Jeep Compass Elektro: Steckdose statt Sprit

9 Min. Lesezeit

Der Jeep Compass Elektro ist die erste rein batterieelektrische Version des Kompakt-SUV der Marke. Motorblock hat den quirligen Jeep im Alltag getestet und sich verzweifelt auf die Suche nach den bekannten Markenwerten gemacht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Jeep Compass Elektro: rein batterieelektrisches Kompakt-SUV auf der STLA-Medium-Plattform
  • Zwei Batterien: 74 kWh (bis 500 km WLTP) oder 96 kWh (bis 660 km WLTP), jeweils mit Frontantrieb
  • Österreich-Preis ab 47.300 Euro
  • Bodenfreiheit 20 cm, Wattiefe bis 47 cm – trotz Elektroantrieb geländetauglich

Was ist neu am Jeep Compass Elektro?

Mit dem Compass Elektro bringt Jeep sein Kompakt-SUV erstmals als reines Batteriefahrzeug nach Österreich. Optisch sind überall Reminiszenzen an den Mythos Jeep zu finden: kantige Silhouette, beleuchteter Frontgrill, 360-Grad-Karosserieschutz und der markante Kühlergrill mit sieben Lamellen. Alles drauf, alles dran. Außer das GEFÜHL, es hier tatsächlich mit einem, hm, Jeep zu tun zu haben …

Beim Namen Jeep haben bereits die jüngsten Autofans ein klares Bild eines Autos im Kopf, das nicht nur aussieht, wie aus einer Kinderzeichnung sondern auch stellvertretend für alles steht, was vierrädrig quer durch Wald und Flur klettert. Geländegängigkeit ist hier nicht nur ein Werbegag, es ist quasi Verpflichtung.

Und dann kommt man zum Antrieb. Allrad gibt es natürlich, für die Offroader unter uns, heißt dann 4xe.  Für die Gehsteigkraxler reicht jedoch der reine Frontantrieb, so wie ich ihn hier ausprobieren durfte. Reicht für den urbanen Alltag mit gelegentlichen Ausritten in die Alpenrepublik. Für die heimischen Wälder, wo kleine SUV immer schon beliebter waren als große solche, wäre der Allrad besser. Aber naja – bleiben wir halt auf der Straße.

Ein weißer Jeep Compass SUV in Dreiviertelansicht von hinten rechts in einem dunklen Studio.
Der neue Jeep Compass sucht seine Unverkennbarkeit

Wobei mir die Motorisierung vorab, im Zusammenhang mit dem Mythos, der um den Namen rankt, doch ein wenig Unbehagen bereitete. Kein Verbrenner, nicht mal Plug-in Hybrid (beides ist jedoch erhältlich) sondern ein reiner E-Motor treibt den Compass durch die Gefilde. In Anbetracht der Tatsache, dass ich einen Termin 298 km entfernt von Wien in Schladming hatte, entstand zugegeben ein leicht mulmiges Gefühl im Bauch.

Ja, ich gebe es zu. Mich erinnern Elektriker in der großen Autofamilie immer noch ein bissl an vegane Schwiegersöhne, die in Familien einheiraten, wo es am Sonntag Schnitzel oder Schweinsbraten gibt. Und derzeit fühlt man sich auch so, wenn man in der Freundesrunde sagt, ich fahre ein E-Auto. Man wechselt zwar nicht gleich den Tisch, man hört sie aber denken: Na, sie muss glücklich damit werden. Für mich wär´s nix. Obwohl, Kraft hat er schon, schaut auch gar nicht so schlecht aus … aber letzteres sagt keiner laut.

Doch zurück zum Compass. Selbst wenn er sich vom (nicht immer grünen) Strom ernährt, seine Leistung kann sich durchaus sehen lassen. Dabei wuchtet er seine 2,1 Tonnen (… Kompakt-SUV?) in 8,3 Sekunden auf 100 km. Sportler ist er damit keiner, seine Qualitäten liegen bei seinem Kerngeschäft, ein Allroundwegbegleiter auch abseits befestigter Straßen und ein Freund der Freizeitgestaltung zu sein.

Ja, ich gebe es zu. Mich erinnern Elektriker in der großen Autofamilie immer noch ein bissl an vegane Schwiegersöhne, die in Familien einheiraten, wo es am Sonntag Schnitzel oder Schweinsbraten gibt.

Was geht rein in den Jeep Compass Elektro?

