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Abarth 695 70° Anniversario: Ein lautes Happy Birthday

Abarth. Eine Marke, mit viel Geschichte, mit glorreicher Geschichte, mit exakt 70-jähriger Geschichte. Mit Geschichte, die es bei den Abarth Days 2019 in Mailand zu feiern und erfahren galt – im wahrsten Sinne des Wortes.

Text: Maximilian Barcelli

Mehr als zehn Jahre ist es schon wieder her, dass Abarth aus dem langen Winterschlaf geweckt wurde. Die Markenauferstehung schlug ein, laut und gewaltig. Das beweisen die Abarth Days: Über 5.000 Fans reisten mit mehr als 3.000 Fahrzeugen aus allen Teilen der Erde (oder zumindest Europas) an. Ukrainische, spanische, britische Abarth-Clubs (insgesamt gibt es 77), sie alle zollten der Marke Respekt – und die beschenkte die Abarthisti wiederum mit einem neuen Sondermodell des Cinquecentos. Wobei beschenkte nicht wortwörtlich zu nehmen ist, mindestens 37.490 Euro werden für den Abarth 695 70° Anniversario fällig. Motorblock machte sich nach Mailand auf, um dem Sondermodell, von dem 1949 Stück produziert werden, auf den Grund zu gehen. Zumindest ein paar Minuten lang.

Die waren dafür umso intensiver, weil sie auf einer provisorisch eingerichteten Rennstrecke verbracht wurden. Aber zuerst: Was hat der Abarth 695 70° Anniversario, was andere 595er nicht haben? Der Motor jedenfalls ist gleich. Auch im Geburtstags-Sondermodell werkelt das 1,4-Liter-Vierzylinder-Turbotriebwerk. Wahlweise ist dieses an einer gemächlichen und so gar nicht zum Wesen des Autos passenden Automatik oder einem feinen 5-Gang-Getriebe gekoppelt, das die 180 PS auf die Vorderachse überträgt. Gefühlt war diese übrigens etwas weniger mit der Leistung überfordert, als im zuletzt von uns getesteten 695 Rivale.

Nein, das ist nicht das Sondermodell. Schade, eigentlich …

Neu hingegen ist die Monza 1958-Lackierung, die an den ersten 500 Abarth erinnern soll, der mit sechs internationalen Rekorden in Monza in die Geschichtsbücher einging. Und, wirklich schwer zu übersehen; auch ein Heckspoiler (oder eigentlich Dachspoiler) ziert nun den Hintern des bösen Cinquecentos. Der lässt sich manuell zwölfstufig verstellen, im extremsten Winkel erzeugt er bei Tempo 200 zusätzlich 42 Kilogramm mehr Abtrieb.

Es wäre gelogen, wenn wir sagen würden, wir hätten das bemerkt. War aber auch kaum möglich. Der Track war eng und kurvenreich, viel mehr als 140 km/h erreichte man ohnehin nicht. Und auch wenn wir nicht an den 42 Kilogramm Abtrieb zweifeln, so hat der Spoiler doch mehr eine optische Funktion.

Stillgestanden!

Die Sitze von Sabelt im Innenraum sind zwar auch fesch, bieten darüber hinaus aber Seitenhalt, ohne gar zu eng zu sein. Viel Zeit, um sich dem Interieur zu widmen, bleibt jedoch nicht. Wie in jedem 500er sitzt man halt recht seltsam da, ein bisserl zu aufrecht, das Lenkrad lässt sich nicht längsverstellen, mit Ergonomie hat das allgemein wenig zu tun. Das Infotainment spielt alle Stücke, die man sich von einem Infotainment in der Kleinstwagenklasse erwarten würde – also nicht gerade Mozart, Bohlen aber auch nicht. Eine Plakette weist auf den Sonderstatus dieses 695 hin. (Wobei jeder 695 einen Sonderstatus inne hat, anders wären es ja keine 695, sondern 595)

Der Abarth 695 70° Anniversario am provisorischen Track.

Wir zünden den Motor und mit ihm das Soundfeuerwerk, das wir von Abarths gewohnt sind. Die 180 Pferdchen ziehen den 695 70° Anniversario fein Richtung erster Schikane. Nach 6,7 Sekunden Vollgas steht Tempo 100 an. Verglichen mit vielen neuen zwangsbeatmeten Motoren hat der 1,4-Liter-Murl noch eine richtig schön unlineare Kraftentfaltung, also einen echt heftigen Turbopunch. Viele Puristen weinen den immer weniger werdenden Saugmotoren nach. Eh verständlich, aber so ein extremer Turbopunch hat auch seinen Reiz. Besonders, wenn er mit einem derart rotzigen Sound einhergeht, der auch den seriösen Vorstandsvorsitzenden zum verspielten Kind macht.

Meine Güte, bisserl was über den witzigen Vierender geschrieben, schon ist die Schikane da. Gut, dass die Italiener ihrem Sondermodell Brembo-Bremsen mit auf den Weg geben. Die beißen kräftig zu, sind gut dosierbar, bei harter Verzögerung bleibt der 695 70° Anniversario trotz des kurzen Radstandes überraschend stabil – dem Fahrwerk sei Dank. Dieses macht sich auch in der Kurve bezahlt. Während Motor, Sound, Bremsen und Fahrwerk auf Krawall gebürstet sind, fehlt uns ein bisserl Schärfe bei der Lenkung. Zusammen mit der klassischen Fiat 500-Sitzposition ein Negativum, über das man hinwegsehen kann. Oder hinweghören; aus der Auspuffanlage tönt es echt jenseits von Gut und Böse. 

Maximilian Barcelli

Bei 7.000 Touren beginnt der Spaß für den mehr begeisterten denn begnadeten Autofahrer.

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