Leapmotor B05 kommt mit 218 PS und Heckantrieb

10 Min. Lesezeit

Ein graues Kompakt-SUV in Dreiviertelansicht vorne rechts auf einer trockenen Wiese vor einer Felswand mit Bäumen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Modell: Leapmotor B05, erster sportlich positionierter Elektro-Hatchback der Marke
  • Antrieb: 160 kW/218 PS, Heckantrieb, 0–100 km/h in 6,7 Sekunden (Herstellerangabe)
  • Reichweite: laut WLTP bis zu 482 km (67,1-kWh-Akku) bzw. 401 km (56,2-kWh-Akku)
  • AT-Preis: ab 26.490 Euro Aktionspreis (inkl. 500 Euro Bonus)
  • Verfügbarkeit: ab sofort bei allen 41 österreichischen Leapmotor-Standorten

Ein Elektro-Kompaktwagen mit Heckantrieb und ansatzweise coupéhafter Silhouette: Das ist im margenschwachen C-Segment die Ausnahme, nicht die Regel, in der Fronttriebler-Stromer den Ton angeben. Leapmotor stellt sich mit dem neuen B05 bewusst quer dazu und bringt das Modell ab sofort in ganz Österreich an die Händler. Es ist dies ein eng geschnittenes, jung designtes Kompakt-SUV-Format, dessen Protagonisten man nun öfters findet, unter den Chinesen. Aber wie kommt es zum Prädikat „sportlich“?

Lauschen wir zunächst dem Marketingsprech: Der B05 ist Leapmotors erster sportlich positionierter Elektro-Hatchback und soll  „Fahrspaß mit Alltagstauglichkeit“ verbinden. So weit so klar. Dass man „Alltagstauglichkeit“ bei einem Brot-und-Butter-Auto als Feature anführt beweist zumindest Extravaganz. Und das mit dem Fahrspaß schauen wir uns noch an. Immerhin machen die Vorzeichen Laune. Unter dem Blech steckt eine Fahrwerksabstimmung, die gemeinsam mit dem Chassis-Team von Stellantis entwickelt wurde: McPherson-Vorderachse, Mehrlenker-Hinterachse, 50:50-Gewichtsverteilung. Das ist die Handschrift eines Autos, das nicht nur effizient, sondern auch handlich sein will.

Leapmotor B05 auf einer Straße mit Straßenbahnschienen
Der Leapmotor B05 kommt geduckt daher. Reicht das schon für Sportlichkeit?. Foto: Georg Krewenka

Durchaus gefällig auch die Heckpartie. Steht ebenfalls für Sportlichkeit. Foto: Georg Krewenka

Was steckt unter der Haube?

Der Elektromotor leistet 160 kW, umgerechnet 218 PS, und schickt 240 Newtonmeter ausschließlich an die Hinterachse. Laut Leapmotor genügen 6,7 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h, ein eigener Launch-Control-Modus soll dabei für kraftvollen Antritt sorgen. Zum Vergleich: Das ist ungefähr das Leistungsniveau eines VW Golf GTI, nur eben lautlos und mit viel weniger kinetischer Energie in der Erzeugung. Tatsächlich macht der Leapmotor B05 schon wenn man sich ihm nähert einen erfrischend spritzigen Eindruck. Einzig Respakt und Sorge bezüglich des Platzangebotes bereicherns sich des etwas größer gewachsenen Testers, den man in letzter Zeit eine Spur zu oft auf seine „legendären“ Auto-Einsteig-Videos auf Social Media anspricht. Aber ja, man kann sich ohne viel verrenken reinschlichten und auch das Sitzen findet zwar passgenau, aber doch gemütlich statt. Sogar hinter einem selbst könnte man noch irgendwie kauern, wenns denn nötig wäre. Normal dimensionierte Menschen finden irgendwie gemütlich Platz, heißt es.

Wer sich hier nun Stellantis-übliches Bedien-Gewerk erwartet liegt allerdings falsch. Weder der – zuerst in Peugeots erschienene – Automatik-Kippschalter nebst Tastengalerie für P, N und B findet sich hier, noch ein zu kleines Lenkrad, das den Blick auf ein 3D-Display freigibt. Hier wird konventionell E-Auto-style geliefert: ein kleines Display über dem Lenkrad, ein großer Touchscreen in der Mitte, vier Knöpfe und zwei Drehregler am brettförmigen Lenkrad, aus, Schluß. Prominent Platz gewinnt die Handy-Ladetasse in der Mittelkonsole, für Drinks gibts auch noch zwei Halterungen. Ansonsten dominieren, neben den Black Mirrors, zwei überdimensionierte Belüftungsdüsen den Innenraum, deren Umrandung sogar Discobeleuchtung kann:

Achtung, Assistent!

