PEUGEOT E-208 GTi: Roh serviert

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Der Peugeot E-208 GTi ist ab sofort bestellbar, in Österreich ab 42.990 Euro inkl. MwSt. Der erste vollelektrische GTi der Marke leistet 281 PS und 345 Newtonmeter, sprintet in 5,5 Sekunden auf 100 km/h und schafft bis zu 374 Kilometer WLTP-Reichweite. Entwickelt hat ihn Peugeot Sport, dieselbe Mannschaft, die das Le-Mans-Hypercar 9X8 baut. Auslieferung ab dem vierten Quartal 2026.

 

Stellen wir uns den klassischen GTi als Gericht vor. Dann wäre er wohl ein cleanes Beef Tartar: roh, ehrlich, ordentlich Pfeffer, nichts für zarte Gemüter. Für Fans des Handfesten. Ein erdiges Erlebnis.  Der 205 GTi war genau das, vierzig Jahre lang eine Referenz, an der sich sportliche Kleinwagen messen lassen mussten.

Der neue Peugeot E-208 GTi ist anders. Um in der Kulinarik zu bleiben, wäre er wohl auch ein Tartar. Aber diesmal nicht vom Rind, sonder ein Tartar von der Roten Rübe. Sieht am Teller aus wie das Original, gleiche Anrichtung, sogar die roten Sicherheitsgurte sitzen am richtigen Platz wie einst im 205 GTi. Aber darunter ist alles anders: erdig statt blutig, elektrisch statt verbrennend, neu gedacht statt nachgekocht. Und wie beim Rote-Rüben-Tartar teilt sich das Publikum sofort in zwei Lager. Die einen rümpfen die Nase, weil GTi für sie nun einmal nach Benzin zu riechen hat. Die anderen kosten und stellen fest: Das funktioniert ja erstaunlich gut und ist de facto gar nicht so weit weg vom fleischigen Original. Denn gewürzt ist der neue kleine Sport-Peugeot ausserordentlich gut. Pfeffer, Umami, Säure – alles da. Da fällt der Umstieg von Fleisch zu Veggie oder eben von Verbrenner zu Elektro gar nicht mal so schwer.

Serviert wurde das Ganze heute, am 12. Juni 2026, auf der größtmöglichen Anrichteplatte: in Le Mans, einen Tag vor dem Start der 24 Stunden und 100 Jahre nach Peugeots erstem Antreten beim Langstrecken-Klassiker. Markenchef Alain Favey verkündete bei der Pressekonferenz Preis und Bestellstart. Wie ernst Peugeot die Verbindung von GTi-Erbe und Rennsport meint, zeigt auch das Hypercar 9X8 im GTi-Look, das an diesem Wochenende um den Gesamtsieg fährt. Wie sich das aus dem Cockpit anfühlt, hat uns Werksfahrer Malthe Jakobsen im Interview erzählt. Kein Zufall also, dass dieselben Ingenieure auch den E-208 GTi abgeschmeckt haben.

Die Zutatenliste: Was steckt im E-208 GTi?

Der Hauptgang: der in Trémery gefertigte Elektromotor M4+ an der Vorderachse, mit Steuerungssoftware direkt aus dem Motorsport. 207 kW, das sind 281 PS, dazu 345 Newtonmeter. Bei 5,46 Kilo pro PS Leistungsgewicht sprintet der E-208 GTi in 5,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h, das sind 0,2 Sekunden schneller als ursprünglich geplant. Der Zwischenspurt von 80 auf 120 gelingt in 3,2 Sekunden, also genau dort, wo Überholen auf der Landstraße zur Sekundenfrage wird. Schluss ist bei 180 km/h. Zur Einordnung: Der legendäre 205 GTi 1.9 brauchte für den Standardsprint einst rund acht Sekunden.

Die Energie kommt aus der bekannten 54-kWh-Batterie (51 kWh netto), die aber ein eigens geschärftes Thermomanagement bekommen hat. Peugeot Sport hat die Kühlmittel-Strategie aus dem Rennsport übernommen, und das ist mehr als PR-Geplänkel. Der Witz vieler sportlicher Elektriker ist nämlich, dass sie nach ein paar schnellen Kurven die Leistung drosseln, um die Batterie zu schonen. Hier soll das nicht passieren: einen Bergpass im Sportmodus hinauf, durchgehend volle Leistung, kein Schongang nach dem dritten Überholmanöver. Auf dem Papier ist das genau die Zutat, die einen GTi vom Showcar unterscheidet.

