Zurück auf die Siegerstraße?

Der VW Jetta erobert die USA

Er war nicht sonderlich erfolgreich und schon gar nicht sexy. Doch er war extrem beständig. Denn schon seit Urzeiten gibt der VW Jetta den spießigen Bruder des Golf und hat sich unterhalb der Wahrnehmungsschwelle gar nicht so schlecht verkauft. Weltweit kommt die 1979 vorgestellte Limousine in sechs Generationen auf 17,5 Millionen Zulassungen, ist damit global eines der erfolgreichsten VW-Modelle aller Zeiten und steht in Schlüsselmärkten wie USA oder China immer ganz besonders weit oben in der Statistik. Nur eben nicht in Deutschland – und dafür bekommen wir jetzt die Quittung. Denn die nächste Generation des Golf-Bruders, die gerade ihre Weltpremiere in Detroit feiert, wird deshalb diesmal bei uns nicht mehr angeboten.

Von Thomas Geiger

Selber Schuld, könnte Hinrich Woebcken sagen, der als amerikanischer VW-Chef maßgeblich die Entwicklung verantwortet. Doch vor allem wird er froh sein, dass er die Produktion nicht teilen muss. Schließlich ist der Jetta sein mit Abstand wichtigstes Auto und eine Art Zugwagen, der den noch immer ziemlich verfahrenen Dieselkarren gar endgültig aus dem Dreck ziehen soll. Nicht umsonst hat Woebcken sogar noch einmal den Preis gesenkt und bietet das neue Auto für netto 18.545 Dollar sogar noch einmal 100 Dollar billiger an als den Vorgänger.

Dabei hätte der Jetta diesmal vielleicht sogar bei uns eine Chance gehabt. Nicht nur, weil er mit 4,70 Metern Länge mittlerweile beinahe das Format des letzten Passat erreicht, er mit seinem großen Chromgrill nicht mehr ganz so gesichtslos und spießig daher kommt und deutlich billiger angeboten werden könnte. Sondern vor allem, weil er jetzt zum ersten Mal aus dem Modularen Querbauasten montiert wird und damit endlich technologisch gleich zieht mit seinem kurzen und dafür um so erfolgreicheren Bruder. Hier wir dort gibt es deshalb alle Assistenzsysteme, die LED-Scheinwerfer sind sogar Serie und natürlich ist auch das mittlerweile fast schon obligatorische Digital-Kombi an Bord.

Nur bei den Motoren fährt der Jetta noch in der Steinzeit. Denn die einzige Option ist ein betagter 1,4 Liter-Benziner mit 150 PS. Vom Diesel will gerade niemand etwas wissen und von einem Jetta GTE mit Plug-In-Technik ist bis dato keine Rede.

Größer als bisher, besser ausgestattet, nicht mehr ganz so langweilig gezeichnet und auch noch billiger als der Vorgänger – für einen Nettopreis von nicht einmal 19.000 Dollar wird der Jetta so gar vollends zum Passat für Preisfüchse und zu einem Hoffnungsträger für US-Chef Woebcken. Doch so ganz alleine will er sich auf die Macht der Stufe nicht verlassen und plant deshalb schon die nächsten Neuheiten – immerhin zwei pro Jahr sollen es sein. Als nächstes stehen dabei allerdings jetzt erst einmal wieder SUV auf der Liste. Und anders als das XXL-SUV Atlas und den Jetta wird man die kommenden US-Premieren auch wieder bei uns kaufen können.