Yamaha baut sich eine eigene Schublade: Die neue RW-Serie mit RW700, RW700 Explore und RW350 soll als Adventure-Scooter die Lücke zwischen Motorrad und Roller schließen. Gezeigt wird das Trio auf der EICMA in Mailand, für Österreich ist es als Modelljahr 2027 angekündigt.
Das Wichtigste in Kürze
- Neue Baureihe: Yamaha RW700, RW700 Explore und RW350, Modelljahr 2027
- RW700: 689-cm³-Zweizylinder (CP2) mit 51 kW (69,3 PS), Y-AMT-Automatik, A2-Version mit 35 kW
- RW350: neuer 327-cm³-Einzylinder mit 21,5 kW (29,2 PS) und Keilriemen-Automatik
- Offroad-Ausrüstung: Kreuzspeichenräder, Stollenreifen, bis zu 185 mm Bodenfreiheit
- Preise sind aktuell noch nicht verfügbar.
Auf den ersten Blick ein Großroller, auf den zweiten eine Reiseenduro, die den Tank gegen einen Durchstieg getauscht hat. Genau diese Unschärfe ist das Programm. Yamaha spricht vom „ersten echten Adventure-Scooter-Segment“. Das darf man freundlich korrigieren: Honda fährt mit der X-ADV seit 2017 in genau dieser Nische, und zwar ziemlich allein. Neu ist, dass Yamaha gleich eine ganze Familie darauf ansetzt und dabei technisch tiefer ins Gelände zielt.
Der Yamaha RW700 Adventure-Scooter
Herzstück ist der bekannte CP2-Reihenzweizylinder aus MT-07 und Ténéré 700. 689 cm³, laut Hersteller 51 kW, also 69,3 PS bei 8.250 Touren, dazu 65 Nm. Für A2-Fahrer gibt es eine 35-kW-Version. Statt Variomatik arbeitet ein Sechsganggetriebe mit Kette zum Hinterrad, geschaltet vom Y-AMT. Diese automatisierte Schaltung, die wir schon aus den Yamaha-Motorrädern kennen, wurde erstmals eigens für einen Scooter abgestimmt: Vollautomatik für die Stadt oder Gangwechsel per Wippe am Lenker. Weil kein Fußhebel mehr nötig ist, wandert auch die Hinterradbremse an den Lenker.
Das Fahrwerk liest sich wie bei einer leichten Reiseenduro. Ein Backbone-Rahmen aus hochfestem Stahlrohr hält Motor und Sitz tief, trotzdem bleiben 170 mm Bodenfreiheit. Vorne arbeitet eine 41-mm-Upside-Down-Gabel mit 160 mm Federweg, hinten ein Monofederbein mit Umlenkung und 155 mm. Dazu kommen Kreuzspeichenräder in 17 und 15 Zoll, die ersten bei Yamaha überhaupt, mit Pirelli Scorpion Rally STR. Die Fußrasten lassen sich vierfach verstellen, die Trittbretter klappen weg, damit man im Stehen fahren kann.
Was kann die Elektronik?
Eine Sechs-Achsen-IMU speist die YRC-Fahrmodi mit getrennten Einstellungen für Straße und Gelände. Neu ist ein GRAVEL-Modus samt „Gravel Shift“, der das Schaltverhalten auf losem Untergrund anpassen soll. Tempomat, Geschwindigkeitsbegrenzer, Smart Key, selbstrückstellende Blinker und ein 5-Zoll-TFT mit Garmin-StreetCross-Navigation sind serienmäßig. Unter der Sitzbank soll ein Integralhelm Platz finden. Den Verbrauch gibt Yamaha mit 4,1 Litern auf 100 km an.
Was bietet die RW700 Explore?
Die Explore ist dieselbe Maschine mit mehr Komfort. Die Gabel lässt sich in Vorspannung und Zugstufe einstellen, das Federbein ebenso. Heizgriffe und eine beheizte Sitzbank mit je zehn Stufen, ein Hauptständer und beleuchtete Schalterarmaturen kommen serienmäßig dazu, ebenso eine exklusive Farbe: Forest Green statt Sage Blue.
Der kleine Bruder: RW350
Der RW350 ist die eigentliche Überraschung, weil hier fast alles neu ist. Der wassergekühlte Einzylinder mit 327 cm³ leistet laut Datenblatt 21,5 kW (29,2 PS) und 31,5 Nm, geschaltet wird stufenlos per Keilriemen. Ungewöhnlich ist die Aufhängung, die Yamaha „Dynamic Ride“ nennt: Der Motor sitzt ohne Gummilager starr im Rahmen, nur die CVT-Einheit schwingt mit dem Hinterrad. Das soll die ungefederten Massen senken und den Rahmen steifer machen, ein Vierachs-Ausgleichssystem hält die Vibrationen im Zaum.
Dazu kommen 185 mm Bodenfreiheit, eine 37-mm-Gabel, zwei vorspannbare Federbeine und Dunlop-D615-Stollenreifen. Drei Fahrmodi (STREET, EXPLORE, ECO), Traktionskontrolle und Tempomat sind Serie, elektronischer Gasgriff und 5-Zoll-TFT feiern bei Yamahas Mittelklasse-Scootern Premiere. Verbrauch laut Hersteller: 3,5 Liter. Mit seinen 29,2 PS ist der RW350 ein A2-Fahrzeug.
Motorblock-Fazit
Yamaha hat das Segment nicht erfunden, aber es nimmt es ernster als bisher irgendwer. CP2-Motor, Kreuzspeichen, Gravel-Modus und eine Hinterradbremse am Lenker: Der RW700 ist auf dem Papier mehr Enduro als Roller. Spannender für den österreichischen Alltag könnte trotzdem der RW350 sein, weil er für A2 taugt und mit neuer Motorlagerung antritt. Ob die Rechnung aufgeht, entscheidet am Ende der Preis. Preise sind aktuell noch nicht verfügbar.
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