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BMW i3: Giulia, schau oba!

Mit dem i3 lässt BMW eine erste Preview auf den Markennukleus vom Stapel. Vorerst gibt es die Dreier-Reihe nur elektrisch, die restlichen Modelle folgen im Herbst. Der erste nichtgetarnte Dreier der achten Generation lässt rein optisch jedenfalls viel Vorfreude aufkommen.

Woran denken Sie, wenn Sie an BMW denken? An groß, schnell, sportlich, Formel 1, Nelson Piquet, Tourenwagen, Rennautos, schneller, höher, stärker. Und oder an die deutsche Oberklasse. Die einzig legitimen Herausforderer der Marke mit dem Stern. Spätestens seit es den Siebener gibt, seit Mitte der Siebzigerjahre also. Oder denken Sie doch an den Erfinder des SAV, dessen Ur-Vater, der BMW X5 sich heuer im Sommer zum sechsten Mal seit seiner ersten Niederkunft anno 1999 neu erfinden wird?

Alles richtig, zweifellos. Aber in Wirklichkeit denken wir alle an den Dreier, wenn wir an BMW denken. Jenes Fahrzeug, einst Kompakt-, heute längst in der unteren Mittelklasse angesiedelt, wenn es solche Zuteilungen überhaupt noch gibt. Er ist der Nukleus der Marke, seit über 40 Jahren. Jenes kleinste gemeinsame Vielfache der zelebrierten Markensportlichkeit, das brav das Geld nach Hause nach München bringt, auf dass man sich solide alles andere, was man an Gutem und Schönem und Feinem auf vier automobile Räder stellt, leisten kann. 

3er-BMW also. Da kommt einem freilich mehr in den Sinn als eine brave Mittelklasse Limousine. Da gibt’s einen Touring, ein Coupé, ein Cabrio, dann natürlich die M-Modelle. Dass es da im letzten Jahrzehnt eine Aufweichung gab, ein gewisses Doppelpass-Spiel mit dem Vierer, fällt nicht ins Gewicht. Wir alle, Sie und ich und auch all die anderen BMW-Freaks, wissen sehr genau was gemeint ist, wenn von einem 3er-BMW die Rede ist. 

Und was ist mit dem BMW i3? Ja, den kennen wir auch. Der erste reine Elektriker der Marke, auch nun vor bereits 13 Jahren zur Welt gebracht, als erster Proponent von BMW i, jener Submarke, die zunächst für die BEVs der Marke stehen sollte. Bis 2022 wurde er gebaut und verkauft, der edle City-Flitzer mit dem eigenwilligen Design, das sich so völlig von allem anderen unterschied, was die Marke im Angebot hatte. Mit dünnen Vorderreifen und einem Motorrad-Motor als Range Extender. Hinteren Türen, die nach hinten aufschwingen. So richtig verstanden haben wir den i3 damals nicht, als er rauskam, seien wir uns ehrlich. Und als er verschwand, hatten wir ihn richtig lieb gewonnen, trotz Micky Maus-Reichweite und allen Nachteilen der frühen E-Mobilität. Wenige Autos haben es nach so kurzer Rente zum Klassiker geschafft wie der erste i3, der sich hartnäckig weigert, in Sachen Gebrauchtwagenpreise den üblichen Weg nach unten einzuschlagen.

Der erste BMW i3 wurde 2022 eingestellt und ist bereits ein Klassiker.

Mittlerweile hat sich einiges geändert in der BMW-Philosophie. Das Kürzel i ist in den Kern der Marke gewandert, in die Mitte sozusagen. Aber die Strategie dahinter ist ein völlig andere. Einer der Hauptgründe dafür, warum BMW neuerdings so irre gut unterwegs ist, ist die goldrichtig getroffene Richtungsentscheidung gewesen, die E-Antriebe nicht wie anderswo in eine ganz eigene Fahrzeuglinie abzuschieben. Sondern alle Antriebe für ein und dasselbe Modell anzubieten. Beim Vierer hat das Konzept ganz formidabel geklappt. Und beim Dreier würde es spätestens mit der nunmehr achten Generation anno 2026 eingeführt.

Was mit sich bringt, dass der erste i3 ab sofort zum „alten“ i3 wird. Weil ein elektrischer Dreier folgerichtig genauso heißen wird müssen. Erst mals in der Geschichte von BMW wechselt eine Modellbezeichnung somit nicht nur Modellreihe sondern Fahrzeuggattung. Und Mitte März wurde nun der brandneue i3 als erste Ausformung der brandneuen BMW Dreier-Reihe auf der Stakeholder-Convention in München präsentiert (der Rest der Bande kommt im Herbst). 

