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Lechner Racing: Die Cup-Flüsterer

4 Min. Lesezeit

Pinke Porsche 911 Cup Rennwagen von Lechner Racing in der Werkstatt in Thalgau bei Salzburg

Das Wichtigste in Kürze:

  • Lechner Racing aus Thalgau bei Salzburg ist mit zehn Fahrer- und 13 Teamtiteln das erfolgreichste Team in der Geschichte des Porsche Mobil 1 Supercup.
  • Das Familienunternehmen der Brüder Walter und Robert Lechner ist seit 2003 im Supercup aktiv, die Wurzeln reichen mehr als 50 Jahre zurück.
  • Als Talentschmiede für Porsche-Junioren durchliefen unter anderem Thomas Preining und Ayhancan Güven die Schule des Teams.
  • Aktuell setzt Lechner Racing drei Porsche 911 Cup der neuesten Generation mit 382 kW (520 PS) ein, insgesamt stehen 78 Rennsiege zu Buche.

Reinweiße Halle, kein Ölfleck am Boden, mittendrin drei Porsche 911 Cup in Pink mit den Startnummern 1, 2 und 3: So beginnt der Arbeitstag bei Lechner Racing in Thalgau bei Salzburg. Was aussieht wie ein cleanes Werksteam, ist tatsächlich ein Familienbetrieb. Walter und Robert Lechner führen das Unternehmen in zweiter Generation, morgens um 9.11 Uhr beginnen die ersten Meetings.

50 Jahre Motorsport in der Familie

Die Wurzeln reichen in die 1970er-Jahre: Walter Lechner senior, damals Disco- und Kaffeehausbesitzer, absolvierte als Quereinsteiger einen Kurs der Jim Russell Racing Drivers School und gründete 1975 seine eigene Rennfahrerschule. Aus ihr gingen später Formel-Piloten wie Stefan Bellof, Toto Wolff und Alexander Wurz hervor, ebenso seine Söhne. Als Walter junior 2003 in den GT-Sport wechseln wollte, gründete die Familie kurzerhand ein eigenes Team. Lechner Racing schrieb damit das erste Kapitel im Porsche Mobil 1 Supercup, zwei Jahre später folgte mit Alessandro Zampedri der erste Titel.

Frisch foliert: Die Porsche 911 Cup-Fahrzeuge von Lechner Racing für die Saison 2026
Frisch foliert: die Porsche 911 Cup-Fahrzeuge von Lechner Racing für die Saison 2026. © Porsche

Warum ist Lechner Racing im Supercup so dominant?

Seit 1993 begleitet der Porsche Mobil 1 Supercup als Markenpokal die Formel-1-Wochenenden, aktuell mit acht Läufen auf Strecken wie Monaco, Spa-Francorchamps und Monza. Alle Teams treten mit technisch identischen 911 Cup an, 382 kW (520 PS) aus dem 4,0-Liter-Saugmotor des 911 GT3. Weil das Material gleich ist, entscheidet der Mensch. Genau hier hat sich Lechner Racing über 23 Jahre im Supercup zum Spezialisten entwickelt: Mehr als 15.000 Michelin-Reifen gingen laut Team-Angaben durch die Hände der zehn Mitarbeiter, die an Rennwochenenden im Einsatz sind. Dieses Erfahrungswissen ergibt, kombiniert mit dem Teamgeist, zehn Fahrer- und 13 Teamtitel sowie 78 Rennsiege insgesamt.

Historische Aufnahme von Lechner Racing beim Porsche Mobil 1 Supercup in Monte Carlo
Lechner Racing beim Supercup-Lauf in Monte Carlo: Patrick Huisman (Startnummer 4) vor Gesamtsieger Alessandro Zampedri. © Porsche

Talentschmiede für Porsche-Junioren

Der Erfolg hat auch mit der Rolle als Ausbildungsstätte zu tun. In den Markenpokalen lernen Nachwuchsfahrer unter identischen technischen Bedingungen ihr Handwerk, bevor Porsche seine Junioren weiter Richtung GT3- und Langstreckensport begleitet. Bei Lechner Racing drückten unter anderem der spätere DTM-Champion Thomas Preining und der aktuelle DTM-Meister Ayhancan Güven die Schulbank, ebenso frühere Supercup-Titelträger wie Sven Müller und Bastian Buus. Dass der Draht zu ehemaligen Junioren bleibt, zeigt ein Detail: Als Nachwuchsfahrer Caleb Sumich kürzlich Thalgau besuchte, saß er bei Mutter Christine Lechner mit am Mittagstisch.

Rennhelm von Thomas Preining aus dem Jahr 2022 bei Lechner Racing, im Design von Walter Lechner senior
Souvenir in der Werkstatt: der Helm von Thomas Preining aus dem Jahr 2022, im Design von Walter Lechner senior. © Porsche

Dass Walter und Robert Lechner ihre Fahrer verstehen, liegt auch daran, dass beide selbst erfolgreiche Rennfahrer waren: Robert gewann gesamt die 24 Stunden auf dem Nürburgring, Walter war jüngster Klassensieger der 24 Stunden von Le Mans. „Dadurch sehen wir immer beide Seiten“, sagt Robert Lechner, „wir übernehmen die Rolle der Teamchefs, können uns aber auch in die Situation der Fahrer hineinversetzen.“

Walter und Robert Lechner, Geschäftsführer und Teamchefs von Lechner Racing, waren selbst erfolgreiche Rennfahrer
Walter (links) und Robert Lechner waren selbst Rennfahrer, heute führen sie Lechner Racing gemeinsam. © Porsche

Motorblock-Fazit

Lechner Racing zeigt, dass österreichischer Motorsport nicht laut sein muss, um international zu zählen. Mit zehn Fahrer- und 13 Teamtiteln ist das Team aus Thalgau die erfolgreichste Adresse der Supercup-Geschichte, mit Preining und Güven auf der Fahrerliste zugleich eine verlässliche Talentschmiede der Marke. Dass daraus über 50 Jahre ein Familienbetrieb geblieben ist, in dem der Teamchef jeden Mechaniker per Handschlag begrüßt, macht die Geschichte auch abseits der Rennstrecke lesenswert.

Weiterführend bei Motorblock: Porsche 911 Challenge: 515 PS ohne Kennzeichen und Porsche 911 GT3 Bergsport: 100 Elfer für die Alpen.

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