Mit dem N°8 hat die Marke DS wieder an jene Zeiten Anschluß gefunden, in denen amtliche Staatskarossen nicht nur aus Deutschland kamen. Und die Techno-Eigenwilligkeiten der großen Namensgeberin materialisieren hier in den üblichen Stellantis-Bedienbarkeits-Wehwehchen. Ein erfrischendes Design-Statement mit durchaus spannenden Details innen wie außen. Und ab überschaubaren 58.000 Euro wohlfeil.
Das Wichtigste in Kürze
- DS N°8: elektrisches SUV-Coupé auf STLA-Medium-Plattform, 4,82 Meter lang, cW 0,24
- Drei Leistungsstufen: 230 PS, 245 PS und 350 PS (Allrad), jeweils laut Hersteller
- Reichweite laut WLTP bis zu 750 Kilometer (Long Range, Frontantrieb)
- Österreich: Listenpreis ab 58.000 Euro inkl. MwSt., Allrad-Topmodell ab 75.200 Euro
Der DS N°8 trägt sein Sonderzeichen mit der Selbstverständlichkeit eines Parfüms, das man sich im Geschäft lieber nicht laut zu bestellen traut. Gemeint ist allerdings ein Elektroauto. Rund 4,82 Meter lang, mit hoher Gürtellinie, flachem Dach und jener Portion französischen Selbstbewusstseins, die aus einer Fahrt zum Supermarkt eine gesellschaftliche Verpflichtung machen kann. Immer wieder liegt einem der Markenname Citroen auf den Lippen. Weil halt die rechtmäßigen Vorfahren in der Ahnengalerie des DS N°8 unter dem nach oben gerichteten Doppelpfeil erschienen. Think Citroen DS, think Citroen CX, vielleicht ein bissl auch XM, auf jeden Fall C6. Tempi passati, zum Leidwesen jedes automobilen Design-Fetischisten. Nichtmal auf den Gebrauchtwagen-Börsen wird man mehr fündig, auf der Suche nach diesen automobilen Schmuckstückchens. Ist der große DS hier also die geeignete Ersatzdroge für uns frankophile Luxusauto-Hedonisten?
Was ist der DS N°8 eigentlich?
Formal heißt ein Auto wie dieses SUV-Coupé. Und letzerer Namensbeisatz bezieht sich vor allem darauf, dass es einem als großgewachsenen Einsteiger mit altersbedingter Halswirbelsteife die Frisur zerzaust, oder aber die Kappe vom Kopf wischt, beim Einsteigen. Dennoch und tatsächlich wirkt der N°8 eher wie ein großer Reisewagen, der sich von den üblichen Schubladen nichts sagen lassen möchte. Unter dem sorgfältig gebügelten Blech steckt die STLA-Medium-Plattform des Stellantis-Konzerns. Die technische Verwandtschaft ist also weitläufig, die Garderobe eine eigene. Und keineswegs bloß Dekoration: Der Luftwiderstandsbeiwert beträgt 0,24. Gute Manieren gegenüber dem Fahrtwind zahlen sich elektrisch besonders aus. Oder aber: sollten das tun. Puncto Stromverbrauch merkt man davon nämlich vor allem dann, wenn man höhere Geschwindigkeiten in den Wind stellt, eher wenig.

Eine regelrechte Wand hinterwärts, die aber per Heckklappe behende hochschwingt und viel Platz frei macht. Wie weit kommt er, wie schnell ist er?
Das interessanteste Angebot für Menschen mit Fernweh dürfte der Fronttriebler Long Range sein: 245 PS, kurzzeitig 280 PS im Boost, dazu eine Batterie mit 97,2 kWh nutzbarem Energieinhalt. DS nennt bis zu 750 Kilometer WLTP-Reichweite. Das ist freilich ein Normwert, aber leider absolut kein schriftliches Versprechen für einen kalten Autobahntag. Während einem der Schummelbär bei der Abfahrt in Wien noch vollmundig die volle Distanz ans Meer (512 km) als vorrätig verspricht, steht man bereits in Gralla zum ersten Mal an der Tränke, wo die Elektrönchens mit gerade mal 60 kw in den, hm, Tank tröpfeln. Aber auch ab da geht sichs, hält man sich stets ans Tempolimit, noch nicht zur Gänze aus bis ans Meer, beim IONITY-Lader kurz vor der Küste wird dann doch mit knapp 150 kw gesaugt. Dennoch: Weniger Ladehalte wären eine durchaus überzeugende Form von Luxus. Insgesamt sind knapp 22 kw/h Durchschnittsverbrauch kein Ruhmesblatt für einen wohl schweren und großen, aber doch modernen Wagen bei immer noch legalem Autobahntempo.
