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The Road to Le Mans 2025

2025 begleiten wir das Team Peugeot TotalEnergies – Team auf dem Weg zum härtesten, größten, spektakulärsten und damit legendärsten Motorsport-Spektakel der Welt. Im ersten Teil unserer Serie tauchen wir in die Geschichte des einzigartigen Rennens und in den Werdegang der Marke Peugeot Sport ein.

Ein Sonntag im Juni. In der Luft liegt Benzin, am Horizont röhren Turbomotoren. Die Uhr zeigt 15:00 – in diesem Moment beginnt das wahrscheinlich härteste Autorennen der Welt: die 24 Stunden von Le Mans. Seit 1923 zieht dieser infernalische Cocktail aus Geschwindigkeit, Strategie, Wahnsinn und Mythos die Größten ihres Fachs an. Und so viel ist klar: Le Mans ist kein Rennen, Le Mans ist ein Schicksal.

Weniger Ziellinie, mehr Überleben

Während in der Formel 1 vergleichsweise der Sprint über die Zahl der Runden zählt, ist Le Mans der Marathon der Motorsportwelt. 24 Stunden lang kämpfen Mensch und Maschine gegen Müdigkeit, Dunkelheit, Wetter und last but not least gegen sich selbst. Es geht nicht nur darum, als Erster durchs Ziel zu fahren – sondern überhaupt anzukommen. Und manchmal geht es einfach nur ums Überleben.
Die Historie des Rennens ist gespickt mit Tragödien, Triumphen und technischem Wahnsinn. Das Horrorjahr 1955, bei dem ein Rennwagen in die Zuschauermenge flog und 83 Menschen starben, veränderte alles und doch nichts. Denn das Rennen ging weiter, Jahr für Jahr. Der Tod gehört dazu.

Hollywood auf vier Rädern

Le Mans war nie nur ein Rennen – es war Bühne, Drama, Mythos. Steve McQueen wusste das, als er 1970 den Film Le Mans drehte. Ohne echtes Drehbuch, mit echten Autos und einer Crew, die mehr Risiken einging als jeder Stuntfahrer heute. McQueen selbst wollte  auch beim echten Rennen starten, doch seine Versicherung bremste ihn aus.

Steve McQueen

Auch Paul Newman suchte sein Heil im Benzin. 1979 belegte er bei Regen den zweiten Gesamtrang im Team von Dick Barbour und insgesamt 299 Runden. Heute träumen Patrick Dempsey oder Jackie Chans Rennteam von ähnlichen Ehren – aber keiner war je so nah an der Unsterblichkeit wie Newman. Apropos Runden: Für alle Langstrecken- und Le Mans Newbies: In Le Mans zählt de facto nicht, wer als erstes durchs Ziel fährt, sondern wer in den exakt 24 Stunden die meisten Runden schafft.

Paul Newman auf P2

Österreich in Le Mans: Eine lange Liebe

Auch wenn Österreich im Vergleich nicht die größte Motorsportnation ist, hat die Alpenrepublik Le Mans ihren ganz eigenen Stempel aufgedrückt. Allen voran Alexander Wurz. 1996 gewann er mit gerade einmal 22 Jahren das legendäre Rennen – bis heute ist er der jüngste Le-Mans-Sieger der Geschichte. Später folgte ein zweiter Gesamtsieg mit Peugeot im Jahr 2009, der zugleich auch der letzte Sieg der französischen Löwen in Le Mans markierte.

Jochen Rindt, der spätere Formel-1-Weltmeister, gewann 1965 das Rennen auf einem privaten Ferrari 250 LM gemeinsam mit Masten Gregory und Ed Hugus – der letzte Gesamtsieg eines Ferraris für lange 58 Jahre. Der Steirer Helmut Marko siegte 1971 gemeinsam mit Gijs van Lennep im Martini-Porsche 917 – mit 5.335 Kilometern ein Distanzrekord, der fast vier Jahrzehnte hielt. 1970 hatte er gemeinsam mit Rudi Lins zudem als Dritter die Dreiliterklasse gewonnen.

Weitere Klassensiege: Dieter Quester mit Toine Hezemans 1973 im 3,3-Liter BMW CSL, Roland Ratzenberger 1993 mit einem Sard-Toyota, Karl Wendlinger 1999 und 2000 in der Chrysler Viper, Walter Lechner jun. 2022 im Reynard-VW.

