s nicht viel zu erzählen. Kurz und bündig: 1

Kommt-bei-den-Mädels-an-Faktor: Wenn zwei Mädels aus heiterem Himmel fragen, ob sie eine Runde mitfahren dürfen, ist das selbstredend. Paart man deutschen Premium mit Freiluft-Charakter kommt dabei eine unwiderstehliche Kombination raus. 1+

Preis: Ui. 49.100 Euro Einstiegspreis, das ist schon happig. Mit anständigem Motor und Ausstattung ist man dann auch schnell einmal bei einem 70er. Für diesen deutschen Premiumpreis gibt’s einen 4er. Ha-ha.

Ford Mustang Convertible

Man stelle sich einen endlosen und einsamen Highway vor, irgendwo im heißen Arizona. Nein, besser noch: im sonnigen Kalifornien. Und kaum ein anderes Auto wäre geeigneter dafür, die Freiheit und die frische Luft zu genießen, wie der Ford Mustang. Mit V8 natürlich, schließlich muss der ja den Soundtrack dazu blubbern. Der potente Cruiser mag zwar hier und da ein wenig schwammig wirken, lädt dafür aber am meisten in der Liste zum Cruisen ein.

Optik: Nicht jede Mustang-Generation bestach durch ihr heißes Aussehen. Der neue schlägt sich gut, kommt aber nicht ganz an das Original aus den 60ern ran. 1-

Haptik: Hier macht sich leider die amerikanische Sorgfalt zu bemerken, bzw. die Qualität der Amis. Es gab aber schon schlimmere Innenräume. 3

Fahrfreude: Die beginnt schon im Stand bei angelassenem Motor. 422 PS sorgen für einen geilen Klang und massig Antrieb wobei es egal ist, ob damit geheizt oder gecruist wird. 1

Kommt-bei-den-Mädels-an-Faktor: Dem Stang eilt der Ruf voraus, beim Manne etwas kompensieren zu müssen. Die Frauen schauen einem im neuen aber interessiert nach, die ein oder andere würde bei einer eleganteren Farbe wohl sogar einsteigen. 1-

Preis: V8 fahren kostet einen rund 65.000 Euro, dafür sind dann aber fast alle Extras inkludiert. 2