Wer Leistung lieber auch an der Hinterachse weiß, bekommt den Allradler mit 350 PS und kurzzeitig 375 PS. Für null auf hundert reichen 5,4 Sekunden. Der große Fronttriebler benötigt 7,8 Sekunden, was für ein Auto mit ausgeprägtem Salonbewusstsein kein persönliches Versagen darstellt. Bei 190 km/h ist jeweils Schluss, aber so schnell will ja sowieso niemand mehr fahren, heutzutage. Den Einstieg besorgt übrigens eine Variante mit 230 PS, 74-kWh-Akku und bis zu 572 Normkilometern als Herstellerangabe.
Wie schnell lädt der DS N°8?
Maximal 160 kW Gleichstrom sind ordentlich, aber keine technische Sensation. Für die große Batterie nennt der Hersteller 27 Minuten von 20 auf 80 Prozent, was auch ungefähr hinkommt. Mit den häufig zitierten Zehn-bis-achtzig-Zeiten anderer Autos lässt sich dieser Wert nicht unmittelbar vergleichen. Eine Wärmepumpe gehört dazu; die Batterie lässt sich für den Ladestopp vorkonditionieren, allerdings nur manuell und viel Unterschied im Lade-Ansprechverhalten hat man hier auch nicht bemerkt.
Und nun zur Optik
Und damit zum wesentlichsten Asset, das der DS N°8 zu bieten hat. Gerade in Zeiten des SUV-Einheitsbrei mit den allgegenwärtigen, durchgehenden Leuchtenbändern trifft man hier auf ein Designkonzept, das sich erfrischend absetzt, ohne dabei mit Effekten zu haschen. Das ganze Auto ist toll gezeichnet, die massive Front wird gut kaschiert, die Dachlinie sorgt mit einem raffiniert platzierten Knick für Spannung. Hinterwärts fährt schließlich erneut eine ziemlich massive Wand auf, die mitsamt der Kofferraumklappe allerdings brav aufschwingt. Die Zeiten, als französischer Luxus sich über ultraflache Bug- und Heckzeichnungen definierte, sind jedenfalls endgültig vorbei.
Unter der riesigen Heckklappe herrscht tatsächlich viel Platz vor, ebenso wie grundsätzlich im Innenraum, sieht man vom engen Einstieg ab. Drinnen wird das Pflichtenheft bei DS generell zum Einrichtungskonzept. Ein 16-Zoll-Bildschirm trifft auf ein X-förmiges Lenkrad, dessen Anblick im Stand eine gewisse geistige Beweglichkeit verlangt, sich aber dann im Gebrauch wundervoll anfühlt. Je nach Ausstattung gibt es Nappaleder mit Armbandmuster, Massagefunktionen von Katzenpfoten bis Streckbank und einen Nackenwärmer für die vorderen Plätze. Ein warmer Luftzug am Kragen: Endlich eine automobile Zusatzfunktion, deren Sinn man ohne Präsentation versteht. Beim Soundkonzept kehrte man zur guten, alten Zentralbox zurück, die den Klang der Musik sowiewo per 3D-Surroundsound durch den Innenraum wabern lässt und das durchaus brauchbar. Bloß etwas mehr Bass-Punch würden wir uns vom Subwoofer wünschen. Design-Sperenzchen, allesamt hintergrundbeleuchtet, werden in Vielzahl gereicht, alles fühlt sich satt und wertig an, bloß noch die guten, alten Flauschteppiche aus dem wundervollen Citroen SM (mit Maserati-Motor!) der frühen Siebzigerjahre fehlen hier noch zum Komplettgenuß.
