Warum der Nissan Leaf in jede Fahrschule gehört

Chill out!

Wie überall im Leben lassen sich Fakten leichter lernen als Gepflogenheiten. Auf 4 plus 4 wird schnell geachtet, die höfliche Frage nach der Lösung ist da schon schwerer zu behirnen, weil es dafür keine Formel gibt. Bleiben Sie noch ein wenig bei mir, dann erkläre ich Ihnen, warum Elektroautos zum Taktstock der automobilen Höflichkeit werden.

Text: Rainer Behounek

Elektromobilitäts-Mythos Nummer 49: Wenn ich mit einem E-Häusl fahre, weiß ich nie, wann ich das nächste Mal laden kann. Und wenn ich zuhause nicht laden kann, ist sowieso alles aus.

Schwachsinn. Wir fahren unseren Nissan Leaf jetzt schon zwei Monate und währenddessen wurde er erst einmal zuhause geladen. Ob Sie es glauben oder nicht, das Ladenetz ist mittlerweile gut ausgebaut (also in Wien, wir bitten um Erfahrungswerte aus anderen Ballungszentren): Supermärkte, Freizeitzentren, Tiefgaragen, Raststationen – wer will und sich auf die neue Art des Betankens einlässt, fährt den Leaf wie ein normales Auto. Wir Österreicher sind so verwöhnt von unserem mehr als üppig ausgebauten Tankstellennetz, dass die neue Art des Tankens erlernt werden muss.

Nicht nur das Tankverhalten ändert sich mit einem Elektrofahrzeug, die Sicht auf den Verkehrsfluss wird umgekrempelt. Autos, die einen überholen, lässt man rein, weil das oberlehrerhafte Vorpreschen unnötig Energie verbraucht und Reichweite kostet. Pubertäre Ampelstarts lässt man aus den selben Gründen bleiben. Es wird vorausschauend gebremst, vernünftig beschleunigt und auf die anderen Verkehrsteilnehmer geachtet. Und wenn sich einer verhält wie ein Vollpfosten, dann ist mir das wurscht, weil ich an das größere Ganze denke. Alles Dinge, die man selber lernen muss

Genau darum sollte ein Elektroauto in jede Fahrschule, weil es etwas lehrt, das jede Autofahrt für alle Beteiligten viel entspannter macht: respektvolles Miteinander. So wie Bitte und Danke und im Restaurant nicht in der Nase popeln muss nämlich auch das gelernt werden.