
Porsche 911 GT3 RS Salzburg Design: Nicht einfach weiterwischen!
Porsche Österreich erweckt das legendäre Salzburg Design von 1970 zu neuem Leben. Auf einem 911 GT3 RS. Eine Geschichte über eine mutige Frau, 525 PS und die Frage, warum kein Reel der Welt das Erzählen ersetzt
Text: Gregor Josel / Bilder: Eryk Kepski & Porsche AG.
An alle Bilderstürmer des ewigen Feeds, das hier ist eine Liebeserklärung mit Widerhaken. Sie können Reels. Sie können TikTok. Sie können Instastory. Aber können sie auch erzählen? Genau dort, fürchte ich, trennen sich unsere Wege. Zumindest für etwas mehr als acht Sekunden. Sofern Sie, liebe Leserin, lieber Leser, meiner Einladung folgen und die Bilder vom Screen kurz gegen Bilder im Kopf tauschen.
Es gibt ein Geräusch, das ich an stillen Sonntagen kaum noch ertrage. Das leise, klebrige Ziehen eines Daumens über bruchfestes Glas. Das Weiterwischen. Eines nach dem anderen, Posting um Posting, Auto um Auto, Reel um Reel, alle in derselben Tiefgarage oder am selben Berg gefilmt, alle unterlegt mit demselben Bass, der an derselben Stelle knallt. Alles muss irgendwie halt ballern, um in der gen fünf Sekunden sinkenden Aufmerksamkeitsspanne die Gunst des Users zu erhaschen.
Ich bewundere die jungen Leute, die das machen, und ich meine das ganz ohne Ironie. Sie beherrschen Dinge, die ich nie gelernt habe. Den Schnitt auf den Beat, die Slowmo über die Felge, die Drohne, die ums Auto kreist wie ein verliebter Bussard. Die Speedramp, bei der du nicht wegschauen kannst. Nur eines können sie selten, die Reels und Storys, die Tiktoks und Snaps: Erzählen. Geschichten. Emotionen. Von Menschen und Maschinen, von der Freude und vom Verzweifeln, vom Feuer im Herzen und dem Wahnsinn im Geiste. Und genau da beginnt mein, nein, unser Metier. Genau dort, wo ihres oftmals endet.
Denn das Auto, von dem ich Ihnen erzählen will, hat etwas, das kein Filter und kein Grading und keine 120 Zeichen-Caption der Welt hinzufügen kann. Eine Geschichte. Und die ist älter als alle, die es heute für einen Zehnsekünder filmen.
Sie beginnt nicht in einer Tiefgarage mit dem Blinzeln des LED-Scheinwerfers. Nicht beim gediegenen Aussteigen vor einem Luxushotel, nicht fesch dank Fashion und nicht per Bro oder Digger. Sie beginnt im Regen von Le Mans.
Die Nacht im Regen von Le Mans
Stellen Sie sich vor, Sie säßen drin. Nicht im Museum, nicht hinter der Absperrung, nicht als Zuschauer am Zaun. Drin in einem Rennwagen der 1970er. Sie liegen mehr, als dass Sie sitzen, die Beine weit nach vorne gestreckt, der Hintern keine Handbreit über dem Asphalt. Hinter Ihren Schultern, so nah, dass die Hitze Ihnen in den Nacken kriecht, arbeiten zwölf luftgekühlte Zylinder. Viereinhalb Liter, rund 580 PS, und ein Ton, der gar nicht erst den Umweg über das Ohr zu nehmen versucht, sondern direkt in den Brustkorb fährt. Es riecht nach heißem Öl, nach Sprit, nach verbranntem Gummi. Der Schalthebel steht rechts neben Ihrem Knie, dünn wie ein Spazierstock. Mehr als ein bissl sowas wie ein Gurt hält Sie nicht.
Helm, Overall und Hoffnung: Das war die Sicherheitsausstattung des Jahres 1970.
