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Omoda 9 im Test: Süße Verpackung, kein Raumwunder

8 Min. Lesezeit

Omoda 9 Test: weißer SUV mit OMODA-Schriftzug am Kühlergrill

Omoda 9 im Test: Corina Konrad-Lustig hat den chinesischen Plug-in-Hybrid-SUV im Alltag gefahren und dabei mehr entdeckt als nur bunte Verpackung. Nicht der einzige Neuzugang aus Fernost auf dem heimischen Markt: Konkurrenz kommt etwa vom BYD Seal U DM-i oder vom Lynk & Co 07 GT.

Omoda 9 Test: weißer SUV mit OMODA-Schriftzug am Kühlergrill
Der Omoda 9 in der Stadt: gut sichtbarer Markenschriftzug am Kühlergrill. Foto: Motorblock

Jeder von uns hat schon mal eine Schachtel Pralinen, oder wie man bei uns sagt, Bonboniere in der Hand gehabt: Schön anzusehen, verheißungsvoll verpackt, freut man sich schon auf die Geschmacksexplosion auf der Zunge. So ging es mir auch bei der Übernahme des OMODA 9. Mal sehen, was der Plug-in Hybrid SUV des Fahrzeugherstellers Chery so kann.

Erste Runde: Ein stattlicher Auftritt

„Der OMODA 9 positioniert sich als elektrifiziertes Performance-SUV mit hoher Systemleistung, großzügiger Batteriearchitektur und serienmäßigem Allradantrieb.“ Soweit der Pressetext. Also dann.

Erwartungsvoll wird die erste Runde um das Auto gedreht. Mit einer Länge von 4,78 m und einer Breite von 1,92 m steht da schon ein stattlicher SUV, der sich punkto Abmessungen problemlos mit einem BMW X3, Mercedes GLC oder Volvo XC 60 matcht und hier noch immer ein paar Zentimeter mehr Breite an den Tag legt. Genau das ist es dann auch, was ihm Garagenplätze aus den 1970er Jahren verwehrt und ihn in unserem Fall auf einen Straßenstellplatz verweist.

Das optisch Äußere scheint gefällig. Hier hat man sich an den Ansprüchen der europäischen Käuferschaft orientiert. So nimmt man den Schlüssel erwartungsvoll in Empfang. „Aber Achtung, es gibt keinen Startknopf. Einfach einsteigen und losfahren und beim Abstellen P drücken und einfach aussteigen. Er macht alles selbsttätig.“ Ahja…kurz blitzen Erinnerungen an früher und die eigenen Kinder auf, die gerne „Auto“ gespielt haben. Alles im grünen Bereich, solang kein Schlüssel im Zündschloss war und die Handbremse derart fest angezogen, dass man selbst beide Hände zum Lösen benötigt hätte. Aber das war einmal. Heute macht alles die Technik. Hoffentlich. Immerhin schreibt er die Nachricht „Kindersicherung aktiviert“ aufs dominierende Display.

Omoda 9 in Dreiviertelansicht vor städtischer Kulisse
Mit 4,78 Metern Länge und 1,92 Metern Breite steht der Omoda 9 stattlich da. Foto: OMODA / Lukas Tobler

Der Kofferraum hält nicht, was er verspricht

Dann kommt der Moment des „Unwrappings“ unserer Pralinenschachtel, jener wo verzweifelt das Lascherl der Zellophanverpackung gesucht wird, um dann leicht ungeduldig selbige vom Karton zu reißen. In unserem Fall fahren die Griffe der Türöffner beim Annähern von allein aus und auch der Kofferraumdeckel öffnet sich elektrisch, was sonst. Der darauffolgende Blick ist in beiden Fälle ident: Leicht enttäuscht, dass in der riesigen Schachtel nur ein paar kleine Stückchen Schokolade Einzug gehalten haben, fragt man sich gleichermaßen, wie in diesem Kofferraum Gepäck für einen Familienurlaub (geschweige denn ein größerer Einkauf) untergebracht werden soll? Zwar gibt der Hersteller die Kapazität mit 470 Litern an, was wir an dieser Stelle dennoch bezweifeln, wenn unter der Abdeckung bereits eine Tennistasche in der Höhe streift. Unterhalb des Bodens befindet sich ein kleiner Stauraum für das Ladekabel, der so eine flache Ladekante begünstigt.

