Papamobile: 100 Jahre Mercedes im Vatikan

4 Min. Lesezeit

Weißes Mercedes-Benz G 580 Papamobil mit transparenter Kuppel im Vatikan

Seit 1930 fährt der Papst Mercedes. Zum Jubiläum zeigt die Marke im Vatikan acht historische Päpstewagen, vom Nürburg 460 bis zum ersten elektrischen Papamobil auf Basis des G 580.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ausstellung: „Mercedes-Benz: A Century of Popemobiles“ im Vatikan, bis 31. Jänner 2027
  • Ort: Glaspavillon nahe der Pinakothek
  • Fahrzeuge: acht Päpstewagen von 1930 bis 2024, dazu Benz Patent-Motorwagen (1886) und eine aktuelle S-Klasse
  • Highlight: das seit 2024 genutzte, vollelektrische Papamobil auf G-580-Basis
Weißes Mercedes-Benz G 580 Papamobil mit transparenter Kuppel im Vatikan
Das jüngste Exponat: Der vollelektrische G 580 als Papamobil, in Weiß gehalten und mit gelb-weißen Fähnchen am Kotflügel. Foto: Mercedes-Benz

Was zeigt die Ausstellung im Vatikan?

Mercedes-Benz hat im Vatikan einen Glaspavillon nahe der Pinakothek bezogen. Bis zum 31. Jänner 2027 stehen dort acht Fahrzeuge, die ein knappes Jahrhundert Zusammenarbeit erzählen. Die Marke begleitet den Heiligen Stuhl laut Hersteller seit 1930 mit Repräsentationsfahrzeugen. Die Schau ist damit weniger Modellshow als rollendes Geschichtsbuch.

Mercedes-Benz 600 Pullman-Landaulet in der Papamobile-Ausstellung im Vatikan
Im Glaspavillon steht der 600 Pullman vorn, dahinter reihen sich die weiteren Päpstewagen bis zum Papamobil auf G-Klasse-Basis. Foto: Mercedes-Benz

Wie fing es 1930 an?

Papst Pius XI. bekam 1930 einen Mercedes-Benz Nürburg 460 als Geschenk der damaligen Daimler-Benz AG. Die Pullman-Limousine mit 4,6-Liter-Achtzylinder war das erste Auto, das ein Papst regelmäßig nutzte. Der Innenraum wurde eigens angepasst: ein Einzelsitz für den Pontifex mit Seidenbrokat, ausgewählte Hölzer und Metalle, ein kunstvoll gestalteter Dachhimmel.

Mercedes-Benz Nürburg 460 Papstwagen für Pius XI.
Der Nürburg 460 (W 08) von 1930 begründete die Verbindung zwischen Mercedes-Benz und dem Vatikan. Foto: Mercedes-Benz

In den Jahrzehnten danach entstanden Landaulets und Pullman-Limousinen. Das 300 d Landaulet von 1960 für Johannes XXIII. hat einen verlängerten Radstand und herausnehmbare hintere Seitenscheiben für öffentliche Auftritte. Beim Öffnen der Fondtüren fahren Trittstufen aus. Der 600 Pullman-Landaulet für Paul VI. kam im Herbst 1965 mit verbreiterten Hecktüren, angehobenem Fonddach, Kühlsystem und Sprechanlage zum Fahrer.

Mercedes-Benz 600 Pullman-Landaulet W 100 Sonderausführung für den Vatikan
Der 600 Pullman-Landaulet (W 100) wurde im Herbst 1965 an Paul VI. übergeben. Foto: Mercedes-Benz

Wann wurde aus der Limousine das Papamobil?

1980, zum Deutschlandbesuch von Johannes Paul II. Auf Basis der erst ein Jahr zuvor präsentierten G-Klasse entstand der 230 G mit hoher Sitzposition, transparenter Kuppel, perlmuttfarbenem Lack und weißem Innenraum. Im Mittelpunkt stand nun, dass der Papst gesehen wird und den Menschen nahe ist. Ein zweites, identisches Fahrzeug folgte auf Basis des 230 GE.

Mercedes-Benz 230 G W 460 erstes Papamobil von 1980 mit transparenter Kuppel
Das erste Papamobil: der 230 G (W 460) mit langem Radstand und Kuppel über dem Fond. Foto: Mercedes-Benz

Das Konzept wanderte später auf die M-Klasse: 2002 mit dem ML 430, dessen Kuppel stärker in die Karosserie integriert wurde, und im Dezember 2012 mit dem ML 500 für Benedikt XVI., bei dem die transparente Fondkonstruktion größer ausfiel und den Einstieg erleichtert.

Mercedes-Benz ML 500 W 166 Papamobil für Papst Benedikt XVI.
Der ML 500 (W 166) von 2012 bekam mehr Glasfläche und ein überarbeitetes Beleuchtungskonzept im Fond. Foto: Mercedes-Benz

Was fährt der Papst heute?

Seit 2024 steht dem Vatikan das erste vollelektrische Papamobil zur Verfügung, ein Mercedes-Benz G 580 in Sonderausführung. Für die Serie nennt Mercedes-Benz beim G 580 einen kombinierten Stromverbrauch von 30,4 bis 27,7 kWh/100 km (Herstellerangabe). Wer die Serien-G-Klasse genauer kennenlernen will, findet hier unsere Vorstellung des G 580. Die G-Klasse kommt bekanntlich aus Graz, das Papamobil hat also auch eine steirische Wurzel.

Welche Fahrzeuge stehen noch dort?

Zur Ausstellung gehören außerdem der 300 SEL Pullman von 1967 (um 650 Millimeter verlängert), der S 500 lang Landaulet der Baureihe 140 von 1997 und der ML 430. Zwei Zusatzexponate schlagen die Brücke zum Jubiläum „140 Years of Innovation“: ein Benz Patent-Motorwagen von 1886 und eine aktuelle S-Klasse, die bis Mitte Oktober auf der „140 Places“-Tour unterwegs war. Mehr dazu in unserem Bericht über die Weltreise der S-Klasse.

Die Ausstellung im Überblick

Titel Mercedes-Benz: A Century of Popemobiles
Ort Glaspavillon nahe der Pinakothek, Vatikan
Laufzeit bis 31. Jänner 2027
Exponate acht Päpstewagen (1930 bis 2012), zusätzlich Patent-Motorwagen 1886 und aktuelle S-Klasse
Jüngstes Papamobil Mercedes-Benz G 580, vollelektrisch, seit 2024 im Einsatz

Motorblock-Fazit

Kaum eine Marke kann auf eine so lange und so sichtbare Kundenbeziehung blicken: Vom Brokatsitz im Nürburg bis zur Kuppel auf dem elektrischen G. Wer im Winter eine Rom-Reise plant, hat bis Ende Jänner Zeit für einen Abstecher, und für alle anderen sind die Fotos ein schöner Beleg dafür, wie sich ein Auto an seine Aufgabe anpasst. Preise spielen hier keine Rolle: Die Fahrzeuge sind Unikate.

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