13. Juni 1970. Es schüttet, als wollte der Himmel das Rennen einfach vernichten. Auf dem Asphalt steht das Wasser so hoch, dass zeitweise nicht mehr überholt wird, weil niemand mehr irgendetwas sieht. Mittendrin zwei Männer in einem rot-weiß-roten Porsche 917 mit der Nummer 23: Hans Herrmann und Richard Attwood. Der Scheibenwischer kämpft tapfer gegen das Gemisch aus Regen, Reifenabrieb und Ölresten auf der Scheibe. Dann kommt die Hunaudières. Sechs Kilometer schnurgerade durch den Wald von Le Mans, damals noch ohne jede Schikane. Bei Sonne jagt der 917 hier mit 360 hindurch. Heute Nacht aber regnet es, es ist gespenstisch und der Wagen vor Ihnen zieht eine Wand aus Gischt hinter sich her. Weiß, undurchdringlich, in Ihren Scheinwerfern wie Nebel aus Milch. Sie sehen nichts. Sie wissen nur, dass die Strecke geradeaus läuft, und Sie nehmen den Fuß trotzdem nicht vom Gas. Nicht weil Sie besonders mutig wären. Sondern weil das hier Le Mans ist, und weil drei Meter hinter Ihnen ein anderer ebenfalls nicht vom Gas geht.
Le Mans. Nicht irgendein Bergrennen, nein, das härteste Langstreckenrennen der Welt. Und mittendrin diese Fahrmaschine in den Farben eines kleinen Landes.
Vierundzwanzig Stunden später überquert Herrmann die Ziellinie. Erster Gesamtsieg für Porsche in Le Mans. Der erste von mittlerweile neunzehn. Kein Hersteller war bei diesem Rennen je erfolgreicher. Dreihundertdreiundvierzig Runden. 4.607 Kilometer. Vierundzwanzig Stunden, in denen es kaum je zu schütten aufhörte. Im selben Juni stand übrigens Steve McQueen mit der Kamera an dieser Strecke und drehte seinen legendären Film über Le Mans. Die wahre Geschichte des Rennens schrieben aber an diesem Wochenende zwei andere. In Rot und Weiß. Und als Hans Herrmann am Sonntagnachmittag aus dem Wagen stieg, war er am Ende seiner Laufbahn angekommen.

Er hatte es seiner Frau versprochen: Wenn er Le Mans gewinnt, hört er auf. Er gewann. Und hörte auf. Manche Geschichten schreiben sich schöner, als ein Drehbuch es je könnte.
Louise Piëch und die Geburt des Salzburg Designs
Dass der Wagen überhaupt dort stand, verdankt die Motorsportgeschichte einer Frau, deren Namen man sich merken sollte. Louise Piëch, Tochter von Ferdinand Porsche und in Salzburg jene Frau, die den Ton angab, hatte kurzerhand zwei 917 nach Le Mans bringen lassen. Beide in den österreichischen Nationalfarben. Keine Marketingabteilung, kein Markenworkshop, keine Folienpräsentation. Nur eine Frau, die an ihr Team glaubte, und rot-weiß-rot als Bekenntnis.
Aus dieser einen Entscheidung wurde eine der berühmtesten Lackierungen, die der Rennsport kennt. Man nennt sie bis heute das „Salzburg Design“.
Die Rückkehr der Farben: der 911 GT3 RS Salzburg Design
Fünfundfünfzig Jahre später holt Porsche Österreich diese Farben zurück. Nicht als müden Retro-Aufguss, nicht als Sticker-Kit für die Midlife-Crisis, sondern als vollwertigen 911 GT3 RS aus der Exclusive Manufaktur. Handgemacht, durchkomponiert, bis ins letzte Detail erzählt.





Und erzählt wird hier wirklich. Die LED-Matrix-Scheinwerfer sind abgedunkelt, die Heckleuchten im Exclusive Design, die Räder in seidigem Schwarz. Innen läuft die Geschichte weiter: Sicherheitsgurte in Indischrot, Zifferblätter in Indischrot, dazu das Weissach-Paket und Race-Tex, wohin die Hand greift. Wer die Tür öffnet, dem projizieren kleine LEDs den Schriftzug „BORN IN FLACHT“ auf den Boden. Flacht ist das Dorf bei Weissach, in dem die GT-Modelle entstehen. Wer es weiß, lächelt. Wer es nicht weiß, dem reicht, dass es beim Einsteigen leuchtet und verdammt gut aussieht.
Wie sich der GT3 RS Salzburg Design fährt
Und jetzt möchte ich, dass Sie wieder einsteigen. Fünfundfünfzig Jahre später, in den Wagen, der diese Geschichte weiterträgt. Diesmal liegen Sie nicht so knapp über dem Boden, diesmal hält Sie ein Schalensitz wie eine feste, väterliche Hand. Das Lenkrad ist mit Race-Tex bezogen, oben bei zwölf Uhr eine Markierung, damit Sie selbst im Grenzbereich wissen, wo geradeaus ist. Kein Schalthebel mehr neben dem Knie, nur zwei Wippen hinter dem Kranz. Sie drücken den Startknopf.






