Der kleine Große

VW Polo: Jeder muss erwachsen werden

Groß ist er geworden, der einst kleinste Wagen der VW-Familie. In den späten 70ern noch mit einer Länge von 3512 Millimeter relativ kompakt, ist der Polo über die letzten Jahrzehnte ordentlich gewachsen: 541 Millimeter um genau zu sein.

Text: Maximilian Barcelli

Dass die sechste Generation des VW Polo erstmal über vier Meter lang ist, ist vor allem den Umstieg auf den MQB – VW’s Baukasten für Fahrzeuge, die Motor und Getriebe quer eingebaut haben – geschuldet, auf dem inzwischen schon unzählige Volkswagen-Autos basieren. Dass das der gefühlt hundertste Wagen ist, der auf diesen Modularen Querbaukasten basiert, soll nicht weiter stören. Denn dieser bringt Vorteile mit sich. So sind beispielsweise eine enorme Fülle an Assistenzsystemen vorhanden. Vom Front Assist bis hin zum Toten-Winkel-Warner ist im Polo alles drin, was das unpuristische Herz begehrt. Auch seinen neuen Dimensionen, die dem (mittlerweile nicht mehr so) kleinen Wolfsburger ein ganz neues Auftreten verleihen, sind dem MQB geschuldet.

Und wenn wir schon bei der Optik sind: Knuffig schaut er jetzt nicht mehr aus, der VW Polo. Die schmaleren Frontleuchten verdrängen angriffslustig Schatten und Dunkelheit, auch hinten ist er erwachsen geworden. Nichts mehr mit putzig. Und trotzdem, man erkennt ihn, kann ihn eindeutig als Polo identifizieren. Es ist also nicht so, als hätte Volkswagen den Charakter des Polos aufgegeben, so wie es andere Hersteller ja durchaus tun, um ein größeres Publikum zu erreichen. Wobei, wirklich notwendig hat der Polo das auch nicht. Immerhin wurden insgesamt schon mehr als 14 Millionen Fahrzeuge verkauft – und diese Kauffreudigkeit versucht der VW-Konzern mit der sechsten Generation des Kassenschlagers weiter vorwärts zu treiben.

Das wird ihnen vermutlich auch gelingen, die ersten Eindrücke sind ziemlich gut. Einen kleinen Wermutstropfen gibt’s dann letztendlich schon, denn bei den drei Modellen, die mir in den Schoss gefallen sind, war kein einziges mit den digitalen Armaturen ausgerüstet. Was schade ist, weil wenn man da so im neuen Polo sitzt, erkennt man relativ schnell, dass das digitale Armaturenbrett mit der Mittelkonsole (vermutlich) fabelhaft harmonieren würde. Und die analogen Instrumente? Die schauen schon nicht schlecht aus, aber richtig wohlfühlen tun sie sich auch nicht. Aber da kommt vermutlich nur der ewig Neumodische in mir hervor, nicht wenige ziehen analoge Instrumente Digitalen vor. Also von dem her.

Was tut sich noch so im Innenraumleben des neuen Volkswagen Polo? Knallige Farben kriegt man, wenn man diese halt auch will. Wenn nicht, kann man den Innenraum des Polos auch farbig dezenter gestalten. Und ja, er ist drinnen ebenfalls erwachsen geworden. Ordentlich auch. Sonst ist für jeden individuellen Geschmack etwas dabei, dafür sorgen die vielen Ausstattungslinien. Einzig und alleine das Fehlen von Haltegriffen ist ein Manko, dass man auch nicht schönreden kann.

Fahren tut er sich übrigens auch gut, aber was will man im Kleinwagensegment schon viel erzählen. Klar schiebt der 95 PS starke Benziner nicht bestialisch an und auch der stärkere Ottomotor, der 115 PS abdrückt, wird keine Glücksgefühle wie auf der Achterbahn auslösen (wobei sich der schon wirklich spritzig fährt, also Fahrfreude ist kein Fremdwort für Kleinwagen und schon gar nicht für den Polo). Aber: Sie sind solide. Für diese Fahrzeugklasse eigentlich richtig, richtig gut. Den 150 PS starken Benziner lassen wir jetzt mal außen vor, den bin ich nicht gefahren, über den kann ich nicht schreiben. Aber Spaß macht der bestimmt! Und Spaß wird auch der GTI mit im Gepäck haben, wenn dieser etwa zu Jahreswechsel das Licht der Welt erblickt. Wer also etwas tiefer ins Börserl greifen kann, der wird mit dem Polo wahrhaftige Fahrfreude erleben. Bei wem Sparmodus angesagt ist, kriegt einen soliden Klassiker, dem man absolut Vertrauen schenken kann. Auch was das Kurvenverhalten angeht, das Gewicht von nur knapp über einer Tonne macht sich positiv bemerkbar.

Blechen tut man für den neuen VW Polo 13.990 Euronen. Ein Wert, der sich bei zu viel Völlerei noch ordentlich steigern lässt. Wenn man allerdings auf diese Todsünde verzichtet und man beim Kreuzchen machen nicht völlig auszuckt, ist der Preis ziemlich annehmbar. Man kriegt einfach was für sein Geld!