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Geisterfahrer: Bill Gates‘ 25-Dollar-Auto

3 Min. Lesezeit

Symbolfoto: Spielzeugauto auf einer Computertastatur – Sinnbild für den Geisterfahrer-Witz über Bill Gates' Auto-Vergleich

WIENER-Kolumne aus 2001: Geisterfahrer

„Geisterfahrer“ ist die Kolumne, die Franz J. Sauer vor 25 Jahren im WIENER regelmäßig über Autos verfasste – gegen den Strich der üblichen Auto-Berichterstattung. Wenn man diese Kolumne aus der Ausgabe 6/2001 so liest, vermeint man sich in sowas wie der Steinzeit wiederzufinden. Dann aber wieder auch doch nicht – lesen Sie selbst.

Für eine Handvoll Dollar

In intelligenten Momenten gründet Bill Gates monopolverdächtige Firmen wie Microsoft. An anderen Tagen fantasiert er von Autos, die 25 Dollar kosten.

Auf der ComDex in Chicago – so enthüllten die Verfasser eines ausnahmsweise wirklich guten Webspams – verstieg sich Meister Gates dazu, den Fortschritt der Computerindustrie mit jenem der Autoindustrie zu vergleichen. Und ließ das Folgende wissen: „Wenn General Motors (GM) mit dem Fortschritt der Computertechnologie mitgehalten hätte, würden deren Autos heute 25 Dollar kosten und allerhöchstens einen Viertelliter Sprit auf 100 km verbrauchen.“

Solches wollte der Automobilgigant freilich nicht auf sich sitzen lassen. Anstatt aber, wie sonst üblich, Advokaten ins Feld zu schicken und mit juristischen Drohgebärden um sich zu schlagen, reagierte der Konzern ungewöhnlich gewitzt und ließ durch sein Pressebüro eine wahrlich gelungene Stellungnahme veröffentlichen: „Wenn GM-Produkte so funktionieren würden wie MS-Betriebssysteme, hätten sie ungefähr diese ungewöhnlichen Eigenschaften vorzuweisen:

01. Ihr Auto würde ohne erkennbaren Grund zweimal pro Tag verunglücken.
02. Ebenso augenscheinlich grundlos würde Ihr Fahrzeug auf der Autobahn plötzlich absterben. Sie würden dies allerdings wortlos zur Kenntnis nehmen, neu starten und einfach weiterfahren.
03. Manchmal würde es sich auch gar nicht mehr starten lassen. In diesem Fall müsste der Motor neu installiert werden.
04. Man könnte nur alleine in seinem Auto sitzen, es sei denn, man erweitert es um „Car95″ oder „CarNT“. In diesem Fall müsste allerdings jeder Sitz einzeln bezahlt werden.
05. Macintosh würde Autos herstellen, die mit Sonnenenergie fahren, zuverlässig laufen, fünfmal so schnell und zweimal so leicht zu bedienen sind. Einzig: sie würden nur auf 5 % der Straßen Verwendung finden.
06. Die Öl-Kontrollleuchte und die Warnlampen für Temperatur und Batterie würden durch eine „Genereller Auto-Fehler -Warnlampe ersetzt.
07. Das Airbag-System würde fragen „Sind sie sicher?“, bevor es auslöst.
08. Außerdem müsste man, um den Motor auszuschalten, den „Start -Knopf drücken.

Nicht wirklich ein Auto-Genuss, wie wir ihn kennen. Aber für 25 Dollar das Stück wäre die Formel Gates eigentlich schon eine Überlegung wert

 

Symbolfoto: Spielzeugauto auf einer Computertastatur – Sinnbild für den Geisterfahrer-Witz über Bill Gates' Auto-Vergleich
Symbolfoto: Spielzeugauto auf einer Computertastatur. Foto: Bedirhan Gül / Unsplash

Warum der Witz noch zieht

Ob GM diese Presseaussendung je tatsächlich so verschickt hat, lässt sich im Nachhinein nicht mehr zweifelsfrei klären – die Geschichte kursiert seit den frühen 1990er-Jahren in immer neuen Fassungen im Netz, lange bevor Bill Gates‘ angebliches Zitat überhaupt in Umlauf kam. Belegt oder nicht: Der Kern des Witzes hat sich gehalten. Heute bekommen Autos tatsächlich Software-Updates over the air, und ein Steuergerät, das sich aufhängt, ist längst keine Seltenheit mehr. Der Unterschied zu Gates‘ Rechnung: 25 Dollar kostet davon nichts.

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