Auch die Ausstattung ist wirklich üppig, aber leider mit den Stellantis-üblichen Bedienschwächen übersät. Wenn man den Taster, der einen zur Deaktivierung des nervigen und leider vollversammelten EU-Assistenz-Kehrrichts führt, bisweilen fünfzehnmal (in Zahlen: 15!) drücken muss, bis er reagiert und dabei gut sichtbar die gesamte Tastenreihe fröhlich mitwippt, dann hat das mit Haptik, wie man sie sich im Luxussegment wünscht, wenig zu tun. Wenn dann der Irgendwas-Assistent nach kurzer Zeit ungerufen zurückkehrt, obwohl man ihn nachdrücklich auf Pause schickte, vermag das umso mehr zu nerven. Die Icons auf dem Touchscreen trifft man so gut wie nie, ohne sich mit der Tipphand irgendwo abzustützen, auch haben diesbezügliche Vorgänger hier mehr mit Zielschießen im Prater, denn mit alerter Bedienbarkeit zu tun. Geradzu rührend analog präsentiert sich die Höhenverstellung des Headup-Display, die sich einen Drehregler mit den Aussenspiegeln teilt, solche feinen Gimmicks würde ein DS zuhauf vertragen, finden wir. Und dass man das Bremspedal beim Anstarten oder Gänge-einlegen derart brachial in den Teppich treten muss, dass einem hernach das Schienbein wehtut, könnte man ebenfalls ein wenig akklimatisieren.
Beim Fahrwerk trumpft der sprichwörtlich französische Komfort hingegen auf, wie in den Heydays von DS, CX und Co. Satte Straßenlage, der Sportlichkeit zwar fremd, aber nicht unbekannt ist, weiß mit jeder Art von Unpässlichkeit souverän umzugehen. Das verfügbare DS Active Scan Suspension passt zum Anspruch. Eine Kamera erfasst die Straße vor dem Wagen; die elektronisch geregelten Dämpfer werden entsprechend angepasst. Keine wiederauferstandene Hydropneumatik, sondern die heutige Antwort auf eine alte französische Sehnsucht:
Die Straße möge stattfinden, aber bitte nicht allzu persönlich.


Was kostet der DS N°8 in Österreich?
Der Einstieg gelingt laut DS Österreich ab 58.000 Euro Listenpreis inklusive MwSt.. Das Topmodell mit Allrad steht bei 75.200 Euro. Eine, gemessen am heutigen Preisniveau vor allem in Deutschlant, überschaubare Preisrange für ein wirklich toll konfiguriertes und ebenso auftretendes SUV-Coupé. Die Details im Überblick:
| Variante | Leistung | Batterie (nutzbar) | Reichweite WLTP | Listenpreis (AT, inkl. MwSt.) |
|---|---|---|---|---|
| Pallas, Frontantrieb, Standard Range | 230 PS / 169 kW | 74 kWh | bis 572 km | ab 58.000 Euro |
| Pallas, Frontantrieb, Long Range | 245 PS / 180 kW | 97,2 kWh | bis 750 km | ab 63.400 Euro |
| Étoile, Frontantrieb, Standard Range | 230 PS / 169 kW | 74 kWh | bis 572 km | ab 65.200 Euro |
| Étoile, Frontantrieb, Long Range | 245 PS / 180 kW | 97,2 kWh | bis 750 km | ab 71.200 Euro |
| Étoile, Allrad, Long Range | 350 PS / 257 kW | 97,2 kWh | bis 688 km | ab 75.200 Euro |
Alle Werte laut Hersteller.
Motorblock-Fazit
Insgesamt bleibt dem DS N°8 Jules Verne ein angenehmer Nachgeschmack im Abgang. Man wähnt sich wohlangezogen mit diesem Automobil, überlegt sich doch tatsächlich, was man trägt, fährt man damit irgendwohin. Würde der große französische Wagen sich nun auch puncto Bedienbarkeit vom Großkonzern-Gefüge emanzipieren (mit Wehmut denken wir an einst verteufelte Extravaganzen wie Lupen-Tacho oder Blinker-Würste ohne automatische Rückstellung zurück), fände er sicherlich seine Fangemeinde unter Menschen, die das Besondere lieben. Nebenbei bemerkt ist die Marke DS wohl eine der meistunterschätzten im aktuellen Automobilangebot. Was man auch daran merkt, dass die Menschen am Straßenrand ziemlich den Kopf verrenken, wenn sie Deiner ansichtig werden.






