• projekt spielberg

    Erst der Spaß, dann das Vergnügen.

Spielen. Das Internet-Wörterbuch Wiktionary definiert es so: „Einer zwanglosen komplexen Betätigung nachgehen, bei der der Lustgewinn im Vordergrund steht.“

Spielplatz. Das Internet-Lexikon Wikipedia formuliert’s pragmatisch: „Das ist ein Ort, an dem mehrere verschiedene Spielgeräte vorhanden sind.“

Aha. Und was weiß der Netz-Brockhaus zu Spielberg? Schon auch, dass es eine Stadtgemeinde im Bezirk Murtal in der Steiermark, mit rund 5.300 Einwohnern ist. In erster Linie aber, dass dort das Projekt Spielberg der zentrale Tourismus-Angelpunkt ist.

Spielen, das der schnellen Art, bei dem der Lustgewinn im Vordergrund steht und – zugegebenermaßen – auch zumindest Siegeslorbeer, das hat ja Tradition im Aichfeld an der Mur. Benzin- & Amateurracing-Affine mittleren Lebensalters erinnern sich noch gut an den ursprünglichen Österreich-Ring, der ab 1969 mit seinen knapp sechs Kilometern Länge und seiner Streckenführung eine echte Highspeed-Herausforderung war. Für Zweispurige ebenso wie für Einspurige, die’s den Profis aus Formel I und Motorrad-WM nachmachen oder es zumindest versuchen wollten.

Daran änderte die Einbremsung in Gestalt des Hella-S (1977), gleich nach der Start-Ziel-Geraden, nicht allzu viel. Ein wenig erst, als die Auto- und Motorrad-Rennstrecke 1995/96 zum A1-Ring umgebaut und erheblich, auf 4,318 Kilometer verkürzt – und entschärft – wurde.

Ob fast sechs oder etwas mehr als vier Kilometer: Abseits der großen und kleineren Rennveranstaltungen, ob professionell oder privat, herrschte nicht nur auf dem Rennkurs, sondern auch in der Umgebung tote Hose, unterbrochen höchstens von Start- und Landemanövern des nahe gelegenen Militär-Flugplatzes von Zeltweg. Was stets fehlte, war ein Rahmenprogramm, oder vielmehr die Möglichkeit, nicht nur anderen zuzuschauen, sondern selber (mit-)zuspielen. Sei es familientauglich, mit Badeteich & Kinderspielplatz, sei es unterhaltsam, mit Musik & Tanz, sei es kulinarisch, mit mehr als Würstelsuppe & Milchkaffee, sei es actionreich, zum Beispiel mit Off- & On-Road-Fahrereien. Das alles ganz abgesehen von privaten sowie politischen Anrainer- und Betreiber-Turbulenzen, was die Jahre 2003 bis 2008 besonders intensiv prägte. Derweilen lag das Rennstreckengelände brach. Und ebenso weitgehend die umliegende Region.

Die Geschichte rund um Red Bull und die Reaktivierung des einstigen Österreich-Rings samt angrenzendem Areal und den mehr als kräftigen Belebungs-Impuls für die regionale Gastronomie ist hinlänglich bekannt und diskutiert. Fakt ist, dass das Gelände in Spielberg nunmehr das ist, was es längst schon immer hätte sein wollen: ein weitläufiger und vielseitiger Spielplatz für motorisierte – und auch andere – Spielgeräte. Die kann man entweder selbst mitbringen oder sich aus dem reichhaltigen Fundus gegen Gebühr ausborgen. In den Garagen ruhen beziehungsweise lauert allerhand Zwei- und Einspuriges: vom Sportwagen bis zum Sporteisen, vom Geländegänger bis zum Gatschhupfer; das heißt: vom KTM X-Bow über den Nissan 370Z bis zum Formel Renault und weiteren wie dem Land Rover Defender sowie allerlei KTM-Eisen, von der RC8 über diverse Enduro-Modelle bis zur Super Duke R plus einige Trial-Bikes, nicht zu vergessen die Offroad-Buggies beziehungsweise ATVs vom Schlage eines Polaris Side X Side. Die alle haben im Winter weitgehend Pause und werden während der unfreundlichen Jahreszeit gehegt, gepflegt und präpariert, um fürs Frühlingserwachen fit zu sein.

