Audi e-tron Sportback: Schönheitskönig

Das Model X mag erfolgreich sein und innovativ, doch einen Schönheitspreis gewinnt Tesla für sein erstes SUV ganz sicher nicht. Der Mercedes EQ C ist mit seinem Hängebauch, dem zu langen Heck und einem ausdruckslosen Gesicht nicht gerade Gorden Wageners Meisterstück und auch der Audi e-tron war bislang nicht eben ein Blickfang. Macht nichts. Da die Stromer in ihrem Segment bislang noch relativ alleine waren und entsprechend wenig Konkurrenz fürchten mussten, war der Druck auf die Designer nicht sonderlich groß. Doch jetzt, wo sich der Markt so langsam entwickelt, ändert sich das zusehends und Audi trägt dem jetzt als erster Rechnung. Im Mai stellen die Bayern dem e-tron deshalb zu Preisen ab 71.350 Euro (D) einen Sportback zur Seite und setzen damit vor allem auf die Verführungskraft einer schönen Linienführung.

Von Thomas Geiger

Vom gewöhnlichen e-tron unterscheidet sich der Sportback vor allem durch das Heck, das früher ansetzt und flacher ausläuft. Das kostet zwar im Fond ein paar Zentimeter Kopffreiheit und weiter hinten ein paar Liter Stauraum. Doch erstens bleiben auch unter der schrägen Klappe noch immer 615 bis 1.655 Liter, und zweitens sieht der e-tron damit nicht mehr ganz so grob und watzig aus.

Damit man den Unterschied auch bei Nacht erkennt, gibt es dazu zum ersten Mal bei einem Serienmodell ein digitales Matrixlicht. Dann können die LED im Scheinwerfer so angesteuert werden, dass nicht nur spektakuläre Begrüßungsszenarien möglich werden, sondern dass sich auch zusätzliche Markierungen auf die Fahrbahn beamen lassen, die zum Beispiel in engen Baustellen die Durchfahrt erleichtern sollen.

Unter dem Blech ändert sich dagegen nichts und es gibt den Sportback wahlweise als 55er mit einer Systemleistung von 265 und kurzfristig sogar 300 kW, einem Spitzentempo von 200 km/h und 97 kWh-Akku für bis zu 448 Kilometer Fahrstrecke, oder als 50er. Der muss sich mit 230 kW, 190 km/h, 71 kWh und einem Aktionsradius von 347 Kilometern begnügen.

Zwar ist es immer wieder imposant, wenn so ein Brocken wie von Geisterhand und völlig geräuschlos drauf los sprintet, beim Ampelstart jedem Sportwagen die Schau stiehlt und im besten Fall in 5,7 Sekunden auf Tempo 100 ist. Schließlich werden selbst 2,6 Tonnen ganz leicht, wenn daran 664 Nm reißen. Doch einen Unterschied zum normalen e-tron fühlt man nicht beim Sprint, sondern allenfalls auf der Langstrecke: Weil das Coupé mit einem cw-Wert von 0,25 noch windschnittiger ist, reicht der Saft in den Akkus in der Theorie für zehn Kilometer mehr.

Zwar ist in der elektrischen Welt vieles anders als früher und manche Wertung hat sich verschoben. Doch eines gilt offensichtlich auch in der Akku-Ära: Wie immer bei Coupés zahlt man mehr Geld für weniger Auto. Denn bei identischer Ausstattung ist der Sportback 2.250 Euro teurer.