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Jaguar F-Type 400 Sport: Wildkatze 2.0

Wildkatze 2.0

Der Jaguar F-Type 400 Sport pirscht sich an

Jeder Tunnel ist ein Traum in diesem Auto, erst recht, wenn man im Cabrio mit offenem Verdeck sitzt. Denn so blau der Himmel auch strahlen mag, gibt es im Jaguar F-Type nichts schöneres, als wenn der Sound von Wänden und Decke zurückhallt und eine kilometerlange Röhre zu einem einzigen, überdimensionalen Resonanzkörper wird. Dann kann einem selbst die Sonne gestohlen bleiben.

Von Thomas Geiger

Von ein paar blutleeren Vierzylinder-Modellen einmal abgesehen, gilt das zwar für die allermeisten Sportwagen. Doch kaum ein Flachmann diesseits von Ferrari & Co ist buchstäblich so vorlaut wie der eilige Engländer, der sich damit auf der Überholspur ein ordentliches Mitspracherecht erkämpft hat. Denn knapp fünf Jahre nach dem Start hat der F-Type die schlechten Erinnerungen an den seniorenfreundlichen XK getilgt und stattdessen die guten an den legendären E-Type geweckt. So hat sich der Zweisitzer als würdiger Konkurrent für Porsche & Co etabliert.
Diesen Erfolg schlachten die Briten weidlich aus – und fächern die Modellpalette deshalb beinahe weiter auf, als es Porsche mit dem 911 macht. Gut zwei Dutzend Varianten haben sie mittlerweile im Programm und wenn in diesen Tagen zu Preisen ab 66.200 Euro für das Coupé und 73.200 Euro für das Cabrio das jüngste Update des Zweisitzers in den Handel kommt, gibt es nicht nur LED-Scheinwerfer und das neue Infotainment-System TouchPro serienmäßig für alle Modelle. Sondern dann wird die Palette um eine weitere Serie erweitert: F-Type 400 Sport heißt der Neuzugang, der die Lücke zwischen den bisherigen Sechszylindern mit 340 oder 380 PS und dem V8 mit 550 oder 575 PS zumindest ein bisschen kleiner machen soll. Außerdem haben die Briten den Wagen mit breiteren Schwellern und dunkleren Spoilern ein bisschen auf Krawall gebürstet und bitten dafür entsprechend zur Kasse. Mit 99.350 Euro für das Coupé und 106.350 Euro für das Cabrio ist der 400er rund 12.000 Euro teurer als der sportlichste F-Type mit 380 PS.
Auch der neue Sportler, dessen Stellung in der Familienhierarchie man am besten mit dem 911 GTS vergleichen kann, fährt mit dem drei Liter großen Sechszylinder, ist aber von einem deutlich aggressiveren Wesen und lässt sich entsprechend engagierter bewegen – erst recht, wenn man ihn für knapp 6.000 Euro mehr mit Allrad bestellt, der Physik damit ein bisschen mehr Spielraum abringt und die maximal 460 Nm entsprechend zuverlässiger auf die Straße bringt. Von 0 auf 100 beschleunigt der Tiefflieger aus dem Königreich damit in 5,1 Sekunden und ihr Ende findet die Raserei erst bei 275 km/h.
Doch viel wichtiger als das Spurtvermögen ist der Spaß, den man mit diesem Auto in Kurven hat. Denn der Wagen krallt sich dank einer mechanischen Quersperre fast ohne Schlupf so fest in den Asphalt, dass man erschreckend spät bremsen muss, das Lenkrad erstaunlich schnell herumreißen und fürchterlich früh wieder aufs Gas steigen kann. In den neuen Performance-Sitzen näher an die Straße und etwas weiter nach hinten gerückt, fährt man mit dem Renner so wie im Rausch. Und wenn dann noch ein Tunnel kommt, dann ist das Glück perfekt. Dann zwingt man sich ein paar Sekunden zum Langsamfahren, lässt sich ein bisschen zurückfallen, nur um danach ein, zwei Gänge zurück zu schalten und um so stärker zu beschleunigen, bis der Schall den Staub von der Tunneldecke bläst. Dann fühlt man sich wie der Frontmann einer Heavy Metal-Combo, das Gaspedal wird zum Mischpult und die sechs Zylinder zur lautesten Band der Welt.
Auch wenn die Briten mit dem F-Type mittlerweile fast jedes Bedürfnis abdecken, haben sie ihr Pulver noch nicht ganz verschossen. Sondern im Herbst bringen sie noch eine Spielart an den Start und bieten den Sportwagen für Sparer zu Preisen ab 57.200 Euro auch mit einem Vierzylinder an. Weil der 2,0 Liter-Motor immerhin 300 PS leistet und mit 400 Nm zu Werke geht, wird es dabei an Spaß nicht mangeln. Immerhin beschleunigt er in 5,7 Sekunden von 0 auf 100 und qualifiziert sich mit einer Spitze von 249 km/h allemal für die die linke Spur. Doch selbst wenn die Ingenieure reichlich Soundtuning versprechen, wird er ganz sicher nicht so leidenschaftlich klingen wie der 400 Sport. Aber vielleicht ist das gar kein Schaden. Denn dann kann man hin und wieder wenigstens mal raus aus dem Tunnel und die Sonne genießen.

Jakob Stantejsky

Freut sich immer, wenn ein Auto ein bisserl anders ist. Lieber zu viel Pfeffer als geschmacklos.

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