Und so freut man sich über jenen Platz im Auto, den normalerweise Batterien eher für sich in Anspruch nehmen. Besonders der höhenverstellbare Ladeboden, der trotz allem noch Kabel und Ersatzzeug problemlos schluckt, gibt uns genügend Platz um alles Mögliche zu verstauen. Dank der umklappbaren Rücksitze erweitert sich die Ladekapazität (dieses Wort entwickelte sich inhaltlich, fällt mir gerade auf, zu einer gewissen Doppelbödigkeit) von 550 Litern auf 1.561 Liter. So findet auch ein Fahrrad im Innenraum Platz. Wer die Rückbank nicht für den Lastentransport braucht, auch Mitreisende haben hinten genug Beinfreiheit und sitzen komfortabel, selbst auf längeren Strecken.

Für das Gelände kann man mit einer Bodenfreiheit von 20 cm, sowie einem Böschungswinkel von 20° vorne und 27° hinten rechnen. Trockenen Fußes bringt einen der Compass laut Werksangabe auch durch Wasseruntiefen von bis zu 47 cm bei Schrittgeschwindigkeit.

Wie lebt sichs drinnen im Jeep Compass Elektro?

Der Jeep Compass lockt uns aber nicht nur durch seine Offroad-Fähigkeiten weg von befestigter Straßen, er versteht es auch, eine gehörige Portion Komfort in den Fahralltag zu bringen. So braucht man im Winter nicht das eiskalte Händchen zu kultivieren, denn eine Lenkradheizung ist wie die Sitzheizung Teil der Serienausstattung  „Overland“ – auch einer jener Begriffe, der in Zusammenspiel mit „Jeep“ einst andere Assoziationen weckte. Unser Testfahrzeug wurde zusätzlich noch mit den drei optional verfügbaren Ausstattungspaketen Komfort, Fahrassistenz und Premium Overland aufgehübscht, die ihm zwar nun gänzlich den Naturburschen nehmen, im Alltag jedoch sehr angenehm sind. So sind die Fahrersitze nun achtfach elektrisch verstellbar und sorgen dank Sitzbelüftung für knitterfreie Hemden. Auf Langstrecke genießt man eine mehrfach verstellbare Massagefunktion.

Für den richtigen Sound sorgt das Focal Premium Audio-System mit neun Lautsprechern und Subwoofer und da das bevorzugte Smartphone sofort koppelt, ist man auch gleich mit seiner Lieblingsplaylist verbunden. Die Bedienfreundlichkeit unseres Jeep ist ein echtes Plus. Haptische Knöpfe unterhalb des großen Touchscreens lassen selbigen lange tapserfrei und sauber. Außerdem erspart man sich das ewige Suchen in Untermenüs. Die zahlreichen Assistenzsysteme wie unter anderem der Spurwechselassistent erfüllen pflichtbewusst ihre Aufgabe, man kann sie aber auch einzeln deaktivieren – jedoch nur bis zum nächsten Neustart. Deaktiviert man zu viele Helferleins nimmt man sich auch den Spaß an einem zu Beginn ungewohnten, jedoch später für mich sehr angenehmen Feature, der Bedienung des Fahrzeuges lediglich mit dem Gaspedal. Ein zusätzliches Bremsen ist hier nur in absoluten Notfällen erforderlich. Ansonsten rekuperiert der Compass entsprechend der benötigten Bremsstärke je nach Pedalfeedback bis zum Stillstand.

Der Innenraum eines Jeep-SUV zeigt das Armaturenbrett mit Lenkrad, Displays und schwarz-braunen Sitzen in der Totalen von vorn.
Das Cockpit, fein ausgestattet, erinnert schließlich endgültig an Fiats Luxus-Klasse denn an abwaschbares Jeep-Gedöns.

Wie weit kommt der Jeep Compass Elektro?

Aber all diese Features fordern ihren Tribut und der heißt Batterieleistung. Diese wirkt sich, eh logisch, auf die Reichweite aus. Wo ich wieder bei meinem Einstiegsdilemma angelangt bin: Wie komme ich mit dem Jeep Compass von Wien nach Schladming? Unkenrufe wie, fährst halt 100 auf der Autobahn, singst selbst und sei froh, es ist eh noch nicht Winter, ignorierend, stellen wir den Compass zur Ladesäule. Bei 99% zeigt der Bordcomputer 441 km Reichweite an. Auch das Navi bestätigt: die zu fahrende Distanz erreichen wir mit 15% Restbatterie.  Mit der angezeigten Reichweite liegen wir schon einmal deutlich unter dem vom Hersteller angegebenen WLTP Verbrauch, was mein Vertrauen jetzt nicht fördert und der Zusatz: „Kann je nach Einsatzbedingungen und unterschiedlichen Faktoren variieren“, den man im Kleingedruckten liest, macht es nicht besser.