Es ist halt das Schicksal der neuen Zeit, sich bevor man (erstmals) losfährt mit der von Marke zu Marke verschiedenen Emojiwelt anzufreunden. Wer hier nach Stellantis-verwandtem sucht liegt falsch. Überhaupt lernt man neue Kürzel kennen, taucht man in die Tiefen der Menüs. Als Brandmauer gegen all die nervigen Piepserln und Besserwisserln, die einem die EU verordnet, sollte man stets nach dem Kürzel ADAS suchen. Dort sind sie dann alle meine Freunde versammelt: Spurhalteassisten, Notspurhalteassistent, Tempoüberschreitungswarner, Frontkollisionsassistent, Aufmerksamkeitsaufpasser. Muss man gesetzeskonform vor jeder Fahrt deaktiveren. Und weil man gelegentlich doch noch Hoffnung schöpft, das möge hier besser funktionieren als anderswo, lässt man den Spurwechseldings mal an. Was sich nach den ersten wenigen Metern als Fehler erweist.

Es wird exaktes Mittig-Fahren von Dir erwartet, sofort wird gebrüllt und angezeigt und überhaupt. Also sofort auch weg damit, damit man sich endlich dem Auto widmen kann. Ein 14,6 Zoll großes Infotainmentdisplay vor Dir, ein 8,8 Zoll großes digitales Kombiinstrument in der Mitte, dazu ein Panoramaglasdach und je nach Ausstattungslinie beheizbare Sitze. Die Leapmotor-App erlaubt Klimatisierung, Ladeplanung und Standortabfrage aus der Ferne, das Smartphone dient zusätzlich als digitaler Autoschlüssel. Navi? Leicht zu finden, ebenso zu programmieren. Musik kommt via Handy-Connection, Carplay gibts keines ohne Kabel. Dafür kann man sich das kleine Display hinterm Lenkrad wirklich fein insofern konfigurieren, als dass man sich nach ganz rechts ans Ende wahlweise Musik, Navi, oder sonstige wichtige Facts legen kann, auf dass das große Teil in der Mitte für wichtige Dinge verfügbar bleibt. Welche auch immer das sein sollten.

Piep. Aber wir haben das Ding doch ausgeschaltet? Egal. „Bei der ersten Tranche an Autos kann man den Aufmerksamkeitsassistenten leider nicht deaktivieren, obwohl es den Anschein hat.“ Alles klar, so ein Zufall. Und der verpfeift einen dann gleich wieder an all die anderen Assistenten, die sich flugs wieder zurück ins Geschehen rufen, OBWOHL man sie daktiviert hat. Kann man ja nicht alleine autofahren lassen, den Typen, der baut sich sonst ja sofort wo ein …

… und hat man ihn auch deaktiviert, so aktiviert er sich ganz einfach flugs von selbst wieder, das wackere Helferlein.

Christian Bley, Countrymanager für Leapmotor bei Stellantis in Österreich reagiert verständlicherweise schon etwas genervt auf die ewigen Nachfragen wegen den nervtötenden Assistenten, die einem tatsächlich ein wenig den Blick auf die wirklich guten Features dieses Autos verstellen. „In China fahren die meisten B05 längst autonom, dann gehen die blauen Lichter an und gut ist es.“ Klar, dann braucht es all die wichtigen Assistenten fürs selberfahren, was ja im Reich der Mitte scheints tatsächlich recht gut klappt. Zumal man im Herkunftsland des Leapmotor das Thema Haftung beim Selberfahren recht pragmatisch gelöst hat. Auch wenn Du Deine Karre herself fahren lässt, bist Du für sie und das was sie gegebenenfalls falsch macht verantwortlich. In der guten alten EU ist man von sowas noch meilenweit entfernt, schlägt sich mit Versicherungen und sonstigen Lobbyisten herum. Und schreibt den armen Automobilen derweilen halbgare Gepiepse-Zwischenlösungen vor, die deren Nutzer solide in den Wahnsinn treiben.

Also gut, wir glauben jetzt mal ganz einfach, dass das Assistentenwesen sich ab der nächsten Lieferung B05-Modelle tatsächlich nachhaltig wegschalten lässt und widmen uns den abermillionen weiteren Features dieses sich erstaunlich erwachsen anfühlenden Automobils.

Wie fährt er sich?

Ein tolles Feature an diesen neuen, kleinen, elektrisch betrieben Automobilen: sie fühlen sich allesamt erwachsener an als sie es sind. Das gilt für den brandneuen VW ID.Polo ebenso wie für den schnieken Renault 5 oder auch den frischen Nio. So also auch hier – vergleicht man den Leapmotor B05 mit einem ähnlichen Auto derselben Klasse von vor 15, 20 Jahren, dann waren das damals rechte Klapperkisten. Natürlich gilt es auch hier zunächst umzudenken: wir fahren ja schließlich kein Automobil im klassischen Sinne, per definitionem also ein selbstfahrendes Fahrzeug, das um einen Verbrennungsmotor herum gebaut wurde, sondern ein Automobil der aktuellen Bauart, also ein ziemlich intelligent agierendes Tablet mit vier Radeln dran. Dass man dabei im Rollvortrieb nicht nur (ebenfalls vorgeschrieben!) Motorlärm simuliert, sondern hier quasi durch den Heckantrieb (defacto wäre es egal, an welche Achse man den E-Motor hängt) Vintage-Fahrgefühl injiziert, rührt einen alten Sack wie mich fast zu Tränen.