Eng wird’s im Innenraum

Das Innenraumangebot ist ebenfalls nicht das, was man von der großen Verpackung verheißungsvoll versprochen bekommen hat. Die hintere Sitzreihe verfügt zwar über ausreichend Komfort durch die gerade Sitzbank, jedoch ist der Kniewinkel relativ spitz und auch die Kopffreiheit bei großen Personen eingeschränkt. Selbiges gilt auch, oder, vor allem für vorne. Das Cockpit mit der relativ hoch gebauten, durchgehenden Mittelkonsole versprüht ein wenig F1-Vibes. Man fühlt sich rundherum umschlossen. Stattlichere, größer gewachsene Fahrer könnten an dieser Stelle trotz zahlreicher elektronischer Sitzverstellmöglichkeiten ebenfalls ihre Platzprobleme bekommen. Da dürften die asiatischen Größenverhältnisse als Vorbild genommen worden sein, laut dem Importeur wird aber bereits für die nächste Tranche, die nach Europa findet, größenmäßig nachjustiert.

Cockpit des Omoda 9 mit durchgehender Mittelkonsole
Blick ins Cockpit: durchgehende Mittelkonsole und digitale Displays im Omoda 9. Foto: OMODA / Lukas Tobler

Süßes Extra: Der Preis

Aber wie ganz echte Bonbonieren hat auch der OMODA 9 seine Schokostückchen, auf die man sich freuen kann. Hier sei an erster Stelle natürlich der Preis genannt, der in Anbetracht der gebotenen Ausstattung die Leistung europäischer Hersteller in den Schatten stellt. Die Variante „Premium-Line“ startet bei 48.990,- Euro und kommt – einmal alles – mit Extras wie beheizbaren und belüfteten Massagesitzen vorne, einem elektrischen Panorama-Glasschiebedach sowie elektrisch verstellbaren Rückenlehnen auf der Rückbank.

„Aber wie bei echten Bonbonieren hat auch der OMODA 9 seine Schokostückchen, auf die man sich freuen kann.“

Über mangelnde Komfortfeatures braucht man beim OMODA 9 wirklich nicht raunzen. Ablagen mit „Geheimfächern“ wecken den Detektiv in uns. Mitreisende im Fond können sich ebenfalls über eine Sitzheizung und Belüftung freuen und damit genug Platz hinten im Fußraum herrscht, lässt sich der Beifahrersitz einfach von der Fahrerseite aus verstellen.

Bedienung mit Tücken

Wurde das Mobiltelefon erst einmal mit der Schnittstelle verbunden, setzt der OMODA dies auf die oberste Prioritätenliste und verkoppelt sich auch weiterhin ungefragt damit. In das Hauptmenü des Fahrzeugs zu kommen ist dann wiederum eine kleine Wissenschaft.

Wenn man in das süße Konfekt namens Infotainment beißt, entfaltet sich zunächst eine wahre Geschmacksexplosion an möglichen Features wie Navigation, Fahrdaten, Medieninhalten. Es bleibt aber dann doch der leicht bittere Nachgeschmack in Sachen Benutzerfreundlichkeit, Stichwort Untermenüs. In anderen Fahrzeugen bedienen wir uns gern der Hilfe des Sprachassistenten. In diesem Punkt ist von chinesischer Seite mit wenig Unterstützung zu rechnen. Erst einmal das Sprech-Knöpfchen gedrückt, kriegt der Fahrer den Eindruck, er ist mit der Beschwerdestelle verbunden. Kurz und knapp bekommt man mitgeteilt: „Ich bin da“. Nun äußert man sein Anliegen, z.B. jemanden anrufen und dann heißt es geduldig sein, ob der Wunsch auch gefällig genug ist. Es gibt kein Feedback, wie „Entschuldige, das habe ich nicht verstanden,“ oder „Dieser Befehl ist nicht verfügbar“. Unsere Assistentin schmollt einfach und gibt nach einigen Sekunden, wenn man selbst schon aufgegeben hat, zu verstehen „ich ziehe mich zurück.“ Schön. Also dann selbst im Telefonbuch gesucht, worauf der OMODA uns aber durch ein sachtes akustisches Signal darauf hinweist, wir hätten der Straße zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