Egal, der Termin ist wichtig, es gibt eine Zielzeit, die es zu erreichen gilt. Lange Ladezeiten sind da nicht drin und ich weigere mich, mein Fahrverhalten dem Fahrzeug unterzuordnen. Somit Startknopf gedrückt, Musik an, Route eingegeben. Los geht´s. Das Fahrverhalten des Compass entspricht seiner Leistung von 231 PS. Zügige Überholmanöver sind kein Problem und auch sein Fahrwerk, das wohl auf Fahrkomfort ausgelegt ist, lässt uns flott ohne unangenehme Lastwechsel Kurven meistern.

Wird mich der Jeep Compass Elektro bekehren?

Mit zunehmend bergigeren Gefilden und durch die Notwendigkeit, aufgrund der Wetterbedingungen (sintflutartiger Regen bei 7 Grad) auf die Komfortverbraucher zurückzugreifen, schmilzt unsere Restreichweite in einem Tempo dahin, wie man es sich von seinem Gewicht auf der Waage wünschen würde. Und so beginnt man zu rechnen … denn es ist auch nicht jederzeit eine entsprechende Ladesäule mit entsprechender Leistung vorhanden, die Zeit mit 11 kW stundenlang zu laden, fehlt sowieso. Kurz gesagt, bei einer von mir berechneten Restreichweite von 20 km bei Ankunft habe ich mich doch entschieden, auf einen Kaffee einzukehren und den Jeep an die Steckdose zu hängen. 15 min später war so viel Ladung vorhanden, dass ich mit 132  km auf der Anzeige mein Ziel erreichte, wo dann übernacht vollge-, hm, -tankt wurde. Nach Hause ging es ohne Ladestopp die knapp 300 km mit 50 km Restreichweite. Laut Bordcomputer lag der Durchschnittsverbrauch bei 19,5 kWh.

Der Jeep Compass Elektro hat mich zwar noch nicht dazu bekehrt, auf mein geliebtes motorisiertes „Schnitzerl“ zu verzichten, aber hätte ich zuhause die Möglichkeiten und wäre ich nicht auf öffentliche Ladesäulen, die bei strömenden Regen ungeschützt im Freien stehen und 5 min Fußmarsch von mir entfernt sind angewiesen, könnte ich schon einen Gedanken daran verschwenden.

Wer jedoch über Lademöglichkeiten zuhause verfügt und Elektromobilität eine Chance geben will, der Jeep Compass Elektro tut alles, damit auch Alltag und Freizeit auf und abseits befestigter Straßen zu einem tollen Erlebnis werden.

Was kostet der Jeep Compass Elektro in Österreich?

Der Einstieg mit 74-kWh-Batterie und 213 PS startet laut Jeep Österreich bei 47.300 Euro, die reichweitenstärkere 96-kWh-Version mit 231 PS bei 50.800 Euro (jeweils Ausstattungslinie Altitude).

Seitenansicht des Jeep Compass Elektro in Weiß
Flach und windschlüpfrig. Foto: Jeep

Datenblock: Jeep Compass Elektro

Antrieb Elektro, Frontantrieb
Leistung 157 kW / 213 PS (74 kWh) bzw. 170 kW / 231 PS (96 kWh)
Reichweite (WLTP) bis 500 km (74 kWh) / bis 660 km (96 kWh), laut Hersteller
Verbrauch (WLTP) 17,4–19,1 kWh/100 km, laut Hersteller
Preis Österreich ab 47.300 Euro (74 kWh) / ab 50.800 Euro (96 kWh)
Verfügbarkeit bestellbar, Auslieferung seit Sommer 2026

Wer mehr Kraft und echten Allradantrieb sucht, findet sie in der separaten Compass-4xe-Variante mit 375 PS. Wie sich der neue Compass gegenüber dem Vorgänger schlägt, hat Motorblock bereits bei der ersten Vorstellung eingeordnet.

Motorblock-Fazit

Wieviel Jeep blieb einem Stellantis-Konzernprodukt wie dem Jeep Compass noch im Blut? Diese Frage ist nicht vollständig zu beantworten. Feststeht: das Europäische steht dem Urwüchsler aus den US of A gar nicht schlecht. Als Vollelektriker hat auch der Compass mit allen diesbezüglichen Missständen zu kämpfen, ebenso wie er die Positiva voll abräumt. Dass der Allradantrieb fehlt, stört auch mehr auf der Gefühlsebene, denn in echt. Und auch wenn Autopreise heutzutage generell mehr Schreckpotential haben, als dereinst Bram Stokers Dracula in schwarzweiß auf der Leinwand, bleiben 47.300 Euros für ein doch recht erwachsenes SUV mit Kult-Namen und guter Ausstattung ein überschaubarer Wert.

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