• Wintereinbruch? Wie jetzt?

    Über unerwarteten Winter im Februar und die Wirkung der Witterung auf das Gemüt von Verkehrsteilnehmern.

    von Franz J. Sauer

Es ist Montag morgen. Es hat geschneit. Wie dereinst bei den Petzens im Bärental, als der kleine Pezi ein verzücktes „Großvati, es hat geschneiiit“ aus dem Fernseher kreischte. Seit Samstag wurde derlei im Rundfunk angekündigt, sogar meine Versicherung hat mir schon ein Warn-SMS geschickt, von wegen Unwetterwarnung Rot, es kommt ganz dicke heute, Schnee nämlich plus Wind, also einmal scharf mit alles. Aber klar: von sowas lässt sich die heimatliche Räumbehörde namens Emma, 48, kaum aus der Ruhe bringen. Verräumt die Pflüge, ja, jene mit den lustigen Sprüchen auf den Schaufeln, ins hinterste Eck der Lastautogarage. Vielleicht sind ja auch ein paar der schnell aufgepinselten Witzleins noch nicht ganz trocken, man weiß es nicht. Auf die Straßen verirrt sich der erste Pflug mit eindeutigem Auftrag jedenfalls gegen 12 Uhr Mittag. Zwar diesfalls in die Outskirts auf den Maurer Berg. Andererseits: diesen Berg, gar nicht mal einer der unsteilen, befahren Busse. Die dann irgendwann mal zwischen Wächte und Matsch-Schicht stecken bleiben. Nicht nur einer, gleich alle drei. Und dann steht alles. Bis auf den armen Postler-VW-Bus, der gern würde, aber nicht kann, weil das Bergerl sich nun schon recht eisig präsentiert, was sein ABS mit verzweifeltem Stuckern kommentiert.

Ab 13h dann: die Stimme des Rathauses. Kurzparkzonen-kältefrei. Immerhin. Aber parken tut heute eh keiner mehr am Straßenrand, wo doch alle hartnäckig in den Fahrspuren stehen. Räumfahrzeuge? Ja eh auch. Vereinzelt. Und nicht zwingend wirkungsvoll

Das rutschende Volk

Es ist vier Uhr nachmittags. Die Verkehrslawine rodelt gemächlich über die Tangente, knapp Hälfte des erlaubten Tempo-limits, es geht also eh was weiter. Ich werde meinen Termin in der Stadt um halb sechs erreichen, so der Verkehrsfluss auf der Stadteinfahrt weiterhin flüssig bleibt. Oder aber es beginnt zu schneien, nocheinmal. Sofort schleift sich der typische Wiener Autofahrer ein, als wäre ihm ein Elch vor den Kühler gehirscht. Vollbremsungen finden statt, erste Auffahrunfälle passieren, die aus dem Verkehrsfunk bekannten „Schaulustigen“ reissen an den Zügeln ihrer Vehikel. Mit einem Mal steht alles. Stau. Unfall. Blaulicht. Nix geht mehr, obwohl sich an den Verhältnissen auf der Straße direkt eigentlich gar nicht so viel verändert hat. Bloß dass es halt jetzt auch von oben nass kommt. Und wegen dem Wind auch ein bisserl von der Seite.

Die einzigen die übrigens vollentspannt bleiben und ihre Habits den geänderten Fahrbahnbedingungen (inklusive längeren Bremswegen und so) null anpassen, sind Fußgänger. Sie starten nach wie vor eineinhalb Meter bevor du sie erreichst, vom Gehsteig, die feste Überzeugung, der Autofahrer wird stehenbleiben, weil er eh muß, inhaliert. Das sind dann jene Bewohner des Leichenschauhauses, die am Zecherl einen Zettel mit der Aufschrift „Ich hatte Vorrang!“ hängen haben.

Ist ein bisschen Großstadt-Schnee mit der Glatteishölle am Polarkreis zu vergleichen? Oder beißt das Nasse-Schnee-Fahrbahn-Monster einem gar den Frontspoiler weg, wenn man mit mehr als gefühlten 3,5 km/h über es hinwegrollt?

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