Christian Klien holte 2008 mit Peugeot den dritten Gesamtrang, ebenso Philipp Peter 2002 mit Audi. Richard Lietz triumphierte 2023 in der GTE-Pro-Klasse – der 109. Klassensieg für heimische Piloten. Nicht zu vergessen: Hans-Joachim Stuck – ein halber Österreicher – siegte 1986 und 1987 für Porsche. Und als Steve McQueen 1970 für seinen Film drehte, saßen als Stuntfahrer zwei Österreicher am Steuer: Erich Glavitza und Peter Huber. Hinter den Kulissen schrieb Wolfgang Ullrich als Audi-Teamchef Motorsportgeschichte. Zwischen 2000 und 2014 führte der Wiener Audi zu 13 Gesamtsiegen und hatte auch beim Bentley-Erfolg 2003 seine Finger im Spiel. Fritz Enzinger, gebürtiger Steirer, orchestrierte die drei Porsche-Siege von 2015 bis 2017. Und Alexander Wurz war als Toyota-Berater Teil von fünf Siegen in Serie (2018–2022).

Und auch dunkle Stunden erlebte der Österreichische Motorsport in Le Mans im Jahr 1986 als der Wiener Jo Gartner nachts bei über 300 km/h tödlich auf der Hunaudières-Geraden. Er galt als kommender Porsche-Werksfahrer. Ein Schicksal, das Le Mans bis heute überschattet.

Ford vs. Ferrari, und die Geburt des Wahnsinns

1966: Die Mutter aller Duelle. Ford gegen Ferrari. Amerika gegen Italien. Muscle gegen Eleganz. Der GT40 gegen den 330 P3. Henry Ford II will Enzo Ferrari demütigen – und schafft es. Drei GT40 rollen gleichzeitig über die Ziellinie. Ein Akt der Dominanz, orchestriert wie ein Opernfinale. Hollywood verfilmte diese Geschichte 2019 mit Le Mans ’66. Die Realität war noch besser.

Jacky Ickx, belgisches Ausnahmetalent, startete 1969 seinen persönlichen Protest gegen den gefährlichen „Le Mans-Start“, bei dem die Fahrer zur Startlinie sprinteten, ins Auto sprangen und losfuhren – meist ohne sich richtig anzuschnallen. Ickx ging langsam, schnallte sich sorgfältig an – und gewann das Rennen. Wenige Minuten später verunglückte ein Fahrer tödlich, der ungesichert gestartet war.

der legendäre Le Mans Start

Peugeot & Le Mans: Benzin im Blut, seit fast 100 Jahren

Peugeot ist im Motorsport auf vielen verschiedenen Ebenen und in unzähligen Klassen vertreten. Doch speziell in Le Mans sind die Löwen eine Legende – und das schon fast ein Jahrhundert lang. Der erste große Auftritt des Löwen in Le Mans fand 1926 statt: André Boillot und Louis Rigal lagen mit ihrem Peugeot 174 S auf Platz zwei – bis ein gebrochener Windschutzscheibenpfeiler zum Aus führte. Das Reglement war gnadenlos: Nur Fahrzeuge in exakt serienmäßigem Zustand durften starten. Peugeot zog sich enttäuscht zurück.

Peugeot 174 S

1937 dann das Comeback: Drei 302 DS Darl’mat Sport Roadster – eine Kooperation zwischen Peugeot und dem Pariser Händler Emile Darl’mat – fuhren auf Platz 7, 8 und 10. 1938 holte der 402 Darl’mat Platz 5 gesamt und den Klassensieg bis 2 Liter. Für damalige Verhältnisse: eine Sensation.

302 DS Darl’mat Sport Roadster

In den 1960ern versuchte sich Peugeot erneut – mit den avantgardistischen CD-Prototypen von Charles Deutsch. Doch erst die 1980er-Jahre sollten Peugeot wieder auf die Karte bringen. 1980 holte das WM-Team (Welter/Meunier) mit Peugeot-Power Platz 4. Und 1988 sprengte Roger Dorchy im WM P88 mit 405 km/h (251 mph) den Speed-Rekord auf der Hunaudières-Geraden – ein Rekord, der bis heute Bestand hat.

CD Prototyp von C- Deutsch

Der große Durchbruch kam in den 1990ern: Der 905, Peugeots Hightech-Flunder mit V10, revolutionierte Le Mans. Nach Rückschlägen 1991 gewann man 1992 – trotz Dauerregen und Problemen. 1993 dann die Krönung: Platz 1, 2 und 3. Peugeot dominiert, Toyota muss sich geschlagen geben. Danach zog sich Peugeot zurück – mit erhobenem Haupt.

