Leichtgewicht mit Durchblick

Der neue Opel Corsa

Im Segment der Kleinwagen ist gerade große Bewegung: Bei Peugeot kommt bald der neue 208, Renault hat in diesen Tagen die nächste Generation des Clio von der Leine gelassen und bei Opel nähert sich die Premiere des nächsten Corsa. Damit der nicht untergeht im Getöse, schlachten die Hessen dien Generationswechsel weidlich aus und reichen jetzt wieder ein Informationshäppchen nach. Denn nachdem sie im Mai schon zu Abnahmefahrten mit abgeklebten Prototypen geladen und Anfang Juni die elektrische Variante als alltagstauglichen Stromer zu volkstümlichen Preisen ins Rampenlicht gerückt hatten, ziehen sie jetzt auch das Tuch von den Verbrennern, die von Juli an zu Preisen ab 13.990 Euro bestellt werden können und zum Jahresende auf die Straße kommen.

Von Thomas Geiger

Im dicht besetzten Konkurrenzumfeld einen Claim abzustecken, ist ein schwerer Job, für den sich Opel vor allem mit Leichtbau rüstet. Denn, der neuen PSA-Plattform sei dank, speckt der Corsa im besten Fall um über 100 Kilo ab und wird damit zum Fliegengewicht in seiner Klasse: Ein Leergewicht von 980 Kilo machen ihn zum leichtesten Kleinwagen am Markt, sagt Projektleiter Thomas Wanke und schiebt still, aber nicht ohne Stolz hinterher, dass auch die Konzerngeschwister mehr auf die Waage bringen.

Verzichten muss man dafür aber auf nichts, verspricht der Chefingenieur. Im Gegenteil: Selbst wenn der Corsa nicht mitmacht beim üblichen Wachstumsschub und mit 4,06 Metern Länge sein Format hält, bietet er innen dank drei Zentimetern mehr Radstand ein bisschen mehr Platz und obendrein einen von 285 auf 309 Liter gesteigerten Kofferraum. Und besser aussehen wird er mit den kürzeren Überhängen und dem um fünf Zentimeter abgesenkten Dach, mit neuen Scheinwerfern und einem sportlichen Schmiss am Heck natürlich auch.

Fast mehr noch als die Platzverhältnissen profitiert die Performance von der neuen Plattform. Denn jedes Kilo weniger auf der Waage hilft dem Corsa in den Kurven, so dass sich die Prototypen bei der ersten Ausfahrt spürbar lebendiger anfühlen als der Vorgänger und die meisten Konkurrenten – erst recht, weil man auch noch drei Zentimeter näher an der Straße sitzt als bisher. Fast ein bisschen zu stramm gefedert und mit einer angenehm direkten Lenkung versehen, kommt der Corsa zwar nicht an den Ford Fiesta als Dynamikchampion unter den Kleinwagen heran. Doch der Polo wird so gar vollends zum Langweiler und was man so aus Frankreich kennt, wirkt brav und bieder.

Und der Opel fährt sich nicht nur sportlicher und dank 1,5 Metern weniger Wendekreis sehr viel handlicher, sondern er soll auch sparsamer werden. Mit 4,2 Litern ist selbst das 131 PS starke Top-Aggregat genügsamer als das sparsamste Modell des Vorgängers.

Zur Wahl stehen neben dem Stromer zunächst drei Benziner und ein Diesel, die allesamt aus Frankreich stammen. Die Otto-Fraktion fährt mit einem 1,2-Liter, der als Sauger 75 und als Turbo 100 oder 131 PS leistet und in der stärksten Version mit einer Achtgang-Automatik kombiniert werden kann. Und beim Diesel setzt Opel auf einen 1,5 Liter großen Vierzylinder, der es auf 100 PS bringen wird.

So lebendig und lebenslustig die Prototypen bei der ersten Testfahrt wirken, bleibt sich Opel in seiner durch und durch deutschen und damit etwas konservativeren Rolle treu: Hinter dem Lenkrad gibt es ein vergleichsweise konventionelles Cockpit, das sich mit klassischem Layout und zumindest fürs erste auch mit analogen Anzeigen deutlich abgrenzt vom verspielten Konzernbruder 208. Dafür wollen die Hessen lieber an anderer Stelle zum buchstäblich leuchtenden Vorbild werden – und rüsten den Corsa deshalb als ersten Kleinwagen auf Wunsch auch mit LED-Matrix-Scheinwerfern aus.