Schon auf den ersten Metern wird deftig angetreten, keine Vorderräder winseln hilflos um Grip, die ganze Fuhre fühlt sich wie ein gut trainierter Muskel an und dass man mit den hier verbauten 218 PS „nur“ in knapp sieben Sekunden und nicht wesentlich schneller auf die 100 sprintet, freut die in Würde gealterten Bandscheiben des Fahrers. Das Lenkrad gibt sich griffig, die Bedienelemente finden sich alle in guter Griffweite, wo der Blick auch hinfällt gefällt es ihm und ja, tatsächlich, es herrscht genug Platz vor beim Fahren.

Erst wenn man das kompakte Ding um Ecken wuchtet, tanzt ein wirklich properes Fahrwerk mit dem gut abgestimmten Antrieb, zum Driften haben wir das ganze nicht gereizt, obwohl es sicher möglich wäre. Mächtig Wumms liefert die eingebaute Soundanlage, die sich elektronisch auf ziemlich viele Arten und Weisen konfigurieren lässt, der Sound kommt vom Handy und wenns nicht dauernd nervig reinpiepsen würde … aber das hatten wir ja schon.

Wie weit reicht eine Ladung?

Zwei Batterien stehen zur Wahl. Mit dem kleineren 56,2-kWh-Akku soll der B05 laut WLTP bis zu 401 Kilometer weit kommen, mit der großen 67,1-kWh-Variante bis zu 482 Kilometer. Beide Batterien sitzen als Cell-to-Chassis-Konstruktion direkt in der Karosseriestruktur, das spart Gewicht und erhöht die Steifigkeit. An einer ausreichend starken Schnellladestation soll die Batterie laut Hersteller in rund 17 Minuten von 30 auf 80 Prozent laden. Während einer eineinhalbstündigen Testfahrt mit Regen und allem leisteten sich die diesbezüglichen Infogeber jedenfalls keine Blöße, die Reichweite sank bewegungskonform ab, kein Anlaß zur Sorge. Wer sich schnell in die Kurve lehnt, wir mit immerwährender Neutralität belohnt, zur Zeit noch ein höchst österreichisches Feature. Bloß ab etwa 120 km/h erinnern einen physikalische Gegebenheiten daran, halt doch noch immer in einem Auto der Kompaktklasse (SUV hin, „Coupé“ her) zu sitzen, das geht aber durchaus ok, finden wir.

Cockpit des Leapmotor B05 mit Panoramaglasdach
Blick vom Fond auf Cockpit und Panoramaglasdach des B05. Foto: Georg Krewenka

Was kostet der Leapmotor B05?

Die Einstiegsversion B05 Life Pro mit dem kleineren Akku kostet als Aktionspreis 26.490 Euro, die Design Pro Max mit großem Akku und mehr Ausstattung 30.490 Euro, jeweils inklusive eines 500-Euro-Willkommensbonus. Beides sind das stattliche Ansagen für ein Auto das wirklich viel kann und sich auch so anfühlt. Beim Mitbewerb, auch bei jenem aus dem eigenen Haus, kriegt man ums gleiche Geld wesentlich weniger, ein Phänomen, das die derzeit anflutende Chinamarken-Schwemme längst in den Köpfen der potenziellen Autokäufer verankert hat. Bloß die Zielgruppe ist uns noch nicht ganz klar, Während das Auto in Stil und Style und Auftritt auf eher jüngere Käufer (wie in China en vogue) abzielt, wird hierzulande eher Herr und Frau Sparefroh auf den B05 scheangeln – was ihm nicht gerecht wird, muss man sagen. Den Hersteller, der hierzulande mit 41 Outlets längst ein beachtliches Händlernetz aufgezogen hat, stört das wenig. Erfahrungen aus dem ersten Jahr an Markt zeigen laut Markenchef Bley, dass die Leapmotor-Kunden hauptsächlich Neukunden bei ihren Händlern sind, die ja durchwegs auch andere Produkte aus den Häusern von Stellantis feilbieten. Man kommt von VW, von Hyundai, Kia oder von BYD, eher als von Peugeot, Opel, Fiat oder Citroen.

Modell Batterie Leistung WLTP-Reichweite Aktionspreis (AT)
B05 Life Pro 56,2 kWh 160 kW / 218 PS 401 km 26.490 €
B05 Design Pro Max 67,1 kWh 160 kW / 218 PS 482 km 30.490 €

Werte gemäß Hersteller/WLTP.

Motorblock-Fazit: 218 PS, Heckantrieb und ein Einstiegspreis unter 27.000 Euro sind eine Ansage im E-Kompaktsegment. Wie schon Geely oder das MG4 EV Urban zeigt auch Leapmotor, dass günstige Elektromobilität aus China längst in Österreich angekommen ist. Und mehr kann, als der neidige Mitbewerb ihr bisweilen unterstellt.

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