Hinter Ihnen wacht ein Vierliter-Sechszylinder auf. Kein Turbo, kein Trick, kein künstlich erzeugtes Bollern aus dem Lautsprecher. Nur Hubraum, Drehzahl und ehrliche Mechanik. Im Stand klingt er rau und ein wenig ungeduldig, für die Stadt hat er nicht viel übrig. Er ist aus einem anderen Holz geschnitzt. Sie rollen an. Die ersten Meter fühlen sich an wie ein Versprechen, das gleich eingelöst wird.
Dann, irgendwo, wo es erlaubt ist, lassen Sie ihn endlich frei. Er atmet tief ein. Viertausend Touren, der Ton wird härter. Sechstausend, er wird heller. Achttausend, und jetzt singt er wirklich, hoch, klar, gnadenlos schön. Neuntausend. Und da ist sie wieder, diese Gänsehaut, die ein Mensch im Regen von Le Mans vor fünfundfünfzig Jahren gespürt haben muss. Nur dass Sie an einem Dienstag auf einer Landstraße sitzen und nicht ums Überleben fahren. Das ist der ganze Fortschritt von fünf Jahrzehnten. Die Gänsehaut ist dieselbe geblieben. Der Preis dafür ist nicht mehr das Leben.




525 PS, 9.000 Touren – und was er kostet
Und dann die Zahlen, die ich Ihnen nicht vorenthalten will, auch wenn Zahlen nie die ganze Geschichte sind. 525 PS, also 386 kW. Knapp vier Liter Hubraum auf sechs Zylinder, die bis 9.000 Touren drehen. Das klingt nicht wie ein Motor, das klingt wie eine Opernarie kurz vor dem hohen C. Null auf hundert in 3,2 Sekunden, Spitze 296. Das Sieben-Gang-PDK macht dabei, was ein gutes Getriebe macht: Es verschwindet. Sie fahren, Sie spüren, Sie verstehen.
Bleibt der Preis, und der ist in Österreich eine eigene Erzählung. 451.607,42 Euro. Ja, ich habe auch zweimal hingeschaut. Davon wandern allein 112.161,08 Euro als NoVA ans Finanzamt, weil dieses Land die Freude mit besonderer Hingabe besteuert. Aber egal, denn wer einen GT3 RS im Salzburg Design kauft, hat mit dem Finanzamt entweder Frieden geschlossen oder einen sehr guten Steuerberater. Vermutlich beides.
Warum kein Reel diese Geschichte erzählt
Und genau hier schließt sich der Kreis zu Ihnen, meine begabten Bilderstürmer. Es gibt Autos, die transportieren Menschen. Und es gibt Autos, die transportieren Bedeutung. Dieser hier trägt fünfundfünfzig Jahre Geschichte mit sich, eine mutige Frau, zwei Fahrer im Regen und das Hochgefühl eines ganzen Landes. Das bekommen Sie in kein Reel. Das passt in keine Story, die nach vierundzwanzig Stunden verschwindet. Beinahe ironisch, denn es waren vierundzwanzig Stunden, die dieses Auto überhaupt erst geadelt haben.
Filmt es. Bitte! Macht die Speedramp, die Slowmo, die kreisende Drohne. Aber wenn man will, dass sich morgen noch irgendjemand daran erinnert, dann gilt es nicht nur ein Auto zu inszenieren. Dann muss man Geschichten erzählen. Über die Nummer 23. Die Frau im Regen. Den Sonntag, an dem ein ganzes Land den Atem anhielt.
Alles andere ist nur ein weiteres Bild, über das ein weiterer Daumen gleitet. Und am Ende eines stillen Sonntags wischt meist niemand mehr zurück.
Infobox
| Modell | Porsche 911 GT3 RS Salzburg Design, Porsche Exclusive Manufaktur |
| Leistung | 525 PS / 386 kW, 3.996 cm³, 6 Zylinder, max. 9.000 U/min |
| Fahrwerte | 0–100 km/h in 3,2 s, Spitze 296 km/h, 7-Gang-PDK |
| Preis (AT) | 451.607,42 Euro inkl. 41 % NoVA (112.161,08 Euro) |
| Hommage | Le-Mans-Gesamtsieg 13./14. Juni 1970, Porsche 917 KH „Salzburg“ Nr. 23, Herrmann/Attwood |
| Web | porsche.com/austria |






