BMW X5M und X6M: Herzrasen bei Freund und Feind

BMW sorgt mal wieder für Herzrasen in der SUV-Fraktion – und zwar bei Freund und Feind gleichermaßen. Denn wenn die Bayern im Mai zu Preisen ab 128.100 Euro X5 und X6 auch in einer M-Version an den Start gehen, steigt der Blutdruck bei den reichen Rasern ebenso wie bei den Klimaschützern.

Von Thomas Geiger

Grund dafür ist in beiden Fällen der 4,4 Liter große V8-Turbo der M GmbH, der mit Kraft im Überfluss lockt: Er leistet schon in der alles andere als bescheidenen Basisversion des X5M 600 PS und geht mit bis zu 750 Nm zu Werke, und wer sich für den X5M „Competition“ oder den X6 entscheidet, der kann bei identischem Drehmoment sogar auf 625 PS bauen. Das reicht für Fahrleistungen, bei denen der Vollgasfraktion der Bleifuß zuckt und allen anderen der Kamm schwillt. Denn ungeachtet ihrer stolzen zwei Tonnen beschleunigen die Kaventsmänner im besten Fall in 3,8 Sekunden auf Tempo 100 und blasen mit bis zu 290 km/h die meisten Sportwagen von der linken Spur. Für die einen mag das obszön sein, während die anderen darauf nur erwidern: „Und ob das schön ist!“ Aber wie jedes Vergnügen, hat auch das Bodybuilding auf der Buckelpiste seinen Preis – und den muss man auch dann noch bezahlen, wenn die Anschaffung längst abgeschrieben ist: An der Tankstelle. Denn die bestenfalls 12,5 Liter aus dem Normzyklus, die Klimaschützer so auf die Palme bringen, lassen sich bei gattungsgerechter Gangart spielend verdoppeln. Aber so schädlich das für die Umwelt auch sein mag, leisten M-Fahrer selbst damit einen Dienst an der Gesellschaft – und sorgen dafür, dass die Mineralölsteuer-Einnahmen sprudeln.  


Verwerflich oder vergnüglich – das ist eine Frage des Blickwinkels und der Weltanschauung. Doch davon unbenommen ist es faszinierend, wie kultiviert die M GmbH diesen Kraftakt inszeniert und wie komfortabel sich diese Kampfwagen bewegen lassen. Extrem steif und eng an die Fahrbahn gebunden, bieten sie noch immer reichlich Restkomfort und lassen sich trotz des üppigen Gewichts, des hohen Schwerpunkts und des stattlichen Formats handlich und ausgesprochen agil bewegen. Die aktive Wankstabilisierung sorgt für eine aufrechte Gangart, die progressive Lenkung dafür, dass der Spaß größer wird, je kleiner der Kurvenradius ist. Und die mit jedem Schärfegrad im Fahrprogramm noch etwas weiter nach hinten verschobene Kraftverteilung des Allradantriebs tut ihr übriges, um Form und Format vergessen zu machen. Würde man nicht so hoch sitzen und so viel einladen können, ginge der X5M deshalb glatt auch als M5 durch – und im X6M verschärft sich dieses Gefühl sogar noch einmal.

So provozierend die Autos und ihre Positionierung auch sein mögen, so wenig provozieren sie mit ihrem Auftritt. Nein, dezent sind die M-Modelle natürlich nicht. Doch nachdem BMW vor allem beim X6 schon beim Grundmodell so dick aufgetragen hat, dass er eher aussieht wie eine Karikatur denn ein Coupé, haben sich die M-Designer beim Nachschärfen sichtlich schwergetan und selbst als Competition fällt der X6M nicht weiter auf. Und das gilt nicht nur für die Optik, sondern auch für den Sound, der auch mit geöffneten Klappen im Auspuff lange nicht so peinlich und prollig ist, wie sich das die eher extrovertierte Kundschaft wünschen dürfte. Dabei ist Understatement in so einem Auto nun wirklich fehl am Platz.

Deutlicher werden die Unterschiede da schon im Innenraum – nur leider nicht immer zum Guten. Denn die beiden roten M-Ausleger machen das ohnehin schon überfüllte Lenkrad nicht eben schicker und die Schaltkulisse ist so kompliziert, dass man die ersten Rangierversuche besser ohne Publikum macht, weil man sonst garantiert irgendwann im Leerlauf hängen bleibt und sich entsprechend blamiert. Immerhin sind die Sportsitze nahezu perfekt, weil sie fast so viel Seitenhalt bieten wie eine Rennschale und man trotzdem auch nach sechs, sieben Stunden noch ganz entspannt aussteigt, weil der Fahrer – wie es sich für einen professionellen Sportler gehört – während seines Einsatzes auf Knopfdruck sogar brav massiert wird.

Ein bisschen Entspannung hat man am Steuer von X5M und X6M aber auch verdient, denn so leicht sich die beiden Boliden bändigen lassen, muss man zumindest vor dem Einsteigen hart arbeiten – um den unsittlich hohen Kaufpreis zu erwirtschaften. Schließlich startet der X5M bei 128.100 Euro für das Grundmodell und 141.400 Euro für den Competition und der nur als Competition erhältliche X6M steht sogar mit 144.200 Euro in der Liste. Das liegt nicht allein an der üppigen Ausstattung und dem umfangreichen Technik-Tuning. Sondern diese Kalkulation beinhaltet auch einen CO2-Obolus. Schließlich treibt jeder X5M oder X6M nicht nur Umsatz und Gewinn, sondern auch den Flottenverbrauch und damit die mögliche Bußgeldzahlung an Brüssel in die Höhe.