Die Geschichte der S-Klasse von Lady Diana

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Auf den Punkt: Das Unfallfahrzeug von Lady Diana war ein Mercedes-Benz S280 der Baureihe W140, ein ungepanzerter Standard-Mietwagen des Hotels Ritz. Um den Wagen ranken sich bis heute Legenden, von einer angeblich gestohlenen und wieder aufgebauten Vorgeschichte bis zum Verbleib des Wracks. Wir trennen das Gesicherte vom Kolportierten und erklären, warum ausgerechnet dieser W140 als das aufwendigste Auto seiner Zeit galt.

Welches Auto fuhr Lady Diana?

Es war ein Mercedes-Benz S280, das Einstiegsmodell der S-Klasse-Baureihe W140, mit französischem Kennzeichen 688 LTV 75. Der Wagen gehörte nicht Diana oder dem Ritz, sondern der Pariser Vermietfirma Étoile Limousines von Jean-François Musa, die ihn dem Hotel als Pool-Fahrzeug stellte. Ein Detail entkräftet bis heute viele Verschwörungstheorien: Es war nicht das einzige Auto des Abends. Vom Apartment zum Ritz fuhr das Paar in einem S600, erst für die Weiterfahrt holte man den S280 aus der Tiefgarage. Ein gewöhnlicher Mietwagen also, kein präpariertes Sonderfahrzeug.

Die ungeklärte Vorgeschichte des Wagens

Hier beginnt der Teil, den man mit Vorsicht erzählen muss. Der französische Journalist Pascal Rostain und eine TV-Dokumentation von 2017 berichten, der spätere Unfallwagen sei schon vorher gestohlen, bei der Flucht vor der Polizei mit hohem Tempo mehrfach überschlagen, als Totalschaden abgeschrieben und danach von einem Mechaniker wieder aufgebaut worden, bevor er an Étoile Limousines ging. Ein Ritz-Fahrer soll den Wagen als unzuverlässig empfunden und geraten haben, ihn loszuwerden. Wichtig dabei: Diese Vorgeschichte stammt aus journalistischer Recherche, nicht aus den amtlichen Untersuchungen. Versicherungs- oder Polizeiakten, die sie belegen, sind nicht öffentlich, und die offizielle britische Untersuchung Operation Paget führt keinen Vorschaden als Unfallursache. Als gesicherter Fakt sollte die Geschichte deshalb nicht durchgehen, spannend ist sie trotzdem.

Was geschah in der Unfallnacht?

Gesichert ist der Ablauf der Nacht auf den 31. August 1997. Gegen 00:23 Uhr raste der S280 in den Pont-de-l’Alma-Tunnel, am Steuer der Ritz-Sicherheitschef Henri Paul. Die spätere Untersuchung ergab: Paul war massiv alkoholisiert, rund 1,75 Promille und damit etwa das Dreifache des französischen Grenzwerts, und fuhr mit geschätzt 105 km/h mehr als doppelt so schnell wie erlaubt. Dodi Al-Fayed und Henri Paul waren sofort tot, Diana und Bodyguard Trevor Rees-Jones überlebten den Aufprall zunächst schwer verletzt. Diana starb wenige Stunden später im Krankenhaus. Niemand im Wagen war angeschnallt. Ermittler schätzten später, dass Diana mit Gurt eine Überlebenschance von rund 80 Prozent gehabt hätte.

Warum galt der W140 als das aufwendigste Auto seiner Zeit?

Für Motorblock ist gerade dieser Punkt bemerkenswert. Der W140, gebaut von 1991 bis 1998, war das kompromisslose Flaggschiff von Mercedes, für viele bis heute der letzte ohne Rücksicht auf Kosten konstruierte Mercedes. Die Entwicklung verschlang über acht Jahre und mehr als eine Milliarde Dollar, deutlich mehr als geplant. Eine Anekdote bringt den Geist des Projekts auf den Punkt: Weil hochgewachsene Vorstände über zu wenig Kopffreiheit klagten, hob man kurzerhand das ganze Dach um rund zwei Zentimeter an. Dazu kamen Doppelverglasung für die Stille im Innenraum, Zuziehhilfen für Türen und Kofferraum, automatisch schließende Fenster und ausfahrbare Peilstäbe am Heck zum Einparken. Der Wagen war massiv, sehr schwer und galt als extrem solide. Die bittere Ironie: Ausgerechnet dieses Bollwerk an Ingenieurskunst konnte nichts mehr ausrichten, als die simpelsten Faktoren zusammenkamen, Tempo, Alkohol und ein fehlender Gurt.

Wo ist das Auto heute?

Das oft kolportierte Verschrotten fand nie statt. Der Wagen kam zur Untersuchung nach London, später zurück nach Frankreich und lagerte 2017 in einem Asservaten-Depot bei Paris. Eigentümer Musa fordert ihn seit Jahren zurück, erklärtes Ziel ist ein Museum. Ein verlässliches Update, dass das Wrack inzwischen verschrottet, verkauft oder ausgestellt wäre, gibt es nicht, der Verbleib gilt öffentlich als ungeklärt. Geschätzt wird der makabre Sammlerwert auf zweistellige Millionenbeträge, belegt ist das nicht. Die rund 6.000 Seiten starke französische Ermittlungsakte bleibt nach Archivrecht übrigens bis 2082 unter Verschluss.

Motorblock-Fazit

Hinter dem wohl meistdiskutierten Unfallwagen der Geschichte steckt mehr als die Tragödie jener Nacht: ein gewöhnlicher Mietwagen, eine nie sauber belegte Vorgeschichte und ein Auto, das als technisches Meisterstück seiner Zeit galt. Der W140 war das Sicherste und Solideste, was Mercedes damals bauen konnte. Dass er trotzdem nicht helfen konnte, ist die eigentliche Lehre dieser Nacht: Gegen Tempo, Alkohol und einen offenen Gurt ist auch das beste Auto machtlos.

TEXT: Tizian Ballweber. Faktencheck und Aktualisierung: Motorblock-Redaktion 2026. Quellen: Operation Paget, etablierte Medienberichte, Mercedes-Geschichte. Die Vorgeschichte des Fahrzeugs beruht auf journalistischen Recherchen und ist amtlich nicht bestätigt.

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