Wie das mit dem Frühjahr und der neuen Saison und dem Start in dieselbe ist, das sollte unter dem g’schmackigen Titel „4WD Action & Genuss“ ein Thema sein. Beflügelt vom mit Schnee & Eis zurückhaltenden Winter wurde der Auftakt für die frühen Märztage terminisiert. Dem schlug das Wetter aber ein entscheidendes Schnippchen und schickte gar nicht wenig Schnee, deckte damit die wohl vorbereiteten und präparierten Offroad-Tracks mit einer dicken weißen Decke zu.

Jetzt muss man’s, als Freiluftsport-Fan, motorisiert oder nicht, ohnehin so nehmen wie’s kommt und zumindest probieren, statt nur studieren. Somit enterte ein Häuflein Aufrechter und 4WD-Action-Lustiger die vorbereiteten Buggies. Und ackerte sich unter Anführung des örtlichen Instruktors übers Offroad-Trainingsgelände. Die Anleitung, über Funk gesprochen, war knapp und bündig gehalten, à la: „So jetzt fahr ma do auffe, ma muass aber scho Gas gebn, damit des geht.“

Der trübwolkige Himmel legte während der Übungsrunden ein paar Flöckchen nach. Die begleiteten uns auch bei der Besichtigungs-Umrundung der derzeit teilweise von Baustellen zerfurchten Rennstrecke. Bevor das Hirn angesichts der offenen Sturzhelme komplett eingefroren war, ging’s zum Fahrerwechsel, den der eine und der andere dazu nutzte, zum Genuss-Teil des Programms überzugehen, sprich im Spa des G’Schössl Murtal abzutauchen. Und sich auf die Abenteuer im Kopf zu konzentrieren. Oder in der Sauna ein paar Kilo abzuschwitzen. In weiser Voraussicht, denn die Abend-Menüs im Steirerschlössl spielen geschmacklich alle Stückeln, mit recht vielen regionalen und internationalen Kalorien.

Solchermaßen genussvoll gestärkt für weitere Action überraschte der folgende Tag mit strahlendem Sonnenschein und schon am Vormittag frühlingshaften Temperaturen. Das hatte logischerweise zur Folge, dass sich zum Schneematsch auch noch ordentlich Gatsch gesellte. Das stellte bis zur Mittagspause den Defender gar nicht und die Amaroks auch nicht vor Probleme, solange es galt, auf dem bereits bekannten Trainingsgelände ein paar Übungsrunden zu drehen. Was im Sonnenschein doch mehr Spaß machte als am Vortag.

Bevor sich dann ein Geschwader von Defendern in „die Gaal“, das ernsthafte Offroad-Gelände – auch der „steirische Dschungel“ genannt –, aufmachte, stand wieder Genuss auf dem Programm. Dieses Mal im nahe gelegenen Seckau, im Hofwirt, wo einige auf das vermeintliche kulinarische Abenteuer Ente verzichteten und doch lieber aufs heimische Schnitzel zurückgriffen. Wieder einmal in weiser Voraussicht: Denn unter den Steiermark-unkundigen Gästen bedeutete die darauffolgende abendliche Küchen-Party im G’schlössl Murtal angesichts der regional-steirischen Ausrichtung auch schon wieder ein Abenteuer. Was mit den Offroad-Erlebnissen auf den stellenweise schon wirklich schwierigen Passagen in der Gaal absolut mithalten konnte.

Schwache eineinhalb Tage sind natürlich viel zu kurz, um mehr als ein, zwei Spielgeräte auszuprobieren. Auch ist, wie erwähnt, die Asphaltdecke der Rennstrecke noch nicht bereit, um auch on-road ein wenig herumzuspielen. Möglichkeiten gäb’s da ja genug. Doch auch für all jene, die lieber anderen beim Spielen zuschauen (oder zuhören), offeriert das Projekt Spielberg ein actionreiches Programm. Die heurigen Highlights sind: das Red Bull Airrace, am 23. & 24. April, die Truck Race Trophy, von 29. April bis 1. Mai, die DTM 2016, von 20. bis 22. Mai, der Formel I-Grand Prix, am 1. Juli, die Moto GP am 14. August und das Musikfestival am 27. August.

Fotos: Projekt Spielberg, Philip Platzer, Erwin Polanc, Beatrix Keckeis-Hiller

Text: Beatrix Keckeis-Hiller

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