„Erst einmal das Sprech-Knöpfchen gedrückt, kriegt der Fahrer den Eindruck, er ist mit der Beschwerdestelle verbunden.“

Lenkrad und Digitalinstrumente im Cockpit des Omoda 9
Lenkrad, Digitalinstrumente und Infotainment-Bildschirm im Omoda 9. Foto: OMODA / Lukas Tobler

Wo wir bei unserem heimlichen Highlight der Bonboniere „made in China“ sind: Man kennt sie, die derzeit aktuellen, mittlerweile schon Enzyklopädien füllenden Assistenzsysteme, die glauben, der Führerschein wurde per Kreuzerltest auf der Rückseite der damals populären Fernsehzeitungen gemacht. Es wird gepiepst, geblinkt, korrigiert. Meist lassen sich diese Quälerleins deaktivieren, oft nur sehr umständlich, was spontane Fahrtantritte mühsam macht. Und jetzt kommt der OMODA. Ja, auch er hat alle diese Features, aber sie arbeiten erstaunlich dezent, ohne dass es nervt. Sogar die sonstwo so penetrante Aufmerksamkeitsermahnung leistet sich nur einen kleinen Auftritt im Display.

Antrieb im Omoda 9 Test: Kraft mit Köpfchen

Das beste Stückchen hebt man sich für den Schluss auf: Den Plug-in Hybrid-Antrieb. Die Kombination aus 1,5 Liter Turbobenziner und 340 kW E-Motor liefern eine Systemleistung von 215 kW (292 PS) und ein Systemdrehmoment von 650 Nm. Was im Alltag jede Menge Fahrspaß bedeutet. Das Zusammenspiel steuert dabei der OMODA weitgehend selbst und setzt hier verstärkt auf den E-Antrieb, wobei er ab einer Restreichweite von 15 km elektrisch vorschlägt, in den intelligenten Modus zu wechseln. Somit kommt der Benziner verstärkt zum Zug und es bleibt immer noch genug Energie, um kleine Distanzen elektrisch zurückzulegen. Trotz seines Gewichtes von 2.270 kg beschleunigt er von 0 auf 100 km/h in 4,9 Sekunden und selbst, wenn sich der Verbrenner einmischt, merkt man dies kaum.

Omoda 9 unterwegs in der Innenstadt
Der Omoda 9 unterwegs in der Stadt, vorbei an historischer Architektur. Foto: OMODA / Lukas Tobler

Bei Schnellladestationen schafft es der OMODA während unserer Testzeit in 30 min von 15 auf 80% Batteriestand und damit auf eine Reichweite von etwa 120 km. Zusammen mit der Kapazität des 70 Liter Tanks schafft der SUV Distanzen von mehr als 1.000 km.

Omoda 9 Plug-in-Hybrid: die wichtigsten Daten

Modell Omoda 9 Plug-in-Hybrid (Premium-Line)
Preis in Österreich ab 48.990 Euro
NoVA 0 % (laut Hersteller)
Systemleistung / Drehmoment 215 kW (rund 292 PS) / 650 Nm
0–100 km/h 4,9 Sekunden (Herstellerangabe)
Verbrauch/Reichweite (WLTP) 1,6 l/100 km plus 19,5 kWh/100 km Strom, CO&sub2; 38 g/km, bis zu 145 km rein elektrisch, Gesamtreichweite bis zu 1.100 km (Herstellerangabe)
Kofferraum 470 Liter (Herstellerangabe)

Quelle Verbrauchs- und NoVA-Angaben: omodajaecoo.at

Wer einen Plug-in Hybrid mit ordentlich Kraft und einer umfassenden Komfortausstattung um kleines Geld sucht, sollte sich den OMODA 9 einmal näher anschauen. Raumwunder ist er leider keines.

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