Der 908 mit dem Alex Wurz 2009 den Sieg holte

2007 das Comeback mit dem 908 HDi FAP – einem Dieselprototyp, der vor allem Audi herausfordern sollte. Nach Podestplätzen 2007 und 2008 folgte 2009 der große Coup: Sieg mit Wurz, Gené und Brabham. Drei Werksautos liefen ins Ziel ein. Ein Statement. Und: der letzte französische Gesamtsieg bis heute. 2012 war Schluss – aus Kostengründen. Aber 2023 kehrte Peugeot zurück. Mit dem radikalen 9X8. Ohne Heckflügel. Mit Hybridantrieb. Und einer Message: Le Mans ist Teil von Peugeots DNA. Der 9X8 debütierte beim 100-jährigen Jubiläum des Rennens und soll die Geschichte weiterschreiben.

Team Peugeot TotalEnergies 2025

2025 geht das Team Peugeot TotalEnergies mit neuem Elan in die nächste Etappe. Beim Hypercar-Programm der FIA World Endurance Championship setzt man erneut auf den 9X8 – mit frischen wie erfahrenen Fahrerpaarungen.

Der PEUGEOT 9X8 mit der Startnummer #93 wird von Paul Di Resta, Mikkel Jensen und Jean-Éric Vergne pilotiert – ein erfahrenes Trio mit bewährter Chemie und großer Konstanz auf anspruchsvollsten Strecken.

In der #94 sitzen Loïc Duval, Malthe Jakobsen, neuerdings übrigens Wahlvorarlberger, den wir für den nächsten Teil unserer Serie in Dornbirn besucht haben, und Stoffel Vandoorne. Hier trifft Routine auf jugendliche Angriffslust – ein Line-up, das internationales Potenzial mitbringt. Als Testfahrer steht Théo Pourchaire bereit, der bereits erste Ausfahrten im 9X8 absolvierte. Der WEC-Kalender 2025 startete heuer am 28. Februar in Katar (1812 km von Lusail), führt über Imola, Spa, Brasilien, die USA und Japan – und gipfelt natürlich im Saisonhöhepunkt: den 24 Stunden von Le Mans. Finales Rennen: Bahrain im November.

„Wir haben unsere Line-ups mit einem präzisen Gleichgewicht aus Erfahrung und Dynamik zusammengestellt“, sagt Olivier Jansonnie, Technischer Direktor des Peugeot Sport TotalEnergies FIA WEC-Programms. „Vergne, Di Resta und Jensen bilden eine eingespielte Einheit, während Duval, Vandoorne und Jakobsen strategischen Überblick mit jugendlicher Entschlossenheit vereinen. Der 9X8 ist unser Bekenntnis zu Innovation und Ambition – und 2025 gehen wir aufs Ganze.“

Wo Technik zur Religion wird

Le Mans ist nicht nur Show, es ist Labor. Hier wird getestet, was später in Serienfahrzeugen landet. Die erste Verwendung von Scheibenbremsen, der Siegeszug des Turbos, der Umstieg auf Hybridtechnologie, alternative Kraftstoffe – all das begann in Le Mans.

Und auch eine ikonische Designentscheidung verdankt sich dem Rennen: der links platzierte Zündschlüssel bei Porsche. Warum? Beim traditionellen Le-Mans-Start mussten die Fahrer gleichzeitig einsteigen, starten, losfahren. Der links liegende Schlüssel ermöglichte es den Fahrern, mit der linken Hand zu starten, während die rechte bereits den ersten Gang einlegte – Sekunden, die über Sieg oder Niederlage entschieden.

Die Romantik bleibt

Trotz Technik, Tod und Testosteron – Le Mans bleibt ein romantischer Ort. Die Fahrer, die nachts durch die Dunkelheit jagen, begleitet nur von den LED-Streifen auf der Strecke und dem Soundtrack kreischender Motoren. Die Fans, die in Zelten campen, Würste grillen und seit Jahrzehnten jede Runde zählen und von diesem einzigartigen Flair eingesaugt werden, das man nur schwer in Worte fassen kann.

Le Mans ist kein Rennen für jedermann. Aber es ist das Rennen für Legenden. Und das wird sich auch 2025 nicht ändern. Denn eines ist sicher: Die Uhr tickt. Die Startflagge weht. Und irgendwo, zwischen Mulsanne Straight und Tertre Rouge, wartet schon das nächste Kapitel. Und für die Löwen vom Team Peugeot TotalEnergies ist somit auch 2025 wieder ein neues Kapitel aufgeschlagen und Le Mans bleibt der Prüfstand, auf dem Mythen geschmiedet werden.

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