Bei der Reichweite entscheidet die Würzung, also die Reifenwahl. Auf den serienmäßigen Michelin Pilot Sport 4S stehen 352 WLTP-Kilometer im Datenblatt, mit den optionalen (und kostenlosen) Hankook Ventus S1 Evo3 sind es bis zu 374. Geladen wird mit bis zu 100 kW Gleichstrom, 20 auf 80 Prozent in unter 30 Minuten, an der 11-kW-Wallbox dauert die volle Ladung gut drei Stunden. Wo man die Kilometer am schönsten wieder auflädt, klärt übrigens gerade unsere Aktion Charged by Beauty.

Mehr als nur ein schneller Motor: das Fahrwerk

Damit aus Leistung Fahrspaß wird, hat Peugeot Sport das Fahrwerk gründlich umgebaut. Die Karosserie sitzt 25 Millimeter tiefer, die Spur wurde vorne um 56 und hinten um 28 Millimeter verbreitert, dazu kommen 18-Zoll-Räder mit 215er-Reifen, deren Lochmuster bewusst an die legendären Felgen des 205 GTi erinnert. Das eigentliche Gewürz steckt aber im Detail: ein zusätzlicher 31-Millimeter-Stabilisator hinten balanciert das Auto in der Kurve aus, ein mechanisches Sperrdifferenzial bringt die Kraft auch bei wenig Grip auf die Straße, und an der Vorderachse bremsen 355-Millimeter-Scheiben mit Vierkolben-Sätteln in GTi-Rot.

Das schönste Detail liefern aber die Werksfahrer. Laut Projektleiter Christophe Auriault testeten die Piloten des 9X8 den E-208 GTi auf der Rennstrecke. Ihr Feedback nach der Ausfahrt: bloß nichts ändern. Wenn die Le-Mans-Mannschaft das sagt, ist das ein Kompliment, das man nicht kaufen kann.

Was kostet der Peugeot E-208 GTi in Österreich?

Der E-208 GTi startet in Österreich bei einem Listenpreis von 42.990 Euro inkl. MwSt. Das ist die positive Überraschung des Tages: In Deutschland ruft Peugeot 44.900 Euro auf, hierzulande ist der Stromer dank NoVA-Befreiung also rund 1.900 Euro günstiger. So herum stimmt die Rechnung selten.

Billig ist der GTi damit trotzdem nicht. VW positioniert den kommenden ID. Polo GTI mit 226 PS ab rund 39.000 Euro, der technisch verwandte Abarth 600e spielt in einer ähnlichen Liga. Peugeot verlangt also einen Aufpreis, liefert dafür aber mehr Leistung und die echte Peugeot-Sport-Abstimmung. Dazu gibt es bis zu acht Jahre Peugeot Care und acht Jahre Batteriegarantie, jeweils bis 160.000 Kilometer. Das relativiert den Einstand. Bestellbar ist der E-208 GTi ab sofort, ausgeliefert wird ab dem vierten Quartal 2026.

Motorblock-Fazit

Ehrlichkeit zuerst: Gefahren sind wir den E-208 GTi noch nicht, verkostet wurde bisher nur die Speisekarte. Die liest sich allerdings vielversprechend. Das ist kein GTi-Sticker auf einem Serienmodell mit Sportmodus, sondern echte Peugeot-Sport-Arbeit: Sperrdifferenzial, verbreiterte Spur, ein Thermomanagement für den Dauereinsatz, Werksfahrer-Segen inklusive. Und der Österreich-Preis von 42.990 Euro fällt niedriger aus als befürchtet. Rote-Rüben-Tartar eben: neu, anders, erdiger als erwartet, und am Ende vielleicht sogar das ehrlichere Gericht. Ob es wirklich schmeckt, wissen wir nach der ersten Gabel, sprich: nach der ersten Testfahrt. Hunger hätten wir schon einmal.

TEXT: Gregor Josel

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