Fein überarbeitet und mit neuen Motoren zeigt der Volvo XC60 die eigentliche Mitte des Volvo-Modellprogrammes. Und bringt die Markenthemen publikumswirksam auf den Punkt.

Text: Franz J. Sauer

Nein, hier geht es nicht um den neuen Luxus-Volvo XC90, der letzten Herbst endlich komplett und ganz der internationalen Autogemeinde vorgestellt wurde. Zeit wars, den großen Volvo-SUV zu überarbeiten, mit über zehn Jahren Bauzeit, nichtmal sonderlich facegliftet, verdiente er sich längst das Prädikat „Methusalem“ im wnadlungsfreudigen SUV-Wesen. Und es scheint geglückt, wie erste Berichte zu wissen meinen. Auch eine First Edition konnte man zunächst ordern. Mit 226 PS um schlanke 99.000 €. Dafür voll geladen mit Ausstattung und Technik-Sperenzchen. Der beste Volvo aller Zeiten sei der neue XC90. Und logischerweise die Ultima Ratio in Sachen Sicherheit. Derlei drängt unseren aktuellen Testwagen ein wenig aus dem Rampenlicht der Zeit.

Zu Unrecht

Weil eigentlich ist der XC60 ja der stimmigere Volvo – behaupten wir so mal, ohne den großen gefahren zu sein. Es waren aber immer schon die nicht ganz dicken Versionen der Schweden, die Furore machten. 240 stach 260, 740 stach 760, und auch der S80 führte stets ein Schattendasein im Gegensatz zu V70 und S60. Dass derlei weder beabsichtigt ist, noch weiterhin so bleiben soll, liegt auf der Hand. Der XC90 wird zum Überflieger. Und somit kann sich der XC60 im Flugschatten der echten Volvo-Klientel widmen. Warum er stimmiger ist? Ganz einfach: Er ist ein echter Alleskönner. Sieht gut aus, kann ein bisserl Gelände, hat viel mehr Platz, als man von außen glauben möchte. Und er hat auch als Vierzylinder- Diesel genug Ausdruckskraft im Vortrieb, um die Automatik niemals zu überfordern, auch wenn man etwas forscher cruisen möchte.

… es waren aber immer schon die nicht ganz dicken Versionen der Schweden, die Furore machten. 240 stach 260, 740 stach 760, und auch der S80 führte stets ein Schattendasein im Gegensatz zu V70 und S60 …

Zu überraschen vermag der XC60 übrigens auch. Zumindest, was seine Vermarktung betrifft. Eher hätten wir ihn der bezaubernden Komissarin Saga Norén als Dienstauto zugeordnet, denn der Swedish House Mafia als Tourbus. Aber man lernt nie aus …

Letztere gibt sich übrigens besonders talentiert im Sortieren von Gängen. Was ein wenig stört am D4 Geartronic, ist das Fehlen des Kürzels AWD. Es ist und bleibt eine Anachronie, einen SUV mit Frontantrieb zu fahren. Oder, wie uns dies Alex Wurz einst erklärte: „Du haust dir die ganze günstige Vorderachsen- Geometrie eines Pkw zusammen, weil du ihn höherstellst, und verzichtest dann aber doch auf den einzigen Vorteil, den dir das bringt.“ In der Tat hatten vor allem Volvos der letzten zwei Dekaden etwas Probleme mit der notwendigen Arbeitsteilung einer angetriebenen Lenkachse; derlei wurde beim XC60 zwar weitgehend wegkonfiguriert, dennoch: Dieses Auto gehört allradgetrieben, Punkt.

Kleiner ist feiner

Was kann der Vierzylinder besser als der Fünfzylinder (der übrigens den D4 AWD noch immer vortreibt, mit exakt der gleichen Leistung von 181 PS)? Zunächst gefühlt nix. Im Gegenteil, es fehlt ihm das kernige Fünftopf-Gebrodel im mittleren Drehzahlbereich unter Volllast, das man spätestens seit dem Audi Quattro liebt. Puncto Leistungsentfaltung ist der Einzelturbo aber fast harmonischer zugange als der Doppelbläser im Fünfzylinder. Im Run um tolle Verbrauchswerte ist ein Vierzylinder ebenfalls begabter, das Kraut macht die Differenz aber nicht wirklich fett.

Oder darfs doch bisserl mehr sein?

Vergleichsweise krass ist der Unterschied dann doch, vergleich man den kleinen Vierer mit Frontantrieb mit dem großen Sechser, verteilt auf alle Räder. 304 PS sorgen dann für richtig Ärger. Es puncht heftig von unten, zieht oben raus, dazu gibt’s gottvollen Sound. Sechs Töpfe mit Benziner-Genen verlangen freilich auch an der Zapfe ihren Tribut, das muss wohl so sein. Dennoch ist der Durchschnittsverbrauch mit knapp 11 Litern mit hohem Stadtanteil zu verschmerzen, wenn gleich der große XC60 eigentlich auch nur knapp 70 Kilo mehr mitzuschleppen hat – das wiegen schon fast allein die zwei Mehr-Töpfe

Preisunterschied

Weitaus fetter als in der echten Welt materialisiert dennoch die Preisdifferenz zwischen den beiden schönen Volvos. Während der D4 an der Basis mit bloß 41.450 Euro zu Buche schlägt, sind für den großen Benziner dann doch 67.134 Euro (wohlgemerkt: in der höchsten Ausstattungsstufe) zu berappen. Ob er allerdings wirklich um 25.000 Euro besser fährt, sei dahingestellt – was als Kompliment für den Kleineren zu verstehen ist.

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