Der stylische Monolith

Erste VW Touran Testfahrt

Der Touran bekommt in seiner Neuauflage eine überarbeitete Optik und viel Drumherum – vor allem innen drin

von Seppi Linsbichler

Nachdem bereits 2006 und 2010 größere Überarbeitungen anstanden, geht das niedersächsische Raumwunder ab Anfang Oktober in die offizielle zweite Runde. Der Touran scheint für viele eine gute Alternative. Kompakter als der Sharan, dafür mehr Platz als im Golf Sportsvan. Seit der Einführung im Jahr 2003 wurden 1,9 Exemplare verkauft. Grund genug, den „kleinen“ VW-Van mit neuen Features auszustatten.

Altbewährtes neu interpretiert

Schärfer, sportlicher, komfortabler. Alles neu, aber nicht anders. Kein Wunder, die Erwartungen an die Wolfsburger sind hoch. Man möchte an die Erfolge der Vorgänger ansetzen und verpasst der zweiten Generation des Allrounders einen zeitgemäßen Feinschliff – wie auch bei anderen Erfolgsmodellen der Volkswagen-Familie üblich.

Den Touran kauft man nicht, um seinen urbanen Lifestyle auszuleben oder gar wegen seiner sportlichen Performance. Er ist ein MPV – also ein Multi Purpose Vehicle, zu deutsch: Alleskönner. Es sind die praktischen Dinge, viele Kleinigkeiten, die diesen Wagen in den letzten Jahren zu einer der beliebtesten Familienautos werden ließen.

 

Größe zählt doch

Der neue ist länger, um ganze dreizehn Zentimeter. Davon profitiert auch der Radstand: plus elf Zentimeter gibt es hier an Zuwachs. Das wirkt sich positiv auf das Fahrverhalten aus – besonders fernab des Stadtverkehrs. Man Merkt es. Außerdem schafft man so auch Beinfreiheit. Nie schlecht.

Der Touran unterstreicht wieder einmal seine Stärke, wenn es darum geht, möglichst viel zu verstauen. Mit insgesamt 47 Ablagen, verteilt über den ganzen Wagen, findet sich für so ziemlich alles der passende Platz. Selbst unter dem Kofferraum findet man noch einen „Laderaum“. 743 Liter Ladevolum im Fünfsitzer sind nach Konzernangaben außerdem führend in dieser Klasse. Apropos Kofferraum. Dort kann die Beleuchtung entnommen und als Taschenlampe verwendet werden. Nette Idee, denken wir uns.

VW Touran: Der Innenraum

Wie schon fast klassenüblich, orientiert man sich im Innenraum an den neuen Passat. Die Mittelkonsole bietet Chrome und Klavierlack. Schick und schlicht. So mögen wir das. Im Vergleich zum Vorgänger hat sich hier einiges verändert – dank des Konzernbaukastens. Mit Hilfe des Modularen Querbaukastens konnte auch im Innenraum mehr Platz geschaffen werden. So passen nun drei Kindersitze auf die zweite Reihe. Der Großfamilienplanung steht somit nichts mehr im Weg.

Auch bei den Sitzen hat sich einiges getan. Durch das bloße Ziehen an einer Lasche, lassen sich die drei Sitze der zweiten – sowie, falls vorhanden – die zwei Sitze der dritten Reihe umklappen und bieten dann, dank der neuen Fold-Flat-Sitzanlage, eine durchgängige (ebene) Ladefläche. Wenn dann auch noch der Beifahrersitz umgeklappt wird, kommt man auf stolze 2,70 Meter Ladeplatz, welche selbst einem ausgedehnten Möbelhausbesuch durchaus sinnvoll erscheinen lassen.

Konnektivität als oberstes Gebot

Noch nie war ein Volkswagen so vernetzt. So ziemlich alles lässt sich automatisch unterstützen, was zu erheblich weniger Handgriffen führt. Besonderes Highlight ist die Möglichkeit, einen WLAN-Hotspot einzurichten, wodurch alle Fahrgäste in den Genuss einer Internetverbindung kommen – und somit einer ruhigen Fahrt nichts mehr im Wege steht. Via App-Connect, das nun neben MirrorLink auch Apple’s Car Play und Google’s Android Auto vereint, können nun nahezu alle Smartphones mit dem Touran vernetzt und spezielle Apps genutzt werden. Ebenfalls neu ist die Media Control-App, die nun auch für Tablets eine Schnittstelle zum Infotainmentsystem anbietet.