Das Zauberwort für fast alles, was derzeit bei BMW passiert, ist Neue Klasse. Insgesamt 40 neue Modelle (Facelifts und Erneuerungen) bringt man bis Ende 2027 (!) auf den Markt, verrspricht Noch-Chef Oliver Zipse vollmundig. Und der neue i3 sowie der bereits seit Jahresanfang auf der Straße fahrende iX3 waren bereits die ersten Proponenten jener Philosophie, deren Namen man sich kokett aus den frühen 1960ern geholt hat. Damals hat die revolutionäre neue Baureihe, aus deren Entwicklung sich 1972 der erste Fünfer ergab, der schließlich die neue Zahlen-Nomenklatur in München einführte, nicht weniger als die Marke gerettet. Man war hilflos in rundlichen Barockmustern gefangen, hatte sich hilf- wie erfolglos als Kleinwagenhersteller versucht und setzte mit der reichlich modernistischen Neuentwicklung alles auf eine Karte. Erfolgreich, wie wir heute wissen. 

Nun stand BMW vor sechs Jahren, als die neue Neue Klasse ins Planungsstadium ging, keinesfalls so auf der Kippe wie 60 Jahre zuvor. Dennoch musste man sich im großen Stil für die größte Disruption in der Geschichte des Automobils bereit machen. Die Rede ist natürlich von der E-Mobilität. Und tatsächlich blieb in der Planung für künftige, neue Modelle kein noch so kleiner Baustein auf dem anderen. Neue Autos wurden bei BMW ab sofort völlig neu gedacht, natürlich nach den Vorgaben der Elektrik grundkonzipiert (intelligente BUS-Systeme, wenige Steuergeräte, schlaue Vernetzung, größtmöglich Erweiterbarkeit). Allerdings, hört man die Entwickler hinter vorgehaltener Hand stöhnen, war es anno 2020 leichter in die Zukunft des Automobils zu blicken, als es das heute ist. Weil: „Damals war die Zukunft jedenfalls elektrisch.“ Dass man tatsächlich von den Irrwegen der europäischen Politik wieder dazu gezwungen werden wird, über neue Verbrenner-Antriebe nachzudenken, konnte damals keiner ahnen.

Insofern hat man sich bei BMW entweder in hochweiser Voraussicht für die „Ein-Modell-Alle-Antriebe“ Konfguration entschieden  – oder einfach Glück gehabt. 

Die „Neue Klasse“ von 1966, damals Retter der Marke, heute Vorbild für die neue Elektro-Denke.

Also verkörpert der neue i3 als zweites Modell der Neuen Klasse den technologischen Weitsprung in eine neue Ära. Der erste vollelektrische BMW 3er startet als BMW i3 50 xDrive, der jeweils eine E-Maschine an der Vorder- und an der Hinterachse besitzt. Die gemeinsame Systemleistung beträgt 345 kW/469 PS, das maximale Drehmoment liegt bei 645 Nm. Der E-Motor an der Hinterachse wird im BMW Group Werk Steyr produziert. Die hocheffiziente BMW eDrive Technologie der 6. Generation sorgt gemeinsam mit dem neuen BMW Panoramic iDrive und dem Heart of Joy für Freude am Fahren auf einem noch nie erlebten Niveau. Mit BMW Symbiotic Drive tritt auch das assistierte Fahrerlebnis in eine neue Ära ein. 

Der neue BMW i3 besticht mit seiner hohen Langstreckentauglichkeit. Seine Reichweite beträgt bis zu 900 Kilometer (gemäß Testzyklus WLTP). DC-Ladeleistungen von bis zu 400 kW sorgen zudem für drastisch verkürzte Ladezeiten. Am DC-Schnelllader kann Energie für bis zu 400 km in 10 Minuten (gem. ISO 12906 im WLTP-Zyklus) nachgeladen werden. Die Voraussetzungen für den rasanten Fortschritt liefert die BMW eDrive Technologie der 6. Generation. Sie umfasst hocheffiziente Elektromotoren, 800-Volt-Technologie und neue Hochvoltbatterien mit neuen Rundzellen. Die angewendete Cell-to-Pack-Bauweise ermöglicht hohe Energiedichten auf Pack-Level und eine flachere Hochvoltbatterie. Der BMW i3 verfügt daneben über die bidirektionalen Ladefunktionen Vehicle-to-Load (Voraussetzung optionales AC-Laden Professional), Vehicle-to Home und Vehicle-to-Grid.

Gebaut wird der neue BMW i3 ab August, auf unsere Straßen rollt er dann im Herbst. Bis dahin ist sich mit dem iX3 zu begnügen – wenn man noch einen ergattert. Der Run auf das Modell ist bislang unvergleichlich.

Ach ja – er sieht umwerfend aus, der neue i3. Man baut nun in, man verzeihe mir sowohl hüben wie drüben die mutmaßliche Blasphemie, München jene Alfas, die es in Mailand leider nicht mehr spielt. Giulia, schau oba! 

Franz J. Sauer

Liebt Autos, weiß auch ein bissl was, schwurbelt schön drum herum und springt für SUV in die Bresche.

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