Infotainment Baukasten

Die Infotainmentsysteme des neuen Touran bieten Technologie auf letztem Stand und sind Teil der zweiten Generation des sogenannten Modularen Baukastensystems (MIB II). Mittels Touchscreen – in den Topmodellen sogar mit Annäherungssensorik – lassen sich die diversen Funktionen schnell und zumeist selbsterklärend benutzen und lenken damit den Fahrer nicht von seiner eigentlichen Beschäftigung, dem Fahren, ab.

Mittels Car-Net Cam Connect (in Verbindung mit einer GoPro-Kamera), kann der Fahrer über den Monitor des Infotainment-System des Wagens, die Geschehnisse auf den hinteren Reihen mitverfolgen und gegebenen Falls einschreiten. Damit neben Bild auch Ton vorhanden ist, werden über eine elektronische Sprachverstärkung die Geräusche über den Lautsprecher ausgegeben. Sollte man mal Kommandos nach hinten verschicken, ist dies nun auch möglich.

Frisches Klima

Neu und optional erhältlich ist eine Drei-Zonen-Klimaautomatik mit dem Namen Pure Air Climatronic, bei der eine neue Filtertechnologie zum Einsatz kommt. Ein Luftgütesensor mit Aktiv-Biogen-Filter sorgt dafür, dass die Luftqualität auf konstant hohem Niveau bleibt und verhindert gleichzeitig das Eindringen von Schadstoffen wie Pilzsporen oder Allergenen.

Safety first

Und da die Familie auch sicher von A nach B transportiert werden soll, bietet der neue Touran serienmäßig eine Vielzahl an Sicherheitssystemen. So bekommt man beim Neuen nicht nur ein Unfallschutzsystem, das, bei drohendem Crash, Fenster und Schiebedach schließt sowie die Gurte enger schnallt, auch einen Bremsassistent, Traktionskontrolle, Reifendruck-Kontrolle und eine Multikollisionsbremse. Andere Assistenzsysteme wie Abstandsradar, Spur- und Ausparkassistent oder Spurhaltefunktion sind gegen Aufpreis erhältlich.

Motoren

Die Motoren wurden um fünf bis dreizehn PS stärker – trotzdem konnte man den Verbrauch um durchschnittlich 19 Prozent senken. Grund dafür ist auch, dass man insgesamt – durch leichtere Motoren, Ausstattung und Karosserie – 62 Kilogramm am Fahrzeug einsparen konnte. Zum Start im Oktober werden je zwei Benziner (1.2 TSI und 1.4 TSI) und zwei Diesel (1.6 TDI und 2.0 TDI) mit jeweils 110- und 150 PS erhältlich sein. Ab November sollen dann auch die Top-Modelle (1.8 TSI und 2.0 TDI) mit 180 bzw 190 PS auf den Markt kommen.

Die Vernunft siegt

Der Touran konnte im Test vollends überzeugen. Er tut, was er tun muss – praktisch sein. Und das sogar recht schlau. Es wird einem viel abgenommen, man hat hier mitgedacht. Auch die erhältlichen Extras haben ihre Berechtigung. Ob man nun ein 1,4 Quadratmeter Glasdach, das damit das größte in diesem Fahrzeugsegment darstellt, braucht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Trotzdem: Der Touran ist ein vernünftiges Auto.

Aber: Auch diesmal kostet der Volkswagen ein wenig mehr als seine Mitbewerber. Trotzdem ist man im Konzern stolz darauf, obwohl eine Aufwertung des Fahrzeugs erzielt wurde, den Preis auf dem Niveau des Vorgängers zu halten. Den – bereits bestellbaren – Einstiegs-Benziner (1.2 TSI 81 kW/ 110 PS, Trendline) bekommt man in Österreich ab 25.590,- Euro.

Einen Wehmutstropfen gibt es dennoch: Leider gibt es den Touran nicht mit Vierradantrieb. Grund dafür ist die flache Bauweise des Fahrzeugs, die dies unmöglich macht. Volkswagen bieten diesen aber weiterhin im